Das "staufische" Königreich Jerusalem

Zwischen 1225 und 1268 waren die Staufer auch Könige von Jerusalem

Durch seine Ehe mit Königin Isabella II. von Jerusalem wurde Kaiser Friedrich II. aus dem Hause der Staufer im Jahre 1225 König von Jerusalem. Diesen Titel trugen auch sein Sohn König Konrad IV. sowie dessen Sohn Konradin, mit dem die Staufer im Jahre 1268 in männlicher Linie ausstarben. Die deutsche Geschichtsforschung hat diese staufische Ära des Königreichs Jerusalem – mit Ausnahme von Friedrichs Heirat und seiner Stippvisite im Heiligen Land von September 1228 bis Anfang Mai 1229 – bisher eher stiefmütterlich behandelt.


VON PETER KOBLANK (2018)

 1. Vorgeschichte
 1.1   Die religiöse Bedeutung Jerusalems
 1.2Der Erste Kreuzzug (1096-1099) und die Gründung der Kreuzfahrerstaaten
 1.3Die Gründung des Königreichs Jerusalem (1100)
 1.4Der Verlust von Edessa (1144) und der Zweite Kreuzzug (1147-1149)
 1.5Der Verlust von Jerusalem (1187) und die Reduzierung auf Tyrus
 1.6Der Dritte Kreuzzug (1189-1192)
 1.7Das Zweite Königreich Jerusalem (ab 1192)
 1.8Der Vierte Kreuzzug und die Eroberung von Byzanz (1204)
 1.9König Johann von Brienne (ab 1210)
 1.10Die Verfassung des Königreichs Jerusalem
 2. Die staufische Ära
 2.1Die Kreuzzüge der Staufer im 12. Jahrhundert
 2.2Die ständig verschobenen Kreuzzugspläne von Kaiser Friedrich II. (1215-1227)
 2.3Friedrichs Heirat mit Königin Isabella II. von Jerusalem (1225)
 2.4Das weitere Schicksal von Johann von Brienne (1225-1237)
 2.5Die Geburt von Konrad und der Tod von Isabella (1228)
 2.6Friedrichs Aufbruch zum Sechsten Kreuzzug (1228)
 2.7Die friedliche Wiedergewinnung Jerusalems (1229)
 2.8Die Ablehnung der Vereinbarungen (1229)
 2.9Der Lombardenkrieg im Königreich Zypern (1229-1233)
 2.10Der Lombardenkrieg im Königreich Jerusalem (1231-1243)
 2.11Konrad IV. als König von Jerusalem (1243-1254)
 2.12Konradin als König von Jerusalem (1254-1268)
 2.13Bewertung der staufischen Ära des Königreichs Jerusalem
 3. Nachgeschichte
 3.1Die Lusignans als Könige von Zypern und Jerusalem (1197-1205 und 1268-1291)
 3.2Maria von Antiochia (1268) und das Gegenkönigtum von Karl I. von Anjou (1277-1285)
 3.3Der Fall Akkons und das Ende des Königreichs Jerusalem (1291)
 3.4Die letzte Bastion im Nahen Osten auf der Insel Ruad (1291-1302)
 3.5Die Lusignans als Titularkönige von Jerusalem (1291-1489)
 3.6Die Titularkönige von Jerusalem bis in die Gegenwart
 3.7Die Könige von Jerusalem auf Stauferstelen

1. Vorgeschichte

1.1 Die religiöse Bedeutung Jerusalems

Jerusalem ist für alle drei abrahamitischen Religionen eine heilige Stadt:

  • König Salomo hat auf dem Tempelberg den ersten jüdischen Tempel erbaut, der Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. durch die Babylonier zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Rest einer neuen Tempelanlage, die 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde.
  • Jesus von Nazareth ist nach christlichem Glauben am dritten Tag nach seiner Kreuzigung dort, wo heute die Grabeskirche steht, von den Toten wiederauferstanden.
  • Der Prophet Mohammed ist nach muslimischer Überlieferung vom Erzengel Gabriel auf einem geflügelten Reittier namens Burak nach Jerusalem gebracht worden und von dort zu einer Reise in den Himmel aufgestiegen. Nachdem er Adam, Abraham, Moses und Jesus begegnet war, erschien ihm Allah als göttliches Licht.

Ende des 11. Jahrhunderts stand Jerusalem unter muslimischer Herrschaft.

Das moderne Jerusalem aus östlicher Sicht. Im Vordergrund der Tempelberg mit dem Felsendom. Hinter dessen goldener Kuppel sieht man die beiden hellgrauen Kuppeln der Grabeskirche. – Abbildungen in dieser Reportage: Autor oder Public Domain.

1.2 Der erste Kreuzzug (1096-1099) und die Gründung der Kreuzfahrerstaaten

Im März 1095 trafen Gesandte des byzantinischen Kaisers Alexios I. bei Papst Urban II. ein. Sie baten um Unterstützung gegen die seldschukischen Türken, die sich zu einer Bedrohung für Konstantinopel entwickelt hatten. Damit brachten sie eine Reihe von Ereignissen ins Rollen, die den Ersten Kreuzzug auslösten.

Im November 1095 sprach der Papst während des Konzils zu Clermont in öffentlicher Sitzung über die Lage im Osten, über die Bedeutung Jerusalems und über die Leiden der Pilger, die dorthin reisten. Die Christen des Westens sollten aufbrechen, um den Osten zu erretten, damit täten sie Gottes Werk. Wer in den Schlachten sein Leben ließe, dem werde Vergebung seiner Sünden gewährt.

Der Erste Kreuzzug war ein voller Erfolg und führte zur Gründung von vier Kreuzfahrerstaaten. Vergrößerte Ansicht.
Am 15. Juli 1099 eroberten christliche Kreuzfahrer die Heilige Stadt. Der Erste Kreuzzug endete im August 1099 mit einem vernichtenden Sieg in der Schlacht von Askalon über al-Afdal Schahanschah, den Wesir der Fatimiden.

Die christlichen Adligen, die zum Bleiben bereit waren, gründeten zwischen 1098 und 1109 in der Levante vier Kreuzfahrerstaaten:

  • Grafschaft Edessa (1098)
  • Fürstentum Antiochia (1098)
  • Königreich Jerusalem (1100)
  • Grafschaft Tripolis (1109)

Für das eroberte Land wurde damals der altfranzösische Oberbegriff Outremer (dt.: jenseits des Meeres, Übersee) geprägt.

Die Kreuzfahrer boten Gottfried von Bouillon, einem ihrer Anführer, die Königskrone von Jerusalem an, der sie aber ablehnte: Er wollte in der Stadt, in der Jesus eine Dornenkrone getragen hatte, keine goldene Krone tragen. Gottfried war aber bereit, die Herrschaft zu übernehmen und ließ sich als princeps (dt.: Fürst), dux (dt.: Herzog) und möglicher Weise auch als advocatus sancti sepulchri (dt.: Vogt des Heiligen Grabes) titulieren.

Gottfried, der schon ein Jahr später starb, wollte sich durch den Verzicht auf den Königstitel wahrscheinlich nicht über den Patriarchen von Jerusalem stellen, der eine theokratische Herrschaft in Form eines Patrimoniums des Papstes anstrebte.

1.3 Die Gründung des Königreichs Jerusalem (1100)

Das Jerusalemkreuz wurde 1099 erstmals von Gottfried von Bouillon als Wappen verwendet. Es ist ein griechisches Kreuz, in dessen Quadranten vier kleinere Kreuze stehen.

Nach Gottfrieds kinderlosem Tod im Juli 1100 nahm sein jüngerer Bruder Balduin, der Gründer der Grafschaft Edessa, unter allgemeiner Billigung der Kreuzfahrer den Titel eines Königs der Lateiner von Jerusalem an. Am Weihnachtstag des Jahres 1100 huldigte Balduin in der Geburtskirche von Bethlehem dem Jerusalemer Patriarchen Dagobert, der ihn, wenn auch widerwillig, zum König krönte.

Wappen des Königreichs Jerusalem.
Damit waren die Würfel für einen säkularen Staat gefallen und das Königreich etabliert. Balduin eroberte in den achtzehn Jahren seiner Regentschaft die Hafenstädte Arsuf und Caesarea (1101), Akkon mit seinem bei jedem Wetter sicheren Hafen (1104), Beirut (1110) und Sidon (1110). 1115 überschritt er die von Jordan und Totem Meer vorgegebene Nordsüdlinie, errichtete im heutigen Jordanien die Festung Krak de Montreal und eroberte von da aus Akaba am Roten Meer.

Den Krak de Montreal (dt.: Festung des königlichen Berges) ließ Balduin I. im Jahre 1115 als erste Burg östlich des Jordans und des Toten Meers im heutigen Jordanien erbauen. Als Saladin 1187 Jerusalem eroberte, ließ er seinen Bruder al-Adil auch Montreal belagern. Wegen des Hügels konnten die Angreifer keine Belagerungsmaschinen einsetzen, so dass die Burg erst nach zwei Jahren, im Mai 1189, fiel. Die Mamluken, von denen die großen rechteckigen Türme an der äußeren Ringmauer stammen, haben die Burg Ende des 13. Jahrhunderts weiter ausgebaut, heute ist es eine Ruine.

Die Bevölkerung des Königreichs

Die neue fränkische Oberschicht von Outremer, die zu keiner Zeit mehr als dreitausend erwachsene Angehörige zählte und hauptsächlich aus Frankreich stammte, sprach die den Nordfranzosen und Normannen geläufige altfranzösische Langue d’oïl. Es gab wenig Deutsche, da die meisten von ihnen am Ende des Ersten Kreuzzugs zurückgefahren waren.

Das Königreich bestand aus vielen kleineren Gebieten, deren Herren zwar Vasallen des Königs waren, in ihrem Territorium aber volle Autorität besaßen. Nach nur zwei Generationen befanden sich die vierundzwanzig bedeutendsten Herrschaften durch Heirat und Erbschaft in den Händen von nur noch zehn Familien.

Für die fränkischen Herren hat sich in der Fachliteratur der Begriff Barone eingebürgert. Dieses Wort stammt vom fränkischen baro (dt.: Herr, Krieger) und ist heute eine synonyme Bezeichnung für einen Freiherrn. Dieser Adelstitel ist unterhalb des Grafen angesiedelt. Auch wenn sie sich damals nicht so genannt haben, entsprach dies in etwa der Stellung der Feudalherren von Outremer.

Die Muslime waren die mit Abstand größte Gruppe unter den Einheimischen, gefolgt von syrischen Christen und Juden, letztere vor allem in Galiläa. Im Gebiet um Nablus lebten Samaritaner, eine heute noch existierende Variante des Judentums, die nur die Autorität der fünf Bücher Mose anerkennt. Die Angehörigen der jeweiligen Bevölkerungs- und Religionsgruppen wohnten getrennt voneinander in eigenen Dörfern. Auch in den Städten wohnten sie in separaten Quartieren.

Die fränkischen Barone hatten kein Interesse an einer Bekehrung der nichtchristlichen Bevölkerung. Allerdings war für eine rechtsgültige Ehe mit einer Muslimin oder einem Muslim deren Konversion zum Christentum erforderlich. Eine multikulturelle Gesellschaft im Sinne eines gegenseitigen Austausches zwischen den Franken und den Muslimen hat es in Outremer niemals gegeben.

König Balduin II. und die Entstehung der Ritterorden

Da nach Balduins kinderlosem Tod im Jahre 1118 dessen ältester Bruder und Erbe Eustach sich in Europa aufhielt, wählten die Barone einen Verwandten – möglicherweise war er ein Cousin – zum neuen König: Balduin von Bourcq, den König Balduin I. im Jahre 1100 zu seinem Nachfolger in der Grafschaft Edessa gemacht hatte. Am Ostersonntag 1118 setzte ihm der Patriarch die Krone auf.

Wappen des Templerordens, des Johanniter- ordens und des Deutschen Ordens.
Balduin II. eroberte 1124 die die Hafenstadt Tyrus, wodurch eine ununterbrochene Küstenlinie von Beirut bis Jaffa entstand. In seine Regierungszeit fällt auch die Entstehung ritterlicher Ordensgemeinschaften, die direkt dem Papst unterstanden:
  • Templerorden. Der Ordo Pauperum Commilitonum Christi Templique Salomonici Hierosolymitani (dt.: Orden der armen Kriegskameraden von Christus und dem Salomonischen Tempel zu Jerusalem) erhielten von ihm einen Teil der al-Aqsa Moschee auf dem namensgebenden Tempelberg als Sitz.
  • Johanniterorden. Der Ordo Fratrum Hospitalis Sancti Ioannis Hierosolymitani (dt.: Orden der Brüder vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem), der aus einem schon vor dem Ersten Kreuzzug gestifteten Pilgerspital hervorgegangen und Johannes dem Täufer geweiht war, wandelte sich jetzt schrittweise von einer Spitalbruderschaft zum geistlichen Ritterorden.
  • Deutscher Orden. Der Ordo Sanctae Mariae Teutonicorum (dt.: Orden der Hl. Maria der Deutschen) wurde erst Ende des 12. Jahrhunderts während der Belagerung von Akkon als Spitalgemeinschaft gegründet und mutierte anschließend zu einem dritten militärischen Orden.
Die drei Orden waren militärische Eliteeinheiten und standen in harter Konkurrenz miteinander, die bis zum Krieg gegeneinander führen konnte.

Jerusalem um 1187. 1 Grabeskirche – 2 Hospital der Johanniter – 3 Kirche der Hl. Maria der Lateiner – 4 Kirche von Johannes dem Täufer – 5 Kirche von St. Giles – 6 Kapelle von St. Jakob dem Jüngeren – 7 Königspalast – 8 Haus der Templer – 9 Hospital der Hl. Maria der Deutschen – 10 Kirche von St. Martin – 11 Kapelle von St. Jakob dem Älteren – 12 Kirche von St. Peter – 13 Kirche von St. Maria Magdalena – 14 Kirche von St. Anna – 15 Haus der Ruhe – 16 Haus von Pilatus – 17 Ecce Homo – 18 Geißelung – 19 Überdachte Straße – 20 Gemüsestraße – 21 Straße der schlechten Küche – 22 Syrische Geldwechselstelle. Vergrößerte Ansicht.

1.4 Der Verlust von Edessa (1144) und der Zweite Kreuzzug (1147-1149)

Die Grafschaft Edessa war der als erstes gegründete Kreuzfahrerstaat, flächenmäßig größer als das Königreich Jerusalem, aber auch der erste, der wieder verloren ging. Die Stadt Edessa (heute: Urfa in der Türkei) wurde 1144 unter Imad ad-Din Zengi, dem Atabeg von Aleppo und Mosul, von den Muslimen erobert.

Das löste den Zweiten Kreuzzug aus. Dieser begann 1147 unter Führung des römisch-deutschen Königs Konrad III. aus dem Haus der Staufer und Königs Ludwig VII. von Frankreich. Er verlief nach einer eher unklugen und binnen fünf Tagen wieder abgebrochenen Belagerung von Damaskus im Juli 1148 erfolglos im Sande. Konrad III. kehrte im September 1148 von Akkon aus über Konstantinopel nach Deutschland zurück. Ludwig VII. zog weiter nach Jerusalem und reiste im April 1149 wieder nach Hause, ohne etwas bewirkt zu haben.

Zengis Sohn Nur ad-Din gelang es in den Folgejahren, das muslimische Syrien unter seiner Führung zu vereinen und die Grafschaft Edessa vollständig einzunehmen.

1.5 Der Verlust von Jerusalem (1187) und die Reduzierung auf Tyrus

Bereits 1099 und 1148 hatten die Kreuzfahrer erfolglos versucht, Askalon zu erobern. Von dieser Stadt aus, die stets Ausgangspunkt der muslimischen Angriffe auf die Kreuzfahrerstaaten aus Richtung Süden war, konnte man die Landverbindung von Ägypten nach Palästina und Syrien kontrollieren. Die Eroberung von Askalon im Jahre 1153 war das der letzte große Triumph der Könige von Jerusalem.

Die Schlacht von Hattin 1187. Saladin (links) entreißt dem fliehenden König Guido von Jerusalem das heilige Kreuz. Matthäus von Paris, Chronica majora, Mitte 13. Jahrhundert.

Nach dem Sieg Saladins im Jahre 1187 in der Schlacht von Hattin war vom Königreich Jerusalem bald nur noch Tyrus übrig. Die Grafschaft Edessa war schon unter dessen Vorgänger Nur ad-Din von der Landkarte verschwunden. Vergrößerte Ansicht.
Nach dem Tod von Nur ad-Din im Jahre 1174 gelang es dem Kurden Saladin, der ursprünglich dessen Statthalter in Ägypten gewesen war, die politische Führung in Syrien und Ägypten zu erlangen. 1176 heiratete er die Witwe Nur ad-Dins und unterstrich damit seine Legitimation als dessen Nachfolger.

Saladin besiegte die Kreuzfahrer am 4. Juli 1187 in der Schlacht bei Hattin. Das Heilige Kreuz, eine kostbare Reliquie, wurde von den Muslimen erbeutet, nachdem der Bischof von Bethlehem, dem man es anvertraut hatte, getötet worden war. König Guido von Jerusalem und die überlebenden Ritter, unter ihnen der Großmeister der Templer, wurden gefangengenommen. Alle Gefangenen bis auf den König wurden geköpft.

Nach diesem vernichtenden Sieg konnte Saladin nahezu ungehindert durch Palästina und Syrien marschieren. Als nächstes eroberte er Akkon und zog weiter nach Askalon, wo Guido im September 1187 im Austausch für die kampflose Übergabe der Stadt freigelassen wurde. Schließlich eroberte der Sultan die Hauptstadt Jerusalem.

Nachdem Saladin die Kreuzfahrerstaaten innerhalb von drei Jahren überrannt hatte, war vom Königreich Jerusalem zum Schluss nur noch die Küstenstadt Tyrus übrig.

Im syrischen Norden waren nur noch die Städte Antiochia, St. Simeon (Hafen von Antiochia), Tripolis und Tortosa sowie die Johanniterburgen Marqab und Krak des Chevaliers in fränkischer Hand.

1.6 Der Dritte Kreuzzug (1189-1192)

Dies war Auslöser des Dritten Kreuzzugs, der vom römisch-deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus dem Hause der Staufer sowie dem französischen König Philipp II. und dem englischen König Richard I. (genannt Löwenherz) angeführt wurde.

Friedrich I. Barbarossa und Herzog Friedrich VI. von Schwaben

Barbarossa hatte bereits, als er noch Herzog von Schwaben war, seinen Onkel König Konrad III. auf dem Zweiten Kreuzzug begleitet, damals auf dem Landweg über Kleinasien, die heutige Türkei. Am 11. Mai 1189 brach der Kaiser, genau wie 42 Jahre zuvor seinem Onkel, in Regensburg auf dem Landweg ins Heilige Land auf, kam aber am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph in Kleinasien, der heutigen Türkei ums Leben.

In dieser Schlucht soll Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1190 ums Leben gekommen sein, als er auf dem Weg nach Seleukia (heute Silifke) war und den Fluss Saleph (heute Göksu, dt.: Blaues Wasser) aus nördlicher Richtung (im Bild von rechts nach links) durchqueren wollte.
Mehr Details.
Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Herzog Friedrich VI. von Schwaben die Führung des deutschen Kreuzfahrerheeres. Obwohl ein großer Teil der Kreuzfahrer das Heer verließ und von Antiochia aus in Richtung Heimat segelte, wollte Friedrich mit seinem Restheer nach Jerusalem ziehen. In Tripolis erkrankte ein Großteil seiner Begleiter an einer Seuche, weshalb Friedrich Anfang Oktober 1190 mit nur wenigen Rittern zur seit August 1189 von den Christen belagerten Stadt Akkon kam. Friedrich, der ebenfalls erkrankt war, starb dort am 20. Januar 1191 und wurde vor Akkon begraben. Die Deutschen spielten bei diesem Kreuzzug fortan nur noch eine unbedeutende Rolle.

Die Eroberung Zyperns durch Richard Löwenherz

Im Sommer 1191 kamen König Philipp II. von Frankreich und König Richard I. von England, die den Seeweg genommen und in Sizilien überwintert hatten, nacheinander vor Akkon an.

Der englische König hatte auf dem Weg ins Heilige Land die Insel Zypern erobert, die zuletzt von einem selbsternannten Kaiser Isaak Komnenos regiert wurde, einem abtrünnigen Angehörigen der byzantinischen Kaiserfamilie.

Die Eroberung dieser Insel verschaffte den Kreuzfahrern einen wichtigen, nur hundertfünfzig Kilometer von der syrischen Küste entfernten Stützpunkt. Zypern entwickelte sich zu einem weiteren Kreuzfahrerstaat, von dem aus das Königreich Jerusalem später sogar in Personalunion regiert wurde.

Der Sieg von Richard Löwenherz über Saladin in der Schlacht bei Arsuf

Fünf Wochen nach der Ankunft von Richard Löwenherz in Outremer ergab Akkon sich am 12. Juli 1191 den christlichen Belagerern.

Nachdem sich der englische und der französische König mittlerweile entfremdet hatten, machte sich Philipp Ende Juli auf den Heimweg. Richard zog nach Süden, eroberte die Küstenstädte zurück und schlug Saladin am 7. September 1191 in der Schlacht bei Arsuf. Dann zog Richard Richtung Jerusalem bis Beit Nuba, zog sich aber Anfang 1192 wieder an die Küste zurück, um Askalon mit neuen Befestigungen zu versehen.

Die nördlich von Askalon liegende Burg Ibelin, Sitz einer Familie, die später als Herren von Beirut eine wichtige Rolle im Königreich spielen sollte, wurde nach ihrer Zerstörung durch Saladin nicht wiederhergestellt.

1.7 Das Zweite Königreich Jerusalem (ab 1192)

Das Königreich Jerusalem war jetzt nur noch ein wenige Kilometer schmaler Streifen an der Mittelmeerküste mit einer Länge von rund hundertfünfzig Kilometern mit Tyrus sowie den mit Richards Hilfe zurückeroberten Hafenstädten von Akkon bis Jaffa und vorübergehend auch Askalon.

Das Zweite Königreich Jerusalem nach dem Waffenstillstand zwischen Richard Löwenherz und Saladin im Jahre 1192.
In diesem eher erbärmlichen Restkönigreich, auch als Zweites Königreich Jerusalem bezeichnet, stritten zwei Gruppierungen der Kreuzfahrer erbittert um die Krone. Richard löste diesen Konflikt, indem er die Tempelritter, denen er die Insel Zypern verkauft hatte und die aber Probleme hatten, sich gegen die einheimische Bevölkerung durchzusetzen, dazu brachte, die Insel an Guido von Lusignan, den einen der Kontrahenten, zu verkaufen. Guido wurde der Herr von Zypern und unter seinem Bruder und Nachfolger Amalrich wurde die Insel ein Königreich, in dem die Lusignans bis 1489 herrschten.

Bis zu seinem Tod durfte Guido den Thron behalten, aber dann sollte die Krone von Jerusalem auf seinen Gegner Konrad von Montferrat übergehen, der die rechtmäßige Erbin des Königreichs Isabella geheiratet hatte.

Konrad von Montferrat wurde kurz darauf von Muslimen ermordet. Nach Absprache mit den Baronen heiratete seine Witwe Heinrich II. von Champagne. Der regierte an der Seite Isabellas, ohne aber je gekrönt worden zu sein, ein Königreich, das nach einer Stadt benannt war, die gar nicht mehr zum Staatsgebiet gehörte und dessen neue Hauptstadt Akkon war.

Im Oktober 1192 verließ der englische König nach einem zweiten, erneut in Beit Nuba abgebrochenen Zug Richtung Jerusalem das Heilige Land für immer. Man geht davon aus, dass Richard erkannt hatte, dass Jerusalem sich nicht halten lassen würde, sobald seine Armee heimkehrte. Eine kurzatmige Eroberung Jerusalems wäre sinnlos gewesen.

Vor seiner Rückkehr hatte er mit Saladin einen Waffenstillstand geschlossen, der unbewaffneten Pilgern den freien Zugang zum Heiligen Grab in Jerusalem erlaubte. Askalon wurde wieder an Saladin zurückgegeben.

Das Zweite Königreich Jerusalem war nur noch eine Kette von Küstenstädten von Tyros bis Jaffa und hätte sich jetzt realistischer Weise nach seiner neuen Hauptstadt Königreich Akkon nennen müssen. Aber immerhin war Saladins Eroberungen Einhalt geboten und das wiedergeborene Königreich existierte noch ein weiteres Jahrhundert fort.

1.8 Der Vierte Kreuzzug und die Eroberung von Byzanz (1204)

Die aus Konstantinopel stammenden Pferde über dem Hauptportal des Markusdoms in Venedig sind inzwischen durch Kopien ersetzt, die Originale sind im Museum des Doms zu besichtigen.
Der Vierte Kreuzzug von 1202 bis 1204, an dem vorwiegend französische Ritter und die Republik Venedig beteiligt waren, hatte ursprünglich die Eroberung Ägyptens zum Ziel, um danach Jerusalem zurückzugewinnen. Doch in völliger Pervertierung des Kreuzzugsgedankens wurde stattdessen das christliche Konstantinopel, das im Jahre 330 unter Kaiser Konstantin umbenannte Byzantion (dt.: Byzanz), Hauptstadt des oströmischen Kaiserreichs und heute Istanbul, eingenommen und geplündert.

Zu den unschätzbaren geplünderten Werten gehören auch die vier gewaltigen Bronzepferde, die seit Kaiser Konstantin als Quadriga über dem Hippodrom von Konstantinopel gethront hatten. Sie wurden nach Venedig verschleppt und in der Loggia über dem Hauptportal des Markusdoms aufgestellt.

Die Eroberer gründeten an Stelle des Oströmisch-byzantinischen ein Lateinisches Kaiserreich namens Imperium Romaniae (dt.: Kaiserreich Romanien) und ließen Graf Balduin IX. von Flandern und Hennegau, den populärsten ihrer Anführer, am 16. Mai 1204 in der Hagia Sophia zum Kaiser krönen.

Wappen des Lateinischen Kaiserreichs. Beispiel für einen Kreuznimbus in einem Mosaik in Sant´Apollinare Nuovo in Ravenna.
Das Wappen des Imperium Romaniae zeigte vier Kreuznimben, die von vier bzw. drei griechischen Kreuzen umgeben sind, und hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Wappen des Königreichs Jerusalem. Unter einem Kreuznimbus versteht man einen Heiligenschein, in den ein griechisches Kreuz eingezeichnet ist. Er ist in der christlichen Kunst den drei göttlichen Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) vorbehalten und macht sie gegenüber anderen Heiligen kenntlich.

Das Lateinische Kaiserreich hatte keine vollständige Kontrolle über die Gebiete des eroberten oströmischen Kaiserreichs. Daher konnten sich drei byzantinische Nachfolgestaaten etablieren: das Despotat Epirus, das Kaiserreich Nikäa und das Kaiserreich Trapezunt.

Gelb: Das 1204 gegründete Lateinische Kaiserreich (Imperium Romaniae) und seine Vasallenstaaten. – Grün: Venezianischer Besitz. – Rotbraun: Kaiserreich Nikäa und Despotat Epirus, zwei byzantinische Nachfolgestaaten. Das Kaiserreich Trapezunt, der dritte byzantinische Nachfolgestaat, liegt östlich außerhalb der Karte am Südufer des Schwarzen Meers.

In Nikäa ließ sich ein Schwiegersohn des letzten Kaisers von Byzanz im Jahre 1205 als Theodor I. zum byzantinischen Kaiser ausrufen und drei Jahre später krönen. Dieses Exilreich war aufgrund seiner Nähe zu Konstantinopel in der günstigsten Ausgangsposition zur Wiederherstellung des Byzantinischen Reiches. Unter Kaiser Michael VIII. von Nikäa wurde das Lateinische Kaiserreich 1261 rückerobert und das byzantinisch-oströmische Kaisertum in Konstantinopel neu begründet.

Doch zurück zum Jahr 1204 und den Folgen des Kreuzzugs für Outremer:

  • Der Landweg durch Anatolien nach Outremer war jetzt blockiert, da nicht nur die Türken im seldschukischen Sultanat von Rûm, sondern auch das byzantinische Kaiserreich Nikäa feindlich gesonnen waren.
  • Da jetzt am Bosporus und in Griechenland reichere und angenehmere Lehensgüter verfügbar waren, verließen Ritter, die ihre Güter im Nahen Osten an die Muslime verloren hatten, das Heilige Land und suchten ihr Glück im Lateinischen Kaiserreich und dessen Vasallenstaaten.
  • Der Zuzug nach Outremer stockte, weil sich jetzt in Griechenland lukrativere Bedingungen für abenteuerlustige Adlige boten. Hauptsächlich den Anwerbungen der drei Ritterorden war es zu verdanken, dass weiterhin Menschen aus Europa nach Syrien und Palästina kamen, die bereit waren, das Heilige Land zu verteidigen.

1.9 König Johann von Brienne (ab 1210)

Im Jahre 1205 wurde Maria von Montferrat im Alter von dreizehn Jahren durch den Tod ihrer Mutter Isabella I. die neue Königin von Jerusalem. Während ihrer Minderjährigkeit regierte ihr Onkel Johann von Ibelin als ihr Vormund. Johann war ein Sohn aus der zweiten Ehe ihrer Großmutter Maria von Byzanz mit Balian von Ibelin. Da seine zwischen Jaffa und Askalon gelegene Stammburg von Saladin zerstört worden war, war er 1197 mit Beirut belehnt worden. Johann von Ibelin sollte in den kommenden Jahrzehnten eine der wichtigsten Figuren in den Königreichen Jerusalem und Zypern werden.

Krönung von Maria von Montferrat und Johann von Brienne. Wilhelm von Tyrus, Chronicon, 13. Jahrhundert. Vergrößerte Ansicht.
Am 14. September 1210 vermählte der Patriarch von Jerusalem die inzwischen achtzehnjährige Maria in Akkon unter Zustimmung der Haute Cour mit dem damals noch relativ unbedeutenden französischen Kreuzritter Johann von Brienne, mit dem sie am 3. Oktober in Tyrus gekrönt wurde. König Philipp II. von Frankreich hatte ihn der Haute Cour als Heiratskandidaten vorgeschlagen und ihm vierzigtausend Livre in Silber als Morgengabe für die Braut geschenkt.

Die ältere Geschichtsforschung hielt Johann von Brienne für einen bereits über sechzig Jahre alten Mann, aber heute weiß man, dass er um 1170 geboren wurde und demnach erst um die vierzig Jahre alt war. Die kleine Grafschaft Brienne in der Champagne war an seinen ältesten Bruder gegangen, während Johann als dritter Sohn auf kein größeres Erbe hoffen konnte. In der Tradition seines Großvaters und Vaters, die am Ersten und am Dritten Kreuzzug teilgenommen hatten, hatte Johann im Vierten Kreuzzug gekämpft, der 1204 zur Eroberung von Konstantinopel geführt hatte.

Als Ehemann von Maria übernahm er nun als ihr Mitkönig die Regierung des Landes. Ihre gemeinsame Tochter Isabella (auch Jolante genannt) wurde im Frühjahr 1212 geboren. Maria starb nur kurz darauf an den Folgen der Geburt.

1.10 Die Verfassung des Königreichs Jerusalem

Das Königreich Jerusalem hatte verfassungsmäßige Grundsätze, die unter anderem bestimmten, nach welchem Schema die fränkische Oberschicht ihre Könige bzw. Königinnen wählte und welche Befugnisse diese Monarchen hatten. Diese sind in Aktenstücken, die mit dem altfranzösischen Begriff Assisen (von lat.: assidere, dt.: beisitzen) bezeichnet werden, großteils erhalten.

Könige und Königinnen von Jerusalem bis Isabella II. Vollständige genealogische und chronologische Liste.

La Haute Cour (dt.: Hoher Hof) war die oberste rechtliche Instanz, die aus den Inhabern der Kronlehen des Königreichs, den führenden Geistlichen sowie Vertretern der ausländischen Gemeinden wie den Venezianern und Genuesen bestand.

Dieser Hof war einerseits Gesetzgeber (Legislative), von dem die Assisen von Jerusalem überliefert sind, eine zwischen 1197 und 1291 entstandene Sammlung von Rechtstexten. Er legte die Steuern fest und entschied über Militäraktionen und Verträge mit anderen Staaten. Der Hof war gleichzeitig das für Zivilklagen und Strafsachen seiner Mitglieder zuständige Gericht (Judikative).

Der König von Jerusalem war an eine Verfassung gebunden. Er war letztlich nur als primus inter pares (dt.: Gleicher und Gleichen) der Vorsitzende der Haute Cour sowie der oberste Lehensherr und Oberbefehlshaber der bewaffneten Streitkräfte.

Sein offizieller Titel lautete per Dei gratiam in sancta civitate Hierosolymitani Latinorum rex (dt.: durch Gottes Gnade in der heiligen Stadt Jerusalem der Lateiner König), gefolgt mit der Zahlengabe, der wievielte König er war. Beispiel für Johann von Brienne, den durch seine Ehe mit Maria zehnten König von Jerusalem:

Ioannis per Dei gratiam in sancta civitate Hierosolymitani Latinorum rex decimus.

Die Nummerierung nach Namen wie in der obigen Darstellung ist eine zwar unter Historikern übliche Zählweise, die aber damals in Jerusalem so nicht angewandt wurde.

Der Königspalast war vor der Gründung des Templerordens auf dem Jerusalemer Tempelberg in der al-Aqsa-Moschee untergebracht und danach in der Davidsturm genannten Zitadelle beim Davidstor. Ab 1191 residierte der König in der neuen Hauptstadt Akkon.

Das Königreich war von einer Gemeinschaft adliger Ritter erobert worden, die anschließend ihren König gewählt hatten. Dies berechtigte die Haute Cour, auch die nachfolgenden Könige zu wählen und im Fall der Minderjährigkeit oder der Gefangenschaft des Königs einen Regenten zu bestimmen.

De facto verkörperte jedoch das Erbrecht den Anspruch auf den Thron. Wenngleich die Thronfolge stets eine Wahl erforderte, so wurde mit Ausnahme von Balduin II. (Nr. 2) stets der oder die allernächste Verwandte gewählt:

2 × folgte der Sohn (Nr. 4 und 6.

2 × folgte die Tochter (Nr. 3 und 10).

2 × folgte der Bruder eines kinderlos Verstorbenen (Nr. 1 und 5).

1 × folgte der Neffe eines kinderlos Verstorbenen (Nr. 7). Eigentlich wäre hier die Schwester (Nr. 8) an der Reihe gewesen.

1 × folgte die Mutter eines kinderlos Verstorbenen (Nr. 8).

1 × folgte die Schwester einer Königin, deren einziger Sohn schon vor ihr kinderlos verstorben war (Nr. 9).

Bei Königinnen bestimmte letztlich die Haute Cour, wen sie zu heiraten hatten. Die Ehemänner der Königinnen regierten als Könige, waren aber rechtlich nur Mitkönige ihrer Ehefrauen. Dies gilt für Nr. 3, 8, 9 und 10.

Johann von Brienne (Nr. 10) war ein besonderer Fall, weil er seine 1212 kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter verstorbene Ehefrau als Mitkönig überlebte. Er blieb König, ab 1212 aber als Regent seiner Tochter Isabella II. (Nr. 11). Als Vater wurde er bis zur Volljährigkeit seiner Tochter, die den Thron unmittelbar von ihrer Mutter geerbt hatte, als ihr natürlicher und selbstverständlicher Regent anerkannt.

2. Die staufische Ära

2.1 Die Kreuzzüge der Staufer im 12. Jahrhundert

Die Kreuzfahrerstaaten um 1200: Das Fürstentum Antiochia (gelb), die Grafschaft Tripolis (rot), das Königreich Jerusalem (lila) einschließlich der Eroberungen von 1197 und das Königreich Zypern (braun).
Die Staufer waren bereits im 12. Jahrhundert wiederholt in die Geschichte der Kreuzfahrerstaaten involviert gewesen.
  • König Konrad III. war einer der Anführer des Zweiten Kreuzzugs, der durch den Verlust der Grafschaft Edessa im Jahr 1144 veranlasst worden war und 1149 als Misserfolg endete. Konrads Neffe, der spätere Kaiser Friedrich I. Barbarossa hat ihn damals begleitet.
  • Kaiser Friedrich I. Barbarossa verstarb beim Dritten Kreuzzug, der durch den Verlust Jerusalems im Jahre 1187 veranlasst worden war, im Jahre 1190, ohne das Heilige Land erreicht zu haben. Sein Sohn Herzog Friedrich VI. von Schwaben erlag ein halbes Jahr später bei der Belagerung von Akkon einer Krankheit.
  • Kaiser Heinrich VI., ein älterer Bruder von Herzog Friedrich, hatte durch Heirat das Erbkönigtum Sizilien erworben und bereitete 1197 einen Kreuzzug vor. Während sein vom Mainzer Erzbischof angeführtes vorausgesegeltes Söldnerheer bereits in Palästina kämpfte, starb Heinrich im Alter von knapp 32 Jahren am 28. September 1197 in Messina. Der Kreuzzug fand ohne ihn statt. Er führte zur Eroberung von Sidon und Beirut und stellte dadurch die direkte Verbindung zur Grafschaft Tripolis wieder her. Bei der Gelegenheit wurde Amalrich von Zypern im September 1197 von Bischof Konrad von Hildesheim, dem Kanzler des römisch-deutschen Reiches, in Nikosia zum König von Zypern gekrönt. Um diesen Titel zu bekommen, hatte Amalrich zuvor dem Kaiser in der Pfalz Gelnhausen als seinem Lehensherrn huldigen lassen.

Im 13. Jahrhundert sollte Heinrichs Sohn Kaiser Friedrich II. nun aber eine unmittelbare Rolle im Königreich Jerusalem spielen.

2.2 Die ständig verschobenen Kreuzzugspläne von Kaiser Friedrich II. (1215-1227)

Als Friedrich II. sich 1215 in Aachen zum römisch-deutschen König krönen ließ, verpflichtete er sich zu einem Kreuzzug. Allerdings schob er diesen ständig vor sich her, obwohl ihn der Papst im Anschluss an seine Kaiserkrönung im Jahre 1220, bei der Friedrich nochmals seinen Kreuzzug gelobte hatte, immer nachdrücklicher zum Aufbruch drängte.

Grund all dieser Verzögerungen war, dass Friedrich zunächst seine Herrschaft im römisch-deutschen Reich und in seinem Königtum Sizilien sichern musste. Dabei ergaben sich für ihn ständig neue, zum Teil unerwartete Prioritäten.

Der Fünfte Kreuzzug

Daher fand der Fünfte Kreuzzug von 1217 bis 1221, bei dem Jerusalem nach einem Sieg über die Ayyubiden in Ägypten zurückerobert werden sollte, ohne den Kaiser statt. Im April 1218 erreichte eine internationale Kreuzfahrerflotte unter Johann von Brienne die ägyptische Hafenstadt Damiette. Nach erbitterten Kämpfen konnte die Stadt Ende August erobert werden, musste aber 1221 nach einer Niederlage im Nildelta wieder aufgegeben werden, womit das Unternehmen gescheitert war.

Bei diesem Kreuzzug versuchte der später heiliggesprochene Franz von Assisi vergeblich, Sultan al-Kamil zum Christentum zu bekehren.

Links: Belagerung von Damiette. Matthäus von Paris, Chronica majora, Mitte 13. Jahrhundert. – Rechts: Der Heilige Franziskus predigt dem Sultan al-Kamil. Fresko in der Basilika San Francesco in Assisi, um 1300, möglicherweise von Giotto di Bondone. Vergrößerte Ansicht.

Man gab Friedrich II. Mitschuld am Scheitern des Fünften Kreuzzugs, da er nicht die versprochene Unterstützung gegeben hatte.

Im Juli 1225 verpflichtete sich Friedrich im Vertrag von San Germano gegenüber dem Papst, im August 1227 endgültig ins Heilige Land aufzubrechen. Falls er, aus welchen Gründen auch immer, die Kreuzfahrt dann nicht antreten würde, sollte ihn laut Vertrag der Kirchenbann treffen.

Der päpstliche Bann über Friedrich II.

Im August 1227 sammelte sich in Brindisi ein großes Kreuzfahrerheer. Obwohl eine Seuche ausbrach, segelten mehrere tausend Soldaten in Richtung Outremer. Friedrich stach am 8. September in See. Auch er und Landgraf Ludwig von Thüringen waren erkrankt und erlitten auf dem Schiff einen Rückfall, der sie zwang, in Otranto an Land zu gehen. Dort starb der Landgraf. Die Hauptflotte musste unter Leitung des Patriarchen von Jerusalem ohne den Kaiser, der sich zur Genesung nach Pozzuoli begab, nach Akkon fahren. Friedrich war fest entschlossen, im nächsten Jahr nachzukommen.

Beim Blick auf das heutige Brindisi kann man sich nur noch schwer vorstellen, wie sich hier im Sommer 1227 die Kreuzfahrer einschifften und damals eine Seuche ausbrach.

Im September 1227 wurde der Kaiser durch Papst Gregor IX., der Friedrichs erneuten Verzögerungsgrund nicht akzeptierte, exkommuniziert.

2.3 Friedrichs Heirat mit Königin Isabella II. von Jerusalem (1225)

Doch zurück zum Jahr 1222, als sich Johann von Brienne nach Westeuropa aufmachte, um mit dem Papst über Hilfeleistungen zu beraten und einen Gatten für seine zehnjährige Tochter Isabella zu finden. Obwohl nicht so beabsichtigt, sollte Johann nie wieder nach Outremer zurückkehren.

Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens und ein bewährter Vermittler zwischen Kaiser und Papst, schlug vor, dass Friedrich II., dessen erste Ehefrau Konstanze wenige Monate zuvor verstorben war, die künftige Königin von Jerusalem heiraten solle.

Papst Honorius III. war begeistert, da er hoffte, Friedrich durch diese Ehe enger an das Heilige Land binden und dadurch den Start des versprochenen Kreuzzuges beschleunigen zu können.

Die Hochzeit Friedrichs II. (links) mit Königin Isabella von Jerusalem (neben ihrem Vater Johann von Brienne) in Brindisi 1225. Giovanni Villani, Chronica, 14. Jahrhundert.
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Im Sommer 1225 schickte Friedrich seinen Admiral Heinrich von Malta mit vierzehn Galeeren nach Akkon, wo die Ehe mit Isabella in Abwesenheit Friedrichs kraft Vollmacht (lat.: matrimonium per procurationem) geschlossen wurde. Wenige Tage später wurde das dreizehnjährige Mädchen in Tyrus zur Königin von Jerusalem gekrönt. Nach einem Zwischenstopp in Zypern kam sie nach Brindisi, wo am 9. November 1225 in der Kathedrale eine nochmalige Trauung stattfand.

Johann von Brienne, der mit Friedrich im apulischen Oria auf die Braut gewartet hatte, ging auf Grund angeblicher Zusagen von Hermann von Salza davon aus, seinen Titel eines Königs von Jerusalem weiterhin behalten zu können. Doch Friedrich beanspruchte – mangels anderslautender schriftlicher Vereinbarungen zu Recht – sofort nach der Hochzeit die Würde des Königs von Jerusalem für sich. Die in Brindisi anwesenden Barone des Königsreichs huldigten ihm auch umgehend als dem neuen König.

Friedrich schickte den Bischof von Melfi nach Akkon, um die Huldigung der übrigen Barone sicherzustellen und setzte Odo von Montbéliard als Bailli ein, bis er selbst nach Outremer kommen würde. Ein Bailli war eine Art Vogt, der das Königreich in Abwesenheit des Königs mit den Kompetenzen eines Regenten zu verwalten hatte.

2.4 Das weitere Schicksal von Johann von Brienne (1225-1237)

Johann von Brienne, eine der abenteuerlichsten Figuren der Kreuzfahrerzeit. Historisierendes Gemälde im Fünften Saal der Kreuzritter im Schloss Versailles, François-Édouard Picot, Mitte 19. Jahrhundert.
Dies alles führte zum irreparablen Bruch mit seinem Schwiegervater. Johann von Brienne ging nach Rom, wo ihm Papst Honorius die Regierung der toskanischen Kirchenländer übertrug. 1229 befehligte er ein Heer päpstlicher Söldner, das während Friedrichs Aufenthalt im Heiligen Land in dessen Königreich Sizilien einmarschierte, sich aber nach Friedrichs Rückkehr wieder in den Kirchenstaat zurückzog.

Nachdem auch seine zweite Frau Stephanie, die älteste Tochter und Thronerbin des armenischen Königs von Kilikien, gestorben war, war Johann seit 1224 mit Berengaria, der Schwester von König Ferdinand III. von Kastilien-León, verheiratet. Mit dieser hatte er drei Söhne und eine Tochter namens Maria.

Auf Vermittlung von Papst Gregor IX. schlugen die Barone des beim Vierten Kreuzzug gegründeten Lateinischen Kaiserreichs vor, dass diese Tochter Maria den zwölfjährigen, jung verwaisten Balduin heiraten sollte, der 1228 durch den Tod seines Bruders Thronerbe von Konstantinopel geworden war.

Johann selbst wurde angeboten, als dessen Mitkaiser zu amtieren. Eingedenk der schlechten Erfahrungen mit seinem Schwiegersohn Friedrich verlangte Johann die Übertragung der Kaiserwürde auf Lebenszeit, was ihm am 9. April 1229 in Perugia schriftlich garantiert wurde.

1231 traf Johann am Goldenen Horn ein und wurde in der Hagia Sophia mit seiner dritten Ehefrau Berengaria als Kaiser und Kaiserin von Konstantinopel gekrönt. Die Kaiserwürde teilte er bis zu seinem Tod im Einvernehmen mit seinem Schwiegersohn Balduin II. († 1274), der der letzte lateinische Kaiser sein sollte, denn 1261 wurde das Lateinische Kaiserreich von den Byzantinern zurückerobert.

Am 27. März 1237 starb er in Konstantinopel nach einem langen und abenteuerlichen Leben.

Der Bau der Basilika San Francesco in Assisi wurde im Jahre 1228 begonnen und ist beispielhaft für den Übergang von der Romanik zur Gotik.
Auf dem Sterbebett war er noch dem Franziskanerorden beigetreten. Den Ordensgründer Franz von Assisi hatte er ja beim Fünften Kreuzzug persönlich kennengelernt und wahrscheinlich hatte er dessen Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. im Jahre 1228 in Rom persönlich beigewohnt.

Mitte des 13. Jahrhunderts ließ Walter VI. von Brienne († 1356), Graf von Brienne, Conversano und Lecce sowie Titularherzog von Athen, in der Basilika San Francesco in Assisi, der Grablegungskirche des Heiligen Franziskus, in der Unterkirche ein beeindruckendes gotisches Grabmonument für seinen Urgroßonkel Johann von Brienne errichten. Der Sarkophag ist an beiden Seiten mit dem Wappen des Lateinischen Kaiserreiches verziert. Allerdings ist wohl auszuschließen, dass die sterblichen Reste des ehemaligen Königs von Jerusalem und Kaisers von Konstantinopel tatsächlich nach Assisi umgebettet wurden.

2.5 Die Geburt von Konrad und der Tod von Isabella (1228)

Zurück zu Kaiser Friedrich II. und seiner zweiten Ehefrau Isabella, der Tochter von Johann von Brienne. 1226 brachte die vierzehnjährige Isabella ein Mädchen zur Welt, das aber bald nach der Geburt starb.

1227 schickte Friedrich mit seinem Kreuzzugsheer, dem er krankheitshalber erst im nächsten Jahr nachreiste, Thomas I. von Aquino, den Grafen von Acerra, als neuen Bailli nach Akkon.

Krypta der Kathedrale von Andria mit dem Grab von Königin Isabella II. von Jerusalem.
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Im April 1228 gebar Isabella einen männlichen Thronfolger, der auf den Namen Konrad getauft wurde. Acht Tage später verstarb die Mutter im Alter von sechzehn Jahren an den Folgen der Geburt. Sie wurde in der Kathedrale von Andria bestattet.

Der spätere römisch-deutsche König Konrad IV. war der Thronerbe von Jerusalem. Sein Vater Friedrich, der Mitkönig seiner Ehefrau Isabella gewesen war, kam nun in eine ähnliche Situation wie sein Schwiegervater Johann nach dem Tode von dessen Ehefrau Maria: Er war König, aber de jure nur mehr Regent seines Sohnes Konrad, dessen Königswürde direkt von dessen verstorbener Mutter stammte.

Als die Nachricht von Isabellas Tod in Akkon ankam, wählte die Haute Cour für die Zeit bis zur persönlichen Ankunft des Kaisers Johann von Ibelin und Balian von Sidon als Baillis für den Thronerben Konrad. Johann lehnte ab, sodass der 1225 vom Kaiser berufene Odo von Montbéliard wieder eingesetzt wurde und mit Balian zusammen das Amt des Baillis ausübte.

2.6 Friedrichs Aufbruch zum Sechsten Kreuzzug (1228)

Im Juni 1228 war es endlich soweit: Obwohl ihn der Papst warnte, er dürfe nicht in den Heiligen Krieg ziehen, solange er sich im Kirchenbann befinde, brach der Kaiser mit einer Kreuzfahrtflotte von Brindisi zum Sechsten Kreuzzug (der manchmal auch als Teil des fünften gezählt wird) auf, vierzehn Jahre nach seinem Kreuzzugsgelübde in Aachen. Es war ein Kreuzzug in ein Königreich, das ihm – zumindest nach seiner Auffassung – inzwischen gehörte.

Das Zwischenspiel in Zypern

Mit Zwischenstationen auf den Inseln Korfu, Kephalonia, Kreta und Rhodos ging es zunächst nach Zypern. Friedrich betrachtete Zypern als Teil seines Imperiums, denn 1197 hatte König Amalrich die Krone von Zypern als Lehen von Friedrichs Vater Kaiser Heinrich VI. erhalten.

Friedrich forderte die Huldigung des elfjährigen Königs Heinrich I. von Zypern, setzte Johann von Ibelin als Regent ab und übernahm die Regentschaft selbst. Johann von Ibelin forderte er auf, ihm Beirut zu übergeben. Johann erklärte, er habe Beirut als Lehen erhalten. Dies werde er der Haute Cour in Akkon vortragen, die ausschließlich legitimiert sei, über seinen Besitz zu entscheiden. Nachdem Johann von Ibelin zwei Söhne als Geiseln gestellt hatte, traf Friedrich in Begleitung von König Heinrich und Johann am 7. September 1228 in Akkon ein.

Die Reaktionen in Akkon und die Verhandlungen mit Sultan al-Kamil

Die Barone erkannten Friedrich unverzüglich als Regenten für Konrad an. Balian von Sidon und Odo von Montbéliard übergaben ihm das Amt des Baillis.

Wenige Tage nach dem Kaiser trafen in Akkon zwei Franziskanermönche mit Briefen ein, in denen Papst Gregor den Patriarchen von Jerusalem anwies, die Exkommunikation Friedrichs bekanntzumachen, und den Ritterorden verbot, mit dem Kaiser zusammenzuarbeiten.

Die Tempelritter und Johanniter hielten sich an dieses Verbot, während die Deutschordensritter unter ihrem Hochmeister Herrmann von Salza zu Friedrich hielten.

Blick aus südwestlicher Richtung auf den Tempelberg. Nach der islamischen Eroberung Palästinas wurde der oktogonale Felsendom mit der goldenen Kuppel im Jahre 691 fertiggestellt und wahrscheinlich einige Jahre später die rechteckige al-Aqsa-Moschee mit der kleineren grauen Kuppel errichtet. Von der christlichen Eroberung Jerusalems bis zur Rückeroberung durch Saladin wurde der muslimische Felsendom in eine christliche Marienkapelle umgewidmet. In der al-Aqsa-Moschee befanden sich der Königspalast und der Hauptsitz des Templerordens. – Die Westmauer in der vorderen Mitte des Bildes ist die sogenannte Klagemauer der Juden. Im Hintergrund liegt der Ölberg.

Friedrich begann sofort, mit dem über Ägypten herrschenden al-Kamil, den der Heilige Franziskus beim Fünften Kreuzzug vergeblich zu bekehren versucht hatte, über Jerusalem zu verhandeln. Der Sultan der Ayyubiden war ein Neffe Saladins und lag seit Jahren mit seinen Verwandten in Damaskus um das Erbe seines Onkels im Nahen Osten im Streit. Friedrichs Heer war groß genug, um sich auf militärische Auseinandersetzungen einzulassen und mit seiner Flotte war er sogar in der Lage, Ägypten über den Nil anzugreifen.

Der Kaiser und der Sultan sind sich nie direkt begegnet, sondern verhandelten über ihre Gefolgsleute: Thomas von Acerra und Balian von Sidon auf der einen und Emir Fakhr ed-Din, der den Kaiser bereits im Herbst 1226 im Auftrag von Sultan al-Kamil in Sizilien besucht hatte, auf der anderen.

2.7 Die friedliche Wiedergewinnung Jerusalems (1229)

Am 18. Februar 1229 schlossen der Kaiser und der Sultan in Jaffa einen außergewöhnlichen Vertrag: Der Sultan trat – wohl aus Angst vor Friedrichs militärischer Stärke – kampflos die für die Christen heiligsten Stätten Jerusalem, Bethlehem und Nazareth an Friedrich ab.

Die Geburtskirche in Bethlehem (links) wurde im 5. Jahrhundert über der angeblichen Geburtsstätte Jesu Christi errichtet und gehört zu den wenigen vollkommen erhaltenen frühchristlichen Kirchenbauten. – Die Verkündigungsbasilika in Nazareth (rechts) steht über einer Höhle, in der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria mitgeteilt haben soll, dass sie den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfangen werde. Eine Kirche wird an dieser Stelle zum ersten Mal im Jahr 570 erwähnt. Die heutige dreischiffige Basilika ist das fünfte Gotteshaus über der Verkündigungsgrotte, wurde 1969 geweiht und ist die größte christliche Kirche im Nahen Osten.

Das Königreich Jerusalem in den ursprünglichen Grenzen (gelb) mit dem übriggebliebenen Rest einschließlich der Neuerwerbungen von 1229 (dunkelgelb).
Der Vertragstext ist nicht überliefert, aber aus übereinstimmenden Angaben von Friedrich selbst und von Hermann von Salza geht hervor:
  • Bethlehem und Jerusalem wurden über einen Korridor über Lydda nach Jaffa verbunden.
  • Ein weiterer Korridor verband Nazareth mit Akkon.
  • Das westliche Galiläa einschließlich Montfort und Toron sowie Landstriche um Sidon gehörten wieder zum Königreich.
  • Alle Gefangenen wurden ausgetauscht.
  • Es wurde ein Waffenstillstand von zehn Jahren vereinbart.
  • Die im Rahmen des Fünften Kreuzzugs zehn Jahre zuvor von den Muslimen zerstörten Mauern von Jerusalem durften nicht wiederaufgebaut werden.
  • Der Tempelberg mit der al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom blieb in arabischer Hand und den Muslimen war freier Zugang dorthin zu gewähren.

Der letzte Punkt bedeutete, dass der Königspalast und das Hauptquartier der Tempelritter, die sich nach diesem Sitz auf dem Tempelberg benannt hatten, endgültig aufgegeben wurden.

Das Königreich Jerusalem wurde nicht als Flächenstaat wiederhergestellt, sodass die Erträge aus den fruchtbaren Landstrichen weiterhin fehlten. Es blieb eine Gruppe ungesichert aneinandergereihter Städte und Burgen ohne eine Grenze, die sich wirkungsvoll verteidigen ließ.

2.8 Die Ablehnung der Vereinbarungen (1229)

Friedrich II. (links) und Sultan al-Kamil schließen 1229 den Vertrag von Jaffa ab. Rechts an der Kuppel erkennbar der Felsendom in Jerusalem. Giovanni Villani, Chronica, 14. Jahrhundert. Vergrößerte Ansicht
Dieses Abkommen stieß sowohl in der islamischen, als auch in der christlichen Welt auf sofortige und ziemlich einhellige Ablehnung. Die Muslime hielten es für eine Schande, dass das von Saladin rückeroberte Jerusalem den Ungläubigen kampflos überlassen worden war. Auf christlicher Seite gab es neben Kritik an der muslimischen Präsenz auf dem Tempelberg die Auffassung, dass mit militärischem Einsatz wesentlich mehr erreicht worden wäre. Bereits Richard Löwenherz hatte erkannt, dass sich Jerusalem ohne entsprechendes Umland nicht halten lassen würde.

Gerold, der Patriarch von Jerusalem, lehnte den Vertrag ab, weil er seiner Auffassung nach die Gesinnung eines den Kampf scheuenden und auf den Weg des Unglaubens geratenen Kaisers widerspiegelte. Er drohte mit einem Interdikt gegen die Stadt Jerusalem, sollte sie den Kaiser empfangen.

Am 17. März 1229 traf Friedrich in Begleitung seines Kreuzfahrerheers in Jerusalem ein, wo ihm der Kadi von Nablus im Auftrag von Sultan al-Kamil die Verfügungsgewalt über die Heilige Stadt übertrug. Von den Ritterorden war jedoch nur der Deutschorden mitgekommen und von der Geistlichkeit nur die mitgereisten sizilianischen sowie zwei englische Bischöfe.

Die Festkrönung des Kaisers in der Grabeskirche

Am 18. März, dem Okuli genannten dritten Sonntag der Passionszeit, betrat Friedrich nach dem Gottesdienst die Grabeskirche, setzte seine Krone, die er zuvor auf den Hauptaltar hatte legen lassen, auf und schritt damit zu einem Thronsessel.

Die Grabeskirche steht dort, wo Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, im Jahre 325 die Stätte der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi unter einem römischen Tempel der Venus aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. gefunden zu haben glaubte. Die daraufhin von Konstantin in Auftrag gegebene Kirche wurde 335 geweiht.

Diese Szene ist gelegentlich für eine Selbstkrönung als König von Jerusalem gehalten worden, laut Kantorowicz sogar "die wohl bis auf Napoleons Tage denkwürdigste Selbstkrönung eines Kaisers". Dies ist aber ein Gedanke, der dem Mittelalter fremd war. Tatsächlich handelte es sich um eine Festkrönung, wie sie zu besonderen Anlässen im ganzen mittelalterlichen Europa ein verbreitetes Zeremoniell war.

Zum König von Jerusalem brauchte Friedrich sich 1229 nicht mehr zu krönen, denn das war er schon, seit er im Jahre 1225 Königin Isabella II. von Jerusalem geheiratet hatte.

Die Festkrönung in der Grabeskirche sollte wohl – auch vor dem Hintergrund, dass sein Sohn Konrad der rechtmäßige König von Jerusalem war und Friedrich lediglich die Funktion eines Regenten innehatte – deutlich machen, dass jetzt der Kaiser und der Befreier von Jerusalem im Königreich das Sagen hatte.

Am 19. März traf Erzbischof Peter von Caesarea ein, um das Interdikt der Patriarchen über Jerusalem zu verhängen. Das bedeutete ein Verbot von Sakramentspendung und Gottesdiensten und für die frommen Jerusalempilger eine herbe Enttäuschung.

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Akkon

Zurück in Akkon berief Friedrich die Vertreter des Königreichs zu sich und stieß dort auf größte Missbilligung. Man verübelte ihm, dass er sich über die Verfassung hinweggesetzt hatte, indem er ohne Zustimmung der Haute Cour einen derart wichtigen Vertrag geschlossen und sich in Jerusalem als Herrscher aufgespielt hatte.

Friedrich ließ daraufhin eine Sperre um den Palast des Patriarchen und um das Hauptquartier der Templer legen. An den Stadttoren stellte er Posten auf, ohne deren Erlaubnis niemand die Stadt betreten oder verlassen durfte.

Auf Grund von Nachrichten über den Einmarsch des päpstlichen Heeres unter Führung von Johann von Brienne in Friedrichs Ländereien in Süditalien konnte er seine Abreise aber nicht mehr lange aufschieben. Vor seiner Abreise am Morgen des 1. Mai 1229 wurde er von den Bürgern verspottet und mit Innereien beworfen.

Auf Grund der Nachricht vom Herannahen des Kaisers zog sich das in Süditalien eingedrungene päpstliche Heer unter Friedrichs Schwiegervater Johann von Brienne nach Norden in den Kirchenstaat zurück. Friedrich II. besiegte seine restlichen Gegner im Königreich Sizilien und konnte sich im Vertrag von San Germano vom 9. Juli 1230 wieder mit dem Papst versöhnen.

Die Versöhnung mit dem Papst

Papst Gregor IX. löste den Bann über Friedrich. Der Patriarch von Jerusalem hob sein Interdikt über Jerusalem auf und hielt sich künftig einen Teil des Jahres dort auf. Trotz allem schwebte insbesondere nach Ablauf des Waffenstillstands im Jahre 1239 ständig das Damoklesschwert einer muslimischen Rückeroberung über der nicht wirksam zu verteidigenden Stadt. Aus diesem Grund wurde die Hauptstadtfunktion auch nicht mehr von Akkon nach Jerusalem zurückverlagert.

Im Jahre 1244, fünf Jahre nach Ablauf des Waffenstillstands von Jaffa, ging Jerusalem endgültig an die Muslime verloren.

2.9 Der Lombardenkrieg im Königreich Zypern (1229-1233)

Das fatalste Resultat des Sechsten Kreuzzugs war ein erbitterter Bürgerkrieg sowohl im Königreich Zypern, wo er sofort ausbrach, als auch im Königreich Jerusalem.

Dieser ging als Lombardenkrieg in die Geschichte ein. Sein angesichts des Schauplatzes ungewöhnlicher Name geht auf Philipp von Novara zurück, einen aus der norditalienischen Stadt Novara stammenden zeitgenössischen Chronisten. Philipp erlebte diesen Bürgerkrieg hautnah mit und nannte die unter Richard Filangieri für den Kaiser kämpfenden Söldner, die vorwiegend aus der Lombardei stammten, Lombarden. – Dies ist etwas verwirrend, denn bei dem damals in seiner italienischen Heimat stattfindenden Machtkampf mit dem Kaiser war der Lombardenbund die antikaiserliche Partei.

Das Königreich Zypern.
Die Ruine der Burg St. Hilarion ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Norden Zyperns. Die Lusignans nannten die Burg Dieu d'Amour (dt.: Gott der Liebe).
Auf seiner Rückreise von Akkon nach Brindisi hielt Friedrich II. sich zehn Tage in Zypern auf. In Limasol setzte er fünf ihm getreue Baillis ein. Ihnen vertraute er den jungen König Heinrich I. von Zypern an und veranlasste dessen Eheschließung mit Alice von Montferrat, der Tochter eines seiner wenigen treuen Anhänger.

Kaum hatte der Kaiser die Insel verlassen, brach Unmut über seine Statthalter aus. Es kam zum Aufstand und im Juli 1229 vor den Toren von Nikosia zu einer Schlacht zwischen den Baillis und der Partei der Ibelins. Die Baillis unterlagen, flohen nach Kyrenia, St. Hilarion und Kantara und wurden dort belagert. Die Stadt Kyrenia hielt sich nicht lange und im Sommer 1230 ergaben sich auch die beiden Burgen.

König Heinrich I., der sich in den Händen der Baillis befunden hatte, wurde den Ibelins übergeben. Johann von Ibelin übernahm die Regentschaft, bis König Heinrich im Jahre 1232 mit seinem vollendeten fünfzehnten Lebensjahr für das Königsamt volljährig wurde.

Im Mai 1232 kam es zu einer Auseinandersetzung mit dem lombardischen Heer von Richard Filangieri, den Friedrich II. im Herbst 1231 nach Outremer geschickt hatte und der auch die Verhältnisse in Zypern im Sinne der Kaisers ordnen sollte.

Nachdem Filangieri erfolglos die Burg St. Hilarion belagert hatte, zog er sich nach einer Niederlage gegen die Ibelins am 15. Juni 1232 in der Schlacht bei Agridi an die Küste nach Kyrenia zurück, wo seine kaiserliche Truppe zehn Monate lang belagert wurde. In der belagerten Stadt starb Alice von Montferrat, deren vom Kaiser befohlene Ehe mit König Heinrich durch Stellvertretung geschlossen worden war und die ihren Ehemann niemals gesehen hat, da sie erst nach Ausbruch des Konflikts zusammen mit Filangieri nach Zypern kam.

Blick von St. Hilarion auf Kyrenia, heute Girne in der Türkischen Republik Nordzypern. Die Festung am Meer in der linken Bildmitte geht auf das 7. Jahrhundert zurück. Sie wurde im 10. Jahrhundert von den Byzantinern und nach der Eroberung der Insel durch Richard Löwenherz von den Kreuzfahrern erweitert. Die Venezianer bauten die Festung im 16. Jahrhundert weiter aus und gaben ihr ihre heutige Gestalt.

Die in Kyrenia eingeschlossenen Lombarden ergaben sich im April 1233. Filangieri gelang vorher die Flucht. Mit der Einnahme Kyrenias endete der Lombardenkrieg auf der Insel und die Herrschaft Kaiser Friedrichs II. in Zypern war endgültig beendet.

1245 löste der Papst auf dem Konzil von Lyon das Königreich Zypern aus der Vasallität zum römisch-deutschen Reich und damit aus jeder Verpflichtung gegenüber dem Kaiser. Ob der Papst, auch wenn er damit Fakten schuf, dazu legitimiert war, sei dahingestellt.

2.10 Der Lombardenkrieg im Königreich Jerusalem (1231-1243)

Bei seiner Abreise hatte Friedrich II. in Anwesenheit der Haute Cour Balian von Sidon und Odo von Montbéliard wieder als Baillis eingesetzt. Die beiden übten dieses Amt einvernehmlich mit den Baronen aus.

Das änderte sich 1231. Der Papst hatte den Kaiser 1230 vom Bann befreit und in seinen Herrschaftsansprüchen im Heiligen Land auch von kirchlicher Seite legitimiert. Im Herbst 1231 schickte Friedrich II. ein Heer seines Kaiserlichen Legaten Richard Falingieri mit zweiunddreißig Galeeren in das Königreich Jerusalem. Als erstes besetzte Falingieri Beirut, das ein Lehen von Johann von Ibelin war.

Beirut ist heute die Hauptstadt des Libanon mit über zwei Millionen Einwohnern.

Anschließend besetzte er Sidon. Dann kam er nach Akkon, wo er der Haute Cour ein Schreiben des Kaisers vorlegte, das ihn zum Bailli ernannte, was die Barone auch anerkannten.

Als Falingieri jedoch die Besetzung von Beirut begründete und damit Enteignung von Johann von Ibelin, der Herr von Beirut und eine der prominentesten Persönlichkeiten in der Geschichte der Kreuzfahrerstaaten im 13. Jahrhundert war, kam es zur Konfrontation mit dem gesamten Adel. Güter konnten nur auf Beschluss der Haute Cour entzogen werden, nachdem ihrem Inhaber die Möglichkeit gegeben worden war, seine Sicht der Dinge darzustellen. Balian von Sidon, Odo von Montbéliard und andere, die zuvor Friedrich unterstützt hatten, wechselten jetzt die Seite.

In Akkon bildete die Bürgerschaft nach Vorbild der norditalienischen Städte eine autonome Kommune, die sich gegen den Kaiser stellte.

Im Februar 1232 kam Johann von Ibelin mit König Heinrich und einem Heer von Zypern nach Outremer und ging bei Tripolis vor Anker. Er befreite Beirut und zog nach Akkon, wo er zum Bürgermeister gewählt wurde. Im Gegenzug segelten Anhänger des Kaisers nach Zypern und überrannten die Insel, wo es schließlich unter Beteiligung von Falingieris und seiner Langobarden zu den bereits geschilderten Auseinandersetzungen und der Niederlage der kaiserlichen Partei im Jahre 1233 kam.

Im Königreich Jerusalem standen sich im Lombardenkrieg gegenüber:

  • Richard Falingieri mit seinen lombardischen Truppen, der Deutsche Orden, der Johanniterorden und die Kaufleute aus Pisa
  • Johann von Ibelin, der größte Teil der Barone von Jerusalem und Zypern, die Bürger von Akkon, der König von Zypern und die Kaufleute von Genua
Zwischen den Fronten standen der Patriarch von Jerusalem, der Erzbischof von Caesarea, der Templerorden, die Kaufleute von Venedig und ein paar Barone.

1233 versuchte Friedrich nach seiner Niederlage in Zypern die Barone zu besänftigen, indem er an Stelle von Filangieri einen Edelmann namens Philipp von Maugastel als Bailli für das Königreich Jerusalem ernannte. Ihm verweigerten die Barone den Eid mit der Begründung, der Kaiser könne nicht nach Belieben Vereinbarungen ungültig machen, die vor der Haute Cour getroffen worden waren. Balian von Sidon und Odo von Montbéliard seien nach wie vor die legitimen Baillis.

Wappen der Ibelin
De facto regierte Johann von Ibelin jetzt das Königreich von Akkon aus. Filangieri, der nach der gescheiterten Aktion mit Philipp von Maugastel erneut den Kaiser vertrat, konnte sich nur in Tyrus halten.

1236 starb Johann von Ibelin. Ohne ihn wäre es dem Kaiser vielleicht gelungen, in den Königreichen Zypern und Jerusalem eine autokratische Herrschaft nach dem Vorbild seines sizilianischen Königreichs zu errichten. Johanns Sohn Balian von Ibelin übernahm jetzt mit seinem Cousin Philipp von Montfort dessen Rolle.

Der Kreuzzug der Barone

Die Kreuzfahrerstaaten in den Grenzen von 1229 mit den Zugewinnen zwischen 1239 und 1241. Vergrößerte Darstellung.
Zwischen 1239 und 1241 kam es zu einer vorübergehenden Atempause im Lombardenkrieg. Im Kreuzzug der Barone wurden in dieser Zeit deutliche Landgewinne verbucht. Er umfasste zwei Kreuzzugsunternehmen:
  • Kreuzzug Theobalds von Champagne, König von Navarra
  • Kreuzzug Richards von Cornwall, Bruder des englischen Königs Heinrich III.
Trotz militärischer Misserfolge konnten diese Landgewinne auf diplomatischem Weg durchgesetzt werden.

Anders als im Königreich Zypern fand der Lombardenkrieg im Königreich Jerusalem erst 1243 ein Ende, als Friedrichs Sohn Konrad fünfzehn Jahre alt geworden war und damit das in den Kreuzfahrerstaaten geltende Volljährigkeitsalter für einen König erreicht hatte. Eine Krönung war zwar, wie z.B. im Falle von Heinrich I. von Zypern, schon in einem jüngeren Alter möglich, aber fünfzehn war das Alter, mit dem man i9n Outremer für die Übernahme eines Lehens volljährig wurde. Konrads Vater Friedrich II. hatte jetzt kein Anrecht mehr auf die Regentschaft.

Das Ende des Lombardenkriegs

Richard Filangieri war inzwischen nach Italien abberufen worden und hatte Tyrus unter dem Oberbefehl seines Bruders Lothar zurückgelassen. Unzufriedene Bürger von Tyrus ließen Balian von Ibelin am 12. Juni 1243 heimlich bei Nacht in die Stadt. Der öffnete seinen Verbündeten das Haupttor. Nach Besetzung der Häuser der Johanniter und der Deutschordensritter war die Stadt in ihrer Hand.

Lothar Falingieri konnte sich vier Wochen in der Zitadelle von Tyrus halten. Sein Bruder Richard war inzwischen wegen Unwetters auf See nach Outremer zurückgekehrt und den Ibelins in die Hände gefallen. Um dessen Leben zu retten, kapitulierte Lothar und erreichte so, dass die beiden mit ihrem Gefolge nach Italien abziehen durften. Damit endete die Herrschaft Friedrichs II. im Königreich Jerusalem.

Für sein Versagen fiel Richard Filangieri beim Kaiser in Ungnade und landete im Kerker. Ab 1244 durfte er mit seinem Bruder Lothar beim Grafen von Toulouse im Exil leben. Nach dem Tod des Kaisers stellte sich Filangieri an die Spitze der antistaufischen Partei von Neapel und amtierte dort von November 1251 bis Oktober 1252 als Podestà. Nach Einnahme der Stadt durch König Konrads IV. begab sich er in die Dienste des Papstes und verbündete sich mit anderen antistaufischen Baronen Siziliens. Danach verlieren sich seine Spuren.

2.11 Konrad IV. als König von Jerusalem (1243-1254)

Bereits im Herbst 1229 hatte Alice von Champagne einen Anspruch auf die Krone Jerusalems geltend gemacht. Konrad, der Sohn von Isabella II. und Kaiser Friedrich II., sei zwar rechtmäßiger König von Jerusalem, habe aber dieses Recht verwirkt, weil er nicht in seinem Königreich erschienen war. Die Haute Cour solle daher ihr, der nächstberechtigten Erbin, die Krone übergeben.

Alice war eine Tochter von Königin Isabella I. aus deren dritter Ehe mit Heinrich von Champagne und damit tatsächlich die nächste Verwandte von Konrad, der ein Urenkel von Isabella I. aus deren zweiter Ehe war. Der Hof verwarf ihren Antrag mit der Begründung, dass Konrad minderjährig und seine Anwesenheit daher nicht zwingend erforderlich war, zumal Konrads Vater Friedrich als dessen rechtmäßiger Regent fungierte.

Dies änderte sich 1243. Der 1237 bei einem Hoftag in Wien in Anwesenheit seines Vaters zum römisch-deutschen König gewählte Konrad IV. hatte jetzt das in den Kreuzfahrerstaaten geltende Volljährigkeitsalter von fünfzehn Jahren erreicht und endgültig in Akkon zu erscheinen, um sein Königreich als Thronerbe in Besitz zu nehmen. Zwar war Thomas I. von Aquino, Graf von Acerra, in das Königreich Jerusalem entsandt worden, um dort als Bailli für den mündig gewordenen Konrad zu fungieren. Der sah sich aber demselben Widerstand gegenüber, an dem schon sein abberufener Vorgänger Richard Filangieri gescheitert war.

Am 5. Juni 1243 entschied die Haute Cour, dass man gegenüber Konrad keinen Lehnseid ablegen könne, solange dieser nicht persönlich in seinem Königreich erscheine. Daher könne auch ein von Konrad eingesetzter Bailli, also Thomas I. von Aquino, nicht als legitim anerkannt werden. Stattdessen setzte der Hof die bereits erwähnte Alice von Champagne, Konrads nächstberechtigte Verwandte, als Regentin ein, bis Konrad eines Tages vielleicht doch selbst in Outremer scheinen würde.

Alice und ihre Nachfolger nahmen unter dem Titel eines Seigneurs von Jerusalem das Königtum als Lehensherren in Besitz. Dies begründete eine rechtliche Stellung, die mehr als ein Bailli war, aber weniger als ein König.

Thomas reiste unverrichteter Dinge nach Italien zurück und nur wenig später wurde, wie oben berichtet, Tyrus eingenommen.

Der Untergang Jerusalems

1244 – fünf Jahre nach Ablauf des 1229 vereinbarten zehnjährigen Waffenstillstands – kam der Untergang von Jerusalem. Damals zog ein ursprünglich vom ägyptischen Sultan angeworbenes und inzwischen führerloses Freischärlerheer der Choresmier aus Mesopotamien marodierend durch Syrien und Palästina.

Am 11. Juli brachen die Choresmier in Jerusalem ein. Die Besatzung der Zitadelle hielt zunächst durch, gab aber nach dem Versprechen sicheren Geleits nach knapp sechs Wochen auf. Am 23. August verließ die Besatzung mit etwa sechstausend christlichen Einwohnern die Stadt. Dreihundert erreichten Jaffa lebend. Jerusalem war endgültig für die Franken verloren.

Nach Alices Tod im Jahre 1246 ging die Regentschaft auf ihren Sohn König Heinrich I. von Zypern über.

König Ludwig IX. von Frankreich und der Siebte Kreuzzug (1248-1254)

Die Kreuzfahrer unter Ludwig IX. greifen 1249 Damiette an. Chroniques de Saint-Denis, Mitte 14. Jahrhundert. Vergrößerte Ansicht
Der Siebte Kreuzzug (nach anderer Zählung der sechste) unter dem später heiliggesprochenen König Ludwig IX. von Frankreich begann im August 1248 und hatte die Rückgewinnung von Jerusalem zum Ziel. Dies sollte mit Hilfe eines Sieges über das Sultanat der Ayyubiden in Ägypten gelingen, scheiterte aber 1250 nach einer zunächst erfolgreichen Eroberung von Damiette mit der Gefangennahme von König Ludwig, der gegen ein hohes Lösegeld wieder freigelassen wurde.

Nach 31-tägiger Gefangenschaft kam Ludwig IX. am 8. Mai 1250 in Akkon an. Hier übernahm er die Regierung des Königreichs Jerusalem, die ihm König Heinrich I. von Zypern bereitwillig überließ. Als erstes erneuerte Ludwig die Befestigungen von Akkon, Caesarea und Jaffa.

Im Frühjahr 1253 starb König Heinrich I. von Zypern, worauf ihm seine dritte Ehefrau Königin Plaisance als Regentin für den gemeinsamen Sohn König Hugo II. von Zypern und als Regentin von Jerusalem nachfolgte. Auch sie erkannte die Regierung Ludwigs vorbehaltlos an. Im selben Jahr überfiel der ayyubidische Sultan An-Nasir Yusuf von Syrien nach einem erfolglosen Angriff auf Akkon das nur gering befestigte Sidon und ließ die rund zweitausend Einwohner massakrieren. Ludwig IX. griff daraufhin das ayyubidische Banyas an und konnte dies zwar nicht erobern, dafür aber An-Nasir Yusuf zum Rückzug nach Damaskus bewegen.

Ludwigs Mutter Blanka, die Frankreich während seiner Abwesenheit regiert hatte, war im November 1252 gestorben und das Kapetingerreich zunehmend vom Zerfall bedroht. Daher kehrte Ludwig im April 1254 nach Frankreich zurück. 1270 unternahm Ludwig IX. den achten Kreuzzug (nach anderer Zählung den siebten), der aber nach nur wenigen Monaten nach einer erfolglosen Belagerung von Tunis und der Einnahme des nahe gelegenen Karthago dort mit seinem von einer Seuche verursachten Tod endete.

Der Tod Friedrichs II. (1250) und Konrads IV. (1254)

Friedrich II., den die Italiener Federico di Svevia (dt.: Friedrich von Schwaben) nennen, wird im südlichen Italien noch heute verehrt. Fast immer liegen Blumen an seinem Porphyrsarkophag in der Kathedrale von Palermo. Siehe auch: Staufergräber.
Ende 1250 verstarb Kaiser Friedrich II. in Italien und wurde in Palermo feierlich bestattet. Er hatte sich bis zuletzt in seinen Urkunden als von Gottes Gnaden Römischer Kaiser und König von Sizilien und Jerusalem bezeichnet.

Seit 1239 erneut exkommuniziert und 1245 auf dem Konzil von Lyon auf Betreiben des Papstes abgesetzt, soll er dem Papst vergeblich angeboten haben, zugunsten seines Sohnes zurückzutreten, um für den Rest seines Lebens im Heiligen Land zu kämpfen.

Sein Sohn und Nachfolger, der römisch-deutsche König Konrad IV., hat das Heilige Land niemals betreten.

Dennoch war er bis zu seinem Tode am 21. Mai 1254 in Italien der rex Hierosolymitanus duodecimus (dt.: zwölfter König von Jerusalem).

2.12 Konradin als König von Jerusalem (1254-1268)

Nach Konrads Tod wurde dessen zweijähriger Sohn Konrad der dreizehnte König von Jerusalem. Er ging als "Konradin" in die Geschichte ein, weil er in Italien mit dem ironischen Diminutiv Corradino (dt.: Konrädchen) benannt wurde. Auch er war im Laufe seines sechzehnjährigen Lebens nie im Nahen Osten. Königin Plaisance von Zypern setzte ihre Regentschaft unter Konradin fort.

Der Krieg von Saint-Sabas

In den 1250er Jahren gerieten die italienischen Stadtrepubliken Genua und Venedig, die in den Kreuzfahrerstaaten wichtige Niederlassungen hatten, in immer schärfere Konkurrenz bezüglich des Seehandels im östlichen Mittelmeerraum. Ein Streit um die zwischen dem genuesischen und dem venezianischen Viertel in Akkon gelegene Saint-Sabas-Kirche entzündete 1256 einen neuen Bürgerkrieg in Outremer.

In diesem Krieg von Saint-Sabas ergriffen die Barone und Ritterorden teils für Genua, teils für Venedig Partei. Nach einem Jahr Krieg hatte Venedig seine meisten Positionen in Outremer verloren. Im Frühjahr 1257 kam jedoch eine Kriegsflotte von Venedig nach Outremer, die Akkon samt Saint-Sabas eroberte, allerdings nicht das genuesische Viertel. Ein Heer, das die Genuesen im Sommer 1257 nach Akkon schickten, wurde besiegt. Die Genuesen mussten ihr Viertel aufgeben und zogen nach Tyrus, ihrem künftigen Hauptstützpunkt in der Levante.

Im Februar 1258 einigte sich die Haute Cour in Erwartung neuer Auseinandersetzungen mit den Muslimen auf ein Ende des Bürgerkriegs, während die beiden italienischen Seerepubliken ihren Krieg auf See bis 1270 fortsetzten. Der Frieden unter den Baronen und Ritterorden änderte aber nichts an den immer stärkeren Auflösungserscheinungen im Königreich.

Plaisance von Zypern erreichte im Februar 1258 bei den Friedensverhandlungen der Haute Cour die Anerkennung ihres unmündigen Sohnes Hugo II. von Zypern als rechtmäßigen Erben nach Konradin. Mit ihrem Versuch, eine vorzeitige Absetzung Konradins als König zugunsten ihres eigenen Sohnes zu erwirken, scheiterte sie jedoch. Sie wird sich wohl kaum vorgestellt haben, dass ihr Sohn, der geringfügig jünger war als Konradin, bereits Ende 1267 – also ein Jahr vor Konradin – kinderlos versterben und ihr Geschlecht in männlicher Linie aussterben würde.

Könige und Königinnen von Jerusalem von Isabella I. bis zum Untergang des Königreichs Jerusalem im Jahre 1291. Grün: Könige von Zypern. Vollständige genealogische und chronologische Liste.

Nachfolgeregelungen im Königreich Zypern

Nach dem Tod von Plaisance im Jahre 1261 folgte ihr in Zypern ihre Schwägerin Isabella, eine Schwester des bereits 1253 verstorbenen Königs Heinrich I. von Zypern, als Regent für Plaisances minderjährigen Sohn König Hugo II. von Zypern. Auf Isabellas Wunsch wurde die Regentschaft an ihren Sohn Hugo von Antiochia weitergegeben. Als Isabella 1264 starb, reklamierte ein anderer Verwandter die künftige Regentschaft für sich.

Der Konkurrent war Hugo von Brienne, ein Großneffe von König Johann von Brienne und Cousin von Hugo von Antiochia. Maria, die bereits verstorbene Mutter von Hugo von Brienne war ebenfalls eine Schwester König Heinrichs I. von Zypern, die aber älter war als Isabella, die Mutter von Hugo von Antiochia. Hugo von Brienne hatte zwar 1261 gegen seine Tante Isabella keine Ansprüche gestellt, weil er als Waise von ihr aufgezogen worden war und ihr nicht im Wege stehen wollte. Das änderte sich nun aber nach Isabellas Tod. Die Haute Cour entschied sich 1264 jedoch für Hugo von Antiochia, weil er der ältere der beiden Kandidaten und enger verwandt mit der letzten Regentin (seiner Mutter Isabella) war.

Als der immer noch minderjährige König Hugo II. von Zypern im Jahre 1267 kinderlos starb, wurde Hugo von Antiochia als König Hugo III. von Zypern gekrönt.

Sein Konkurrent Hugo von Brienne ging nach Italien und trat dort in den Dienst Karls I. von Anjou. 1268 kämpfte er in der Schlacht bei Tagliacozzo, in deren Folge Konradin gefangengenommen und in Neapel enthauptet wurde. Hugo übernahm wichtige Funktionen für die Anjous und fiel 1296 in der Schlacht von Gagliano.

Die Lusignans waren mit Hugo II. eigentlich in männlicher Linie ausgestorben. Sein Cousin und Nachfolger Hugo III. war väterlicherseits Fürst von Antiochia und mütterlicherseits ein Lusignan. Nachdem das Fürstentum Antiochien 1268 unwiederbringlich von den Mamluken erobert worden war, übernahm Hugo den Namen seiner Mutter, sodass das Adelsgeschlecht in Zypern bis ins 15. Jahrhundert als Lusignans weiter regierte.

Nachfolgeregelungen im Königreich Jerusalem

Im Königreich Jerusalem hingegen war man sich nach dem Tod von Plaisance im Jahre 1261 über die Verwandtschaftsverhältnisse nicht einig, weshalb zunächst ein französischer Ritter namens Geoffroy de Sergines Regent wurde.

1263 setzte sich die bereits genannte Isabella, Schwester von König Heinrich I. von Zypern und Schwägerin von Plaisance, durch und war bis zu ihrem Tod im Jahre 1264 Regentin des Königreichs Jerusalem. Allerdings hatten die Barone nach wie vor Bedenken und verweigerten ihr den Lehenseid. Den wollten sie nur in Anwesenheit König Konradins ablegen.

Die öffentliche Enthauptung Konradins auf dem Marktplatz von Neapel 1268. Giovanni Villani, Chronica, 14. Jahrhundert. Vergrößerte Ansicht
Ihr folgte 1264 ihr bereits erwähnter Sohn Hugo von Antiochia als Regent von Jerusalem nach. Auch in Akkon beschäftigte man sich mit der Frage, ob dessen Cousin Hugo von Brienne der rechtmäßige Nachfolger sei. Doch auch hier entschied man sich dafür, dass der Grad der Verwandtschaft mit dem vorigen Regenten, also mit Isabella, ausschlaggebend sei.

Dass Konradin im März 1267 nach den Jerusalemer Regeln volljährig wurde, hatte keine Konsequenzen. Der jeweilige Regent hatte ihn vorher wegen Minderjährigkeit vertreten und tat dies jetzt wegen dauerhafter Abwesenheit.

Mit Konradins Hinrichtung im Jahre 1268 in Neapel im Auftrag von Karl I. von Anjou – einem Bruder des französischen Königs Ludwig IX. – in Neapel endete die staufische Ära nicht nur im Königreich Jerusalem endgültig. Durch den Tod des Sechzehnjährigen starb das Geschlecht der Staufer in männlicher Linie aus.

2.13 Bewertung der staufischen Ära des Königreichs Jerusalem

Faktisch endete die im Jahre 1225 durch Friedrichs Ehe mit Isabella erworbene und nie wirklich durchgesetzte Herrschaft der Staufer im Königreich Jerusalem aber keineswegs erst mit dem Tode Konradins im Jahre 1268.

  • Ab 1228, drei Jahre nach seiner Hochzeit mit Isabella, war Kaiser Friedrich II. nur mehr der Regent seines minderjährigen Sohnes Konrad.
  • Ab 1231 war der Kaiser nur noch eine von zwei Parteien in einem Bürgerkrieg, in dem seine Herrschaft aber auf Tyrus begrenzt blieb.
  • Ab 1243, als Friedrich II. diesen Lombardenkrieg endgültig verloren hatte und die Krone offiziell auf seinen Sohn Konrad übergegangen war, hatten die Staufer im Königreich Jerusalem absolut nichts mehr zu sagen.

Friedrich II. scheiterte mit seiner Vorstellung, von Italien aus sein im Königreich Sizilien praktiziertes autokratisches Herrschaftsmodell auch in den Kreuzfahrerstaaten durchzusetzen, wo die Barone aber traditionell wesentliche Mitspracherechte hatten. Sein Bailli Richard Filangieri mit seinem Lombardenheer konnte im Königreich Jerusalem zwar mit Unterstützung des Deutschen Ordens und des Johanniterordens über ein Jahrzehnt lang für eine Menge Ärger sorgen, sich aber letztlich über die Stadt Tyrus hinaus nicht durchsetzen.

Auch wenn Konrad und Konradin wohl kaum eine Urkunde ausstellten, in der sie sich nicht – durchaus zu Recht – als Könige von Jerusalem bezeichneten, haben sie in diesem Königreich niemals irgendetwas beeinflusst, geschweige denn regiert.

Beide Nachfolger Friedrichs II. dienten lediglich als Alibi für die Barone, die in Akkon die Regenten bestimmten. Diese Regenten füllten die Funktion ihres in weiter Ferne lebenden und eher hypothetischen zwölften und dreizehnten Königs aus, die keiner ihrer Untertanen je zu Gesicht bekommen hat.

Der neuzeitliche Begriff des "Operettenkönigs" mag für das Mittelalter anachronistisch sein, umschreibt jedoch ziemlich treffend die Rolle von Konrad IV. und Konradin als Könige von Jerusalem: dem äußeren Schein nach bedeutsam, aber nicht ernst zu nehmen, da die Voraussetzungen für die tatsächliche Ausübung des Amtes fehlten.

Aus all diesen Gründen kann man, wie in der Überschrift dieser Reportage geschehen, das Königreich Jerusalem zwischen 1225 und 1268 guten Gewissens nur zwischen Anführungszeichen als ein "staufisches" bezeichnen.

3. Nachgeschichte

3.1 Die Lusignans als Könige von Zypern und Jerusalem (1197-1205 und 1268-1291)

Nach dem kinderlosen Tod Konradins im Jahre 1268 fiel der Thron an dessen nächste Verwandte, die sich seit 1192 unter Guido von Lusignan als Herren von Zypern etabliert hatten. Amalrich I. von Lusignan, Guidos Bruder und Nachfolger, erwarb durch Kaiser Heinrich VI. die Krone Zyperns. Er hatte als Ehemann von Königin Isabella I. von Jerusalem bereits von 1198 bis 1205 in Personalunion die Königreiche Zypern und Jerusalem regiert.

Inzwischen war seit 1267 Hugo III., ein Urenkel Amalrichs, König von Zypern und Regent des Königreichs Jerusalems. Nach der Hinrichtung Konradins 1268 durch Karl I. von Anjou in Neapel wurde Hugo von der Haute Cour in Akkon als neuer König von Jerusalem in Personalunion mit Zypern anerkannt. Er ließ sich am 24. September 1269 in Tyrus als Hugo I. von Jerusalem krönen und residierte mehrere Jahre in Akkon.

Ihm folgten seine Söhne Johann und Heinrich als Könige von Zypern und Jerusalem.

3.2 Maria von Antiochia (1268) und das Gegenkönigtum von Karl I. von Anjou (1277-1285)

Maria von Antiochia widersprach 1268 dieser Thronfolge Hugos. Sie war eine Enkelin von Isabella I. aus deren vierter Ehe mit König Amalrich von Zypern, aus der eine Tochter namens Melisende hervorging. Fürst Bohemund IV. von Antiochia heiratete in zweiter Ehe diese Melisende, und deren beider Tochter war Maria von Antiochia.

Maria beanspruchte nach dem Tod Konradins den Titel der Königin von Jerusalem für sich. Die Thronfolge richte sich nach dem Grad der Verwandtschaft mit Königin Isabella. Sie sei deren Enkelin und habe Vorrang vor deren Urenkel Hugo III. Dem stand gegenüber, dass Hugo von Alice von Champagne abstammte, einer Tochter Isabellas aus deren dritter Ehe, während Marias Mutter Melisende eine jüngere Tochter aus Isabellas vierter Ehe war. Obwohl Maria zweiten Grades und Hugo dritten Grades mit Isabella verwandt war, stand Hugo daher in der Erbfolge vor ihren Ansprüchen.


Hugo I. stand in der Erbfolge eindeutig vor Maria von Antiochien, auch wenn diese eine Enkelin und er ein Urenkel von Isabella war.

Nachdem die Haute Cour Marias Ansprüche zurückgewiesen hatte, reiste sie nach Rom und legte dort gegen die Krönung Hugos Berufung ein. Papst Gregor X. gestattete ihr, ihren Fall 1274 beim Konzil von Lyon vorzulegen. Dort erschienen jedoch Vertreter aus Akkon und erklärten, die Haute Cour allein habe über die Thronfolge im Königreich zu entscheiden, woraufhin die Angelegenheit fallengelassen wurde.

Auf Vermittlung von Papst Gregor X. verkaufte Maria von Antiochia im März 1277 ihre angeblichen Ansprüche auf die Krone von Jerusalem an Karl I. von Anjou, der seit seiner Hinrichtung des letzten Staufers Konradins als König von Sizilien unangefochten war. Ob dies ein rechtsgültiger Verkauf war, sei dahingestellt. Denn selbst eine legitime Königin hätte ihren Thronanspruch nicht einfach einen Dritten verkaufen können. Der richtige Weg wäre gewesen, Maria zu heiraten, aber Karl I. von Anjou war bereits seit 1268 in zweiter Ehe mit Margarete von Burgund verheiratet.

Karl I. von Anjou als Gegenkönig von Hugo III.

Hugos Position als König von Jerusalem wurde ab 1277 durch Karl I. von Anjou bestritten. Im September 1277 schickte Karl eine Truppe unter Roger von San Severino als seinem Bailli nach Akkon, das dieser mit Hilfe des Templerordens unter seine Kontrolle bekam.

Da König Hugo III. von Zypern aus auf den Gegenkönig nicht reagierte, unterwarfen sich die Barone schließlich, huldigten Karl als König von Jerusalem und anerkannten Roger als seinen Bailli. 1283 landete Hugo in Tyrus und versuchte mit einer Truppe zypriotischer Barone, Akkon zurückzuerobern. Seine Barone waren aber nicht bereit, außerhalb der Insel längere Zeit Kriegsdienst zu leisten, so dass das Unternehmen scheiterte. 1284 starb Hugo in Tyrus an einer Krankheit.

Hugos Sohn Johann I. von Zypern alias Johann II. von Jerusalem überlebte seinen Vater nur um ein Jahr.

Johanns Nachfolger wurde im Jahre 1285 dessen damals fünfzehnjähriger Bruder Heinrich II. von Zypern. Nachdem Karl I. von Anjou im Januar 1285 gestorben war, gelang es Heinrich, Akkon im Juli 1286 zurückgewinnen und das neunjährige angevinische Intermezzo zu beenden.

Karl II. von Anjou, König von Neapel, Sohn von Karl I. von Anjou und seit 1285 dessen Thronfolger, verlor damit jeglichen weiteren Einfluss auf das Königreich Jerusalem. Trotzdem führte er weiterhin den Titel eines Königs von Jerusalem, selbst nachdem dieses Königreich fünf Jahre später untergegangen war. Der auf dem Kauf der angeblichen Thronansprüche von Maria von Antiochia basierende Titel wurde auch an die ihm nachfolgenden Könige von Neapel weitervererbt und von diesen offiziell geführt.

Heinrich II. von Zypern ernannte nach seiner Krönung als Kömnig Heinrich II. von Jerusalem in Tyrus im August 1286 Balduin von Ibelin zum Bailli und kehrte nach Zypern zurück.

3.3 Der Fall Akkons und das Ende des Königreichs Jerusalem (1291)

Die fränkische Herrschaft in der Levante war 1291 auf sechs Städte zwischen Athlit und Beirut sowie auf die Templerstadt Tortosa samt der ihr vorgelagerten Insel Ruad beschränkt. Vergrößerte Ansicht.
Seit den 1260er Jahren, also noch in der Amtszeit von Konradin, hatten die Mamluken, die inzwischen in Ägypten an die Macht gelangt waren, wichtige christliche Positionen erobert:
  • Nazareth und der Berg Tabor in Galiläa (1263)
  • die Hafenstädte Caesarea (1265), Arsuf (1265), Arqa (1266) und Jaffa (1268)
  • das Fürstentum Antiochia (1268, 170 Jahre nach seiner Gründung)
  • die Templerburgen Safed (1266), Beaufort (1268), Baghras (1268) und Safita (1271)
  • die Deutschordensburgen Toron (1266) und Montfort (1271)
  • die Johanniterburgen Krak des Chevaliers (1271) und Marqab (1285)
  • die seit dem Fall Antiochias zur Grafschaft Tripolis gehörende Hafenstadt Latakia (1287)
  • die Grafschaft Tripolis (1289, 180 Jahre nach seiner Gründung)

Der Krak des Chevaliers (dt.: Festung der Ritter) im Norden der damaligen Grafschaft Tripolis ist ein herausragendes Symbol der Kreuzritterzeit. Die Burg des Johanniterordens, deren heute sichtbare Bauteile überwiegend aus der Zeit der Kreuzzüge stammen, hielt 1188 einer längeren Belagerung durch Saladin stand. 1271 wurde sie von den Mamluken erobert. Diese bauten an der südlichen Zwingermauer beide Rundtürme neu, erhöhten das Osttor, überwölbten die Zugangsrampe und errichteten an der Südseite der Außenmauer einen quadratischen Turm. Die Festung wurde bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts militärisch genutzt. Die Burg liegt heute in der Arabischen Republik Syrien und gehört seit 2006 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Im März 1291 sammelte der mamlukische Sultan al-Ashraf Khalil ein riesiges Heer. Die fränkische Herrschaft war zu diesem Zeitpunkt auf sechs Küstenstädte zwischen Athlit und Beirut sowie auf die Templerstadt Tortosa samt der ihr vorgelagerten Insel Ruad beschränkt.

Am 6. April 1291 begann der Sultan mit der Belagerung von Akkon. Durch das Eintreffen von König Heinrich II. von Zypern verbesserte sich die Lage der Christen und man vereinbarte eine Waffenruhe. Zahlreiche Bewohner konnten nach Zypern evakuiert werden, da die Mamluken nur eine schwache Flotte hatten, die keine große Gefahr für die fränkischen Schiffe darstellte.

Akkon hatte den für das Königreich Jerusalem wichtigsten, weil bei jedem Wetter sicheren Hafen.

Schließlich konnten die Feinde aber doch in die Stadt eindringen. König Heinrich II. floh nach Zypern. Am 18. Mai befand sich ganz Akkon in den Händen der Mamluken mit Ausnahme des großen Ordenshauses der Tempelritter an der Nordwestspitze der Stadt. Die in Akkon zurückgebliebenen Christen wurden erschlagen oder in die Sklaverei entführt. Nach zehn weiteren Tagen waren auch die Templer besiegt.

Innerhalb kurzer Zeit fielen nun auch Tyrus, Sidon, Beirut und Haifa.

Die Tempelritter verließen am 3. August 1291 Tortosa, eine Stadt, die rund hundert Jahre zuvor noch der Belagerung Saladins standgehalten hatte. Die Templer setzten auf die knapp drei Kilometer südwestlich vor Tortosa gelegene Insel Ruad über. Die allerletzten Templer verließen am 14. August 1291 ihr Château Pèlerin bei Athlit südlich von Haifa. Das war das Ende der christlichen Herrschaft auf dem Festland im Nahen Osten.

Die ehemalige Kathedrale von Tortosa (heute: Tartus in Syrien) gilt als der besterhaltene Sakralbau der Kreuzfahrerzeit in der Levante. Das Minarett zeugt von der späteren Nutzung als Moschee. Sie wurde in osmanischer Zeit als Pferdestall und wird heute als Museum genutzt. – Die Insel Ruad (heute: Aruad) ist heute vollständig vom einem Fischerdorf bebaut. Das alte Festungsgebäude des Templerordens ist noch gut erhalten. Die Verteidigungsmauern am Ufer sind vollständig abgetragen, der Verlauf lässt sich nur noch erahnen.

3.4 Die letzte Bastion im Nahen Osten auf der Insel Ruad (1291-1302)

Die rund siebenhundert Meter lange und etwas über fünfhundert Meter breite Insel Ruad baute der Templerorden zu einer Inselfestung aus. Sie war ab 1291 die allerletzte Kreuzfahrerbastion im Nahen Osten. Von diesem Brückenkopf aus versuchten die Templer zwischen 1300 und 1302 Gebiete auf dem Festland zurückzuerobern. Dies scheiterte jedoch an einem erfolgreichen Gegenangriff der Mamluken, sodass die Templer die Insel Ende 1302 aufgeben mussten. Dies war das komplette und endgültige Aus der Kreuzfahrer im Nahen Osten.

1307 wurden die Mitglieder des Templerorden in Frankreich der Ketzerei und der Sodomie angeklagt. Der Orden wurde 1312 vom Papst aufgelöst. Seine Güter gingen auf die Johanniter über.

3.5 Die Lusignans als Titularkönige von Jerusalem (1291-1489)

Der an ein Wunder grenzende Erfolg des Ersten Kreuzzugs hatte um 1100 zur Errichtung von vier beachtlichen fränkischen Flächenstaaten in der Levante geführt, von denen allerdings einer nicht einmal fünfzig Jahre überlebte. Ein Jahrhundert nach ihrer Gründung standen nach Saladins Durchmarsch auch die anderen drei hart am Abgrund, konnten sich aber – wenn auch nur noch in einem schmalen, in den letzten Jahrzehnten immer stärker unterbrochenen Küstenstreifen sowie einigen Ritterburgen im Landesinneren – ein weiteres Jahrhundert halten. Nun aber war die Kreuzzugsbewegung im Heiligen Land als ein vielleicht von Anfang an realitätsfremdes Projekt für immer gescheitert.

Die nach Zypern entkommenen christlichen Flüchtlinge lebten dort ohne die ständige Bedrohung muslimischer Angriffe und setzten ihr Leben unter denselben Rechtsgrundsätzen, Institutionen und demselben Königshaus fort, wie zuvor auf dem Festland.

Der Johanniterorden verlegte seinen Sitz nach Zypern, 1310 nach Rhodos und 1530 nach Malta. Er besteht bis heute als katholischer Malteserorden fort. 1538 ging aus der Ballei Brandenburg der evangelische Johanniterorden hervor. Beide betreiben Krankenhäuser und sind in Rettungsdiensten, Erste-Hilfe-Ausbildung, ambulanter Pflege und Betreuung, Jugendarbeit und Altenhilfe engagiert.

Die Marienburg im heutigen Malbork in Polen gilt als das größte Werk der Backsteingotik.
Der Deutsche Orden verlegte 1309 seinen Sitz in die Marienburg in Preußen, wo sein eigentlicher Aufstieg begann. Unter Einbeziehung großer Teile des Baltikums entstand der Deutschordensstaat, der aber im 16. Jahrhundert wieder zerfiel. Der Deutsche Orden besteht heute noch als geistlicher Orden, dessen Hochmeister seinen Sitz im Deutschordenshaus in Wien hat.

König Heinrich II. von Zypern und Jerusalem

König Heinrich II. von Zypern und Jerusalem und alle auf ihn folgenden Lusignans bezeichneten sich weiterhin als Könige von Jerusalem. In der Kathedrale von Nikosia (heute: Selimiye-Moschee) ließen sie sich zu Königen von Zypern und in Famagusta im äußersten Osten der Insel in der dortigen Kathedrale (heute: Lala-Mustafa-Pascha-Moschee) zu Königen des nicht mehr real existierenden Königreiches Jerusalem krönen.

Das seit Heinrich II. von Zypern und Jerusalem verwendete Wappen der Lusignans kombiniert das blausilbern gestreifte Familienwappen der Lusignans mit dem aufsteigenden zypriotischen Löwen zum Wappen des Königreichs Zypern. Dies wiederum ist mit dem Wappen des Königreich Jerusalems in einer Vierung vereinigt.

Zypern entwickelte sich zum kulturellen Zentrum des lateinischen Ostens. Den heute nicht mehr existierenden Königspalast in Nikosia bezeichneten mittelalterliche Reiseberichte als den schönsten der Welt.

Die ehemaligen Krönungskathedralen der Lusignans in Nikosia (links) und Famagusta (rechts) sind Meisterwerke des gotischen Kirchenbaus. Sie wurden nach 1571 von den Osmanen in Moscheen umfunktioniert und mit Minaretten versehen. Nikosia (türk.: Lefkoşa) und Famagusta (türk.: Gazimağusa) liegen heute in der Türkischen Republik Nordzypern.

Der Kreuzzug gegen Alexandria (1365-1367)

Die Lusignans schmiedeten immer wieder Pläne zur Rückeroberung des Festlands. König Peter I. von Zypern und Jerusalem versammelte 1365 auf Rhodos ein internationales Kreuzfahrerheer mit dem Ziel, Ägypten zu erobern und auf dieser Grundlage Palästina zurückzugewinnen. Sie eroberten und plünderten Alexandria, kamen dann aber zur Erkenntnis, die Stadt sei nicht zu halten.

Mit Beute schwer beladen segelten sie nach Famagusta zurück, von wo aus die aus den anderen Ländern gekommenen Kreuzfahrer in ihre Heimat zurückkehrten. Nach fruchtlosen Angriffen auf Beirut, Tripolis und Tortosa verlief dieses als Kreuzzug gegen Alexandria in die Geschichte eingegangene Projekt 1367 endgültig im Sande.

Als die Dynastie der Lusignans 1489 erlosch, wurde Zypern eine venezianische Kolonie und schließlich im Jahre 1571 durch die Osmanen erobert.

Zypern heute

Heute ist die Insel zweigeteilt: Im Süden die flächenmäßig größere Republik Zypern, die hauptsächlich von Griechen bewohnt ist und der Europäischen Union angehört, und im Norden die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die Grenze, die seit 1974 unter dem Schutz der United Nations Peacekeeping Force in Cyprus steht, geht auch mitten durch die Hauptstadt Nikosia (griechisch: Lefkosía, türkisch: Lefkoşa) und macht diese zu einer geteilten Stadt.

3.6 Die Titularkönige von Jerusalem bis in die Gegenwart

Der Titel eines Königs von Jerusalem, den Maria von Antiochia zu Unrecht für sich reklamiert und dann in einem dubiosen Rechtgeschäft an Karl I. von Anjou verkauft hatte, vererbte sich anschließend in der Herrscherlinie des Königreichs von Neapel weiter.

Habsburgische Könige von Jerusalem

Als Kaiser Karl VI. aus dem Hause Habsburg, der Vater von Maria Theresia, im Jahre 1735 das Königreich Neapel an die spanischen Bourbonen abtreten musste, behielt er den Titel eines Königs von Jerusalem bei. Dieser vererbte sich in der Familie der Habsburger bis über das Ende der Donaumonarchie hinaus. Hier als Beispiel der Anfang des Großen Titels von Kaiser Franz Joseph, in dem Jerusalem etc. für die Kreuzfahrerstaaten insgesamt steht:

Seine Kaiserliche und Königliche Apostolische Majestät Franz Joseph von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen, von Dalmatien, Kroatien, Slawonien, Galizien, Lodomerien und Illyrien; König von Jerusalem etc.; Erzherzog von Österreich; Großherzog von Toskana und Krakau; Herzog von Lothringen, von Salzburg, Steyer, Kärnten, Krain und der Bukowina; [...]

Otto von Habsburg, König von Jerusa- lem.
Am 1. März 1947 berichtete DER SPIEGEL unter dem Titel Otto auf dem Kreuzzug, über Otto von Habsburg († 2011), den Sohn des letzten Kaisers von Österreich:

"In Kairo wird erzählt, dass Otto von Habsburg politische Zwecke verfolge. Er wolle sich verheiraten, heißt es. Prinzessin Feiza, eine Schwester des Königs Faruk, sei die Auserwählte.

Das Heiratsprojekt hat in der Öffentlichkeit Widerhall gefunden. Es wird mit phantastischen Erwartungen verknüpft. Der Kaiser von Österreich hatte seit 1526 das Recht, sich König von Jerusalem zu nennen. Otto von Habsburg hätte Aussicht, es tatsächlich zu werden. Vielleicht würde die Palästinafrage damit eine Lösung erfahren. Die Araber würden eine muselmanische Prinzessin auf dem Thron begrüßen. Auch die Juden brauchten nicht unzufrieden zu sein. Viele jüdische Bewohner Palästinas stammen aus dem einstigen Österreich-Ungarn. Manche behielten die Herrschaft der Habsburger in guter Erinnerung.

Vorläufig klingt das Gerücht noch sehr unwahrscheinlich. Es ist schwer glaubhaft, dass Otto von Habsburg imstande wäre, die tiefe Gegnerschaft zwischen Arabern und Juden auszugleichen. Wahrscheinlich würde er dann auch seine Mutter aufnehmen, die zurzeit in den Vereinigten Staaten weilt. Und die ehrgeizige Zita würde die wahre Herrscherin von Jerusalem werden. Das würde die Begeisterung der Araber und Juden, wenn eine solche bestände, bald abkühlen."

Dieses Projekt wurde bekanntlich nicht verwirklicht. Stattdessen gründeten die Juden am 14. Mai 1948 den Staat Israel mit Jerusalem als Hauptstadt. Bei Ottos Bestattung in der Wiener Kaisergruft im Jahre 2011 ließ man bei der berühmten Klopfzeremonie seinen Titel eines Königs von Jerusalem sinnvoller Weise unter den Tisch fallen.

Spanische Könige von Jerusalem

König Felipe VI. von Spanien, König von Jerusalem.
Auch im Hause der spanischen Bourbonen, die im Anschluss an den habsburger Kaiser Karl VI. von 1735 bis 1860 Könige von Neapel waren, wurde der Titel des Königs von Jerusalem beansprucht und bis heute weitervererbt. Die spanische Krone ist das einzige regierende Königshaus, das ihn heute noch offiziell für sich beansprucht. Felipe VI. aus dem Hause der Bourbonen trägt insgesamt vierundzwanzig Königstitel und nennt sich:

Rey de España. Rey de Castilla, de León, de Aragón, de las Dos Sicilias, de Jerusalén, de Navarra, de Granada, de Toledo, de Valencia, de Galicia, de Mallorca, de Sevilla, de Cerdeña, de Córdoba, de Córcega, de Murcia, de Jaén, de los Algarves, de Algeciras, de Gibraltar, de las Islas Canarias, de las Indias Orientales y Occidentales, y de las Islas y Tierra Firme del Mar Océano. Archiduque de Austria. [...]

Savoyische, neapolitanische und maltesische Könige von Jerusalem

Neben dem habsburgischen und dem spanisch-bourbonischen gibt es drei ähnlich bizarre Titelansprüche savoyischer, neapolitanischer und maltesischer Provenienz, auf die hier aber nicht näher eingegangen werden soll.

Naher Osten heute. Schraffiert das Gebiet des ehemaligen Königreichs Jerusalem in seiner größten Aus- dehnung Mitte des 12. Jahrhunderts.
Auf all diese Titularkönige trifft das bereits im Zusammenhang mit den beiden staufischen Konraden dargestellte Operettenhafte in gesteigerter Form zu. Denn die beiden Staufer hatten dort zwar nichts zu sagen, aber immerhin war das "Königreich der Lateiner von Jerusalem" zu ihrer Zeit noch ein real existierender Staat.

Der Nahe Osten heute

Dieses Königreich wurde vor nun schon mehr als siebenhundert Jahren von den Mamluken für immer vernichtet. Sein damaliges Territorium – in seiner größten Ausdehnung in der Mitte des 12. Jahrhunderts – liegt heute in folgenden Staaten:

  • Republik Libanon
  • Arabische Republik Syrien (in geringem Umfang)
  • Israel einschließlich den seit 1967 besetzten von den Palästinensern als eigener Staat beanspruchten Gebieten (Westjordanland, Gazastreifen und Ostjerusalem)
  • Haschemitisches Königreich Jordanien
  • Arabische Republik Ägypten (in geringem Umfang)

3.7 Die Könige von Jerusalem auf Stauferstelen

Seit dem Jahr 2000 wurden vierunddreißig Stauferstelen in fünf europäischen Staaten im Rahmen eines weltweit einzigartigen Projektes errichtet. Die Denkmäler stehen an Orten, die einen Bezug zur Geschichte der Staufer haben, die im Hochmittelalter Herzöge, Könige und Kaiser waren.

Stauferstele bei der Burg Niederhaus.
Auf neun dieser Stauferstelen wird daran erinnert, dass die Staufer im 13. Jahrhundert Könige von Jerusalem waren:

Friedrich II.Konrad IV.Konradin
FiorentinoDinkelsbühlBesigheim
BariBurg Niederhaus
EllwangenBopfingen
JustingenBaden-Baden

Literatur:

  • Thomas Asbridge: The Crusades. The War for the Holy Land. London 2010.
  • Dieter Bauer, Klaus Herbers, Nikolas Jaspert (Hrsg.): Jerusalem im Hoch- und Spätmittelalter. Frankfurt 2001.
  • Claude Reignier Conder: The Latin Kingdom of Jerusalem, 1099 to 1291 A.D. London 1897.
  • Eberhard Horst: Friedrich der Staufer. Eine Biografie. Düsseldorf 1975.
  • Ernst H. Kantorowicz: Kaiser Friedrich der Zweite. Stuttgart 2003.
  • Martin Kaufholt: Die Kreuzzüge. Wiesbaden 2011.
  • John L. la Monte: Feudal monarchy in the Latin kingdom of Jerusalem 1100 to 1291. Camebridge (Mass.) 1932.
  • Jonathan Phillips: Heiliger Krieg. Eine neue Geschichte der Kreuzzüge. München 2009.
  • Olaf B. Rader: Friedrich II. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. München 2012.
  • Karl-Heinz Ruess (Hrsg.): Stauferzeit – Zeit der Kreuzzüge. Göppingen 2011.
  • Steven Runciman: A History of the Crusades. Volume III: The Kingdom of Acre and the Later Crusades. Cambridge 1951.
  • Jonathan Riley-Smith: The Crusades: A History. London 2014.
  • Rodney Stark: God's Battalions. The Case for the Crusades. New York 2009.
  • Jürgen Wiener: Das Grabmal des Johann von Brienne: Kaiser von Konstantinopel und König von Jerusalem. Düsseldorf 1998.

Landkarte von Outremer zur Kreuzfahrerzeit

Stadtplan von Jerusalem um 1187

Liste der Könige und Königinnen von Jerusalem

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