Freitag, 5. August 2022, 18:45 Uhr, Landesschau Baden-Württemberg, SWR Fernsehen BW.

Simulation des Stauferfrieses an der Backsteinwand des Einkaufszentrums "Remsgalerie" in der Ledergasse. Es zeigt den Einzug Konradins in Gmünd im Jahre 1266. Vergrößerte Ansicht. Quelle: stauferfries.de. 🌐Lage.

Der Stauferfries in Schwäbisch Gmünd

Die Montage hat im Juli 2022 begonnen. Auf diesem Foto sind 33 Meter realisiert.
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Konradin, gefolgt von seinem Freund Friedrich von Baden. Vergrößerte Ansicht.

Der in Schwäbisch Gmünd lebende Maler, Grafiker und Kunsthistoriker Helmut Gruber-Ballehr entwickelte 2013 die Idee des Stauferfrieses. Dieses im Endzustand 60 Meter lange Kunstwerk stellt den Einzug von König Konradin, dem letzten Staufer, im Jahre 1266 in Schwäbisch Gmünd dar.

In Edelstahl geschnitten, macht es an der Südfassade des Einkaufszentrums "Remsgalerie" in der Ledergasse die Bedeutung der Staufer für die "Älteste Stauferstadt" sichtbar. Bei Tag werden die über neunzig Figuren als silberglänzende Formen vor der nüchtern gestalteten Backsteinfassade des Einkaufszentrums schweben. Bei Dunkelheit wird der Stauferfries mit energiesparendem LED-Licht hinterleuchtet werden.

Der eigens dafür gegründete Verein "Stauferfries e.V." arbeitet in Kooperation mit der Stadt an der Realisierung und sammelt Spenden für das Projekt. Es ist vertraglich geregelt, dass das Kunstwerk im Wert von ursprünglich rund 250.000 Euro (Kosten Stand Juli 2022: 300.000 Euro) in das Eigentum der Stadt übergeht. Es sind noch Patenschaften im Wert von rund 80.000 Euro unverkauft (Stand Juli 2022).

Preistafel für die Patenschaften. Vergrößerte Ansicht. Quelle: stauferfries.de.

Um ein solch großes Projekt zu realisieren, bedarf es nicht nur der Zustimmung der Bevölkerung, sondern auch großzügige Geldgeber.

Durch eine Patenschaft für eine Figur des Frieses können Sie Teil des Stauferfrieses werden. Sämtliche Patenschaften werden den hundert Figuren und Fahnen sichtbar zugeordnet und die Paten erhalten zusätzlich eine Urkunde.

Spenden sind steuerlich absetzbar, denn der "Stauferfries e.V." ist als gemeinnützig anerkannt.

Werden Sie Teil des Stauferfrieses:

Stauferstele in Schwäbisch Gmünd vor der romanischen Johanniskirche. Auf der Seite mit dem Reichsadler sind die Besuche staufischer Könige und Kaiser in der Stadt genannt, darunter auch der von Konradin im Jahre 1266.

Vergrößerte Ansicht.

Der 2018 verstorbene Lorcher Maler und Grafiker Hans Kloss verewigte Konradin in seinem Schwäbisch Gmünder Epos auf dem vierten von fünfzehn Monumentalgemälden. Es hat den Titel "König Konrad (Konradin) vor der Johanniskirche".

Am 28. Dezember 1266 urkundete der damals 14-jährige Konradin in Gmünd, bevor er im September 1267 nach Italien zog, um sein Erbe als rechtmäßiger König von Sizilien anzutreten. Dort verlor er die entscheidende Schlacht gegen Karl I. von Anjou, wurde auf der Flucht ergriffen und 1268 in Neapel enthauptet. Er war der letzte Staufer in männlicher Linie. Seine Gebeine liegen in der Basilica santuario di Santa Maria del Carmine Maggiore in Neapel.

Das von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen im Auftrag von König Maximilian II. von Bayern geschaffene Grabmal von Konradin in der Basilica santuario di Santa Maria del Carmine Maggiore in Neapel steht gegenüber der Kanzel. Vergrößerte Ansicht.

Lateinischer Text der Urkunde vom 28. Dezember 1266. Vergrößerte Ansicht.

In der Urkunde vom 28. Dezember 1266, aus der sich auf einen Aufenthalt Konradins in Gmünd schließen lässt, werden zwei Esslinger Bürger mit Zollrechten belehnt. Sie hat also nichts mit irgendwelchen Sachverhalten in Gmünd zu tun, wurde aber aput Gamundiam ausgestellt, was mit bei oder in Gmünd übersetzt werden kann.

Der damals 14-jährige Konradin (dieser heute übliche Name geht auf das Diminutiv Corradino zurück, das ihm der italienische Volksmund gab) urkundet als Chonradus secundus, dei gracia Ierusalem et Sycilie rex, dux Swevie, also als Konrad II. König von Jerusalem und Sizilien sowie Herzog von Schwaben. Die Ordinalzahl II. bezieht sich auf das Königreich Sizilien, denn als König von Jerusalem war er bereits der dritte und als Herzog von Schwaben der vierte mit dem Namen Konrad.

Die Urkunde ist datiert auf anno dominice incarnacionis millessimo ducentesimo sexagesimo septimo, in die Innocentum, decime indicionis, also auf das Inkarnationsjahr 1267, den Tag der unschuldigen Kinder, der am 28. Dezember gefeiert wird, und die 10. Indiktion.

Die Indiktion (lat. indictio = Ankündigung) ist ein 15-jähriger Zyklus zur Jahreszählung, der seit der Spätantike bis zum Ende des Mittelalters in Urkunden sehr häufig redundant verwendet wurde. Sie errechnet sich mit der Formel Indiktion = (Inkarnationsjahr + 3) mod 15. Für das Inkarnationsjahr 1267 ergibt sich nach dieser Formel als Indiktion: (1267 + 3) / 15 = 84 Rest 10. Die Indiktion in der Urkunde passt demnach zum Inkarnationsjahr, was bei mittelalterlichen Urkunden nicht immer der Fall ist und dann die Datierung erschwert.

Am 28. Dezember 1267 war Konradin aber bereits in Italien, wo er 1268 ums Leben kam. Dieser Widerspruch erklärt sich damit, dass der Schreiber der Urkunde das neue Kalenderjahr 1267 nicht am 1. Januar 1267, sondern bereits mit dem 25. Dezember des Vorjahres beginnen ließ, dem Tag der Geburt Christi. Daher ist die Urkunde auf den 28. Dezember 1266 zu datieren.

An welchem Tag Konradin in Gmünd ankam und ob er auch das Weihnachtsfest dort verbracht hat, lässt sich aus dieser Urkunde nicht erschließen. Vor seinem Aufenthalt in Gmünd ist Konradin in Schongau, Innsbruck und Augsburg (November 1266) quellenmäßig nachgewiesen. Danach ist er in Rottweil, Engen und Konstanz (Januar 1267), in Augsburg (Februar 1267) sowie in Friedberg und in Esslingen (März 1267) nachgewiesen.

In keiner dieser Quellen zwischen November 1266 und März 1267 wird sein drei Jahre älterer Freund Friedrich von Baden erwähnt, der als zweitprominenteste Persönlichkeit auf dem gesamten Fries direkt hinter Konradin reitet. Seine Abbildung auf dem Fries erfolgte im Rahmen der künstlerischen Freiheit. Dies gilt neben vielen weiteren Details auch für die Fahne des Malteserordens, den es im 13. Jahrhundert noch nicht gab.

Anfang September 1267 brach Konradin nach Italien auf, wo er beim Versuch, sein sizilianisches Erbe zu übernehmen, im Alter von sechzehn Jahren ums Leben kam.

Urkunde vom 28. Dezember 1266: RI V,1,2 n. 4820; WUB Band VI, Nr. 1886; LA BW StAL B 169 U 11.

Links: Konradin lässt bei der Beizjagd mit seinem Freund Friedrich von Baden einen Falken steigen. Codex Manesse, um 1300, Fol. 7r. – Rechts: Konradin und Friedrich von Baden vernehmen beim Schachspiel ihr Todesurteil. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1784, Original im Bestand des Schlossmuseums Gotha. – Vergrößerte Ansicht.

Die öffentliche Enthauptung Konradins auf dem Marktplatz von Neapel 1268. Miniatur aus der Nuova Cronica des Giovanni Villani, um 1350, Fol. 112v. Vergrößerte Ansicht.

Simulation eines Teils des geplanten Stauferfrieses bei Nacht. Es zeigt den Einzug Konradins in Gmünd im Jahre 1266. Vergrößerte Ansicht. Quelle: stauferfries.de.

Der Helmut Gruber-Ballehr knüpft mit dem Stauferfries in dreifacher Weise an Schwäbisch Gmünds Stadtgeschichte an:

  • Mit Konradins Einzug verweist er auf Gmünd als älteste Stauferstadt.
  • Mit der Gestaltung aus Edelstahl verweist er auf Gmünd als Stadt der Gold- und Silberschmiede.
  • Mit Licht und Schatten verweist er auf Gmünd als Stadt des Schattentheaters. Denn je nach Stand der Sonne verändert sich das Bild, das zudem nachts von hinten beleuchtet wird.

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