20. STAUFERSTELE

Wie eine Stauferstele entsteht

Vom Steinbruch bis zur Einweihung in Justingen am 7. Oktober 2012

"Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer!" - diese anerkennenden Worte legt Friedrich von Schiller in Wallensteins Tod seinem Titelhelden in den Mund. Das inzwischen geflügelte Wort ist Fiktion, die Pappenheimer hingegen gibt es wirklich. Das Adelsgeschlecht existiert noch heute. Die Ruine seiner namensgebenden Stammburg steht oberhalb des Städtchens Pappenheim im Altmühltal. Eine Gegend, die vor 160 Millionen Jahren unter Wasser stand.

Ruine Pappenheim

Ruine Pappenheim

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Jurasteinbruch Größer

Rohling

Rohling einer Achteck-Trommel

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Südwestdeutschland Größer

Markus Wolf

Markus Wolf

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Entwurf vom Komitee
der Stauferfreunde Größer

Capitalis

Römische Capitalis Schrift

VON PETER KOBLANK (2012)

Über den gesamten süddeutschen Raum erstreckte sich damals ein flaches Schilfmeer. Durch Ablagerungen entstanden im Laufe von zwanzig Millionen Jahren auf dem Meeresgrund die Felsen des Jurakalks. Dieses Gestein wird heute unter anderem auch in Pappenheim abgebaut. Und genau dort in Bayern beginnt in einem Steinbruch die Geschichte der Stauferstele, die am 7. Oktober 2012 in Justingen eingeweiht wird.

Jurakalk aus Pappenheim

Der 140 Millionen Jahre alte Jurakalk ist ein Sedimentgestein und besteht im Wesentlichen aus kohlensaurem Kalzium, Fossilien und Metalloxiden. Er kommt in der Region um Pappenheim in einer Mächtigkeit von 45 Metern vor. Seit 1888 wird dort Stein abgebaut.

Die Firma der Max Balz GmbH & Co. gehört zu den ältesten Steinbruchbesitzern. Ihr Steinbruch hat über dreißig Schichten, von denen aber nur ein Drittel Gestein enthält, das sich als Werkstein für die Bildhauerei eignet. Blöcke aus den übrigen Lagen gehen in den Garten- und Landschaftsbau.

Rahmweiß gebänderter Jura-Travertin

Eine Besonderheit bei Max Balz in Pappenhein ist die Lage 11. Sie besteht im Gegensatz zu den anderen, gelben Schichten aus rahmweiß gebändertem Jura. Dieser poröse Stein wird gegen das natürliche Lager geschnitten, zeigt dadurch eine Struktur, die dem Gestein Travertin ähnelt und wird deshalb auch Jura-Travertin genannt.

Diese Lage 11 ist bis zu 130 Zentimeter dick und kann dadurch als Kompaktstein mit bis zu 120 Zentimeter Höhe verarbeitet werden. Daher eignet sich das Material dieser Lage für die Stauferstelen.

Vorfertigung der vier Stelen-Komponenten

Bereits in Pappenheim werden die vier Teile der Stauferstelen vorgefertigt: die viereckige Basisplatte sowie die drei achteckigen Trommeln (Schaftstück, Mittelstück und Kronenstück). Auch die oktagonalen Teile für die Stele werden mit einer Kreissäge aus dem rohen Stein herausgesägt. Anschließend werden sie von Hand nachgearbeitet, damit die Oberfläche glatt ist und die Riefen, die das Sägeblatt hinterlassen hat, nicht mehr sichtbar sind.

Die vier Komponenten der Stele haben folgende Maße (von unten nach oben):

  • Quadratische Basisplatte: 100 x 100 cm, 25 cm hoch
  • Oktagonale Schafttrommel: 80 cm breit, 120 cm hoch
  • Oktagonale Mitteltrommel: 80 cm breit, 50 cm hoch
  • Oktagonale Kronentrommel: 80 cm breit, 75 cm hoch

Bei der Breite der Trommeln handelt es sich um den Abstand zwischen zwei gegenüberliegenden Flächen. Die unterste, 120 cm hohe Trommel bewegt sich innerhalb der Maximalgrenze der 130 cm starken Lage 11. Unter Berücksichtigung der beiden Distanzringe zwischen den drei Trommeln (jeweils 2,5 cm hoch) ergibt sich eine Gesamthöhe von 25 cm + 120 cm + 2,5 cm + 50 cm + 2,5 cm + 75 cm = 2,75 Meter. Alles zusammen wiegt 4,5 Tonnen.

Die Säule benötigt ein Fundament, das normalerweise aus Beton gegossen wird, auf gewachsenem Boden einen Kubikmeter Volumen hat und etwa 2,3 Tonnen wiegt.

Von Pappenheim nach Plieningen

Zunächst müssen die fertigen Steine im Werk in Pappenheim ein Jahr lang austrocknen. Anschließend werden die drei Achtecktrommeln und die Basisplatte an den Bildhauer Markus Wolf geliefert. Seine Werkstatt befindet sich - etwa 200 Kilometer entfernt - in Plieningen in unmittelbarer Nähe des Stuttgarter Flughafens. Dort beginnt die eigentliche künstlerische Arbeit.

Künstlerische Gestaltung der Stele

Texte und Wappen werden gemäß des Entwurfs vom Komitee der Stauferfreunde zunächst auf den Stein gezeichnet. Markus Wolf verwendet als Schrift eine Abwandlung der Römischen Capitalis.

Die Römer hatten ein Alphabet, das bereits weitgehend dem heute verwendeten entsprach, allerdings waren es ausschließlich Großbuchstaben. Bekanntestes Beispiel für die Capitalis sind die Inschriften der 113 n. Chr. errichteten Trajanssäule in Rom. Auf der Justinger Stauferstele befinden sich über tausend Buchstaben und Ziffern.

Die gemeißelten Zeichen werden anschließend mit einer selbst gemischten Kunstharzfarbe eingelassen. Die Goldkrone auf der obersten Trommel wird als Blattgold von einem Transferblatt auf einen zuvor aufgetragenen Goldgrund aufgebracht.

Für die Absätze zwischen den Trommeln wird auf der untersten und der mittleren Trommel ein Distanzring, der aus Schienen im gleichen Material besteht, mit Epoxidharz aufgeklebt. Zum Schluss werden alle Flächen exakt nachgearbeitet und geschliffen.

Rund vier Wochen lang arbeitet Markus Wolf ab der Auftragserteilung am 1. September 2012 an der Justinger Stele.

Besuch der Stifter

Ursula Krißler-Zink (gemeinsam mit ihrem Ehegatten Bernd Krißler Stifterin der Justinger Stele) und Dr. Gerhard Raff (Komitee der Stauferfreunde) begutachten in der Werkstatt zwei Trommeln, auf denen die Inschriften bereits vom Bildhauer (im Bild rechts) gelb vorgezeichnet sind. – Auf dem rechten Bild meißelt Ivan Karpov, ein Mitarbeiter von Wolf, die vorgezeichneten Zeichen aus. Fotos: Bernd Krißler.

Meißeln

Maßgeblich sind nicht die zunächst gelb vorgemalten, sondern die im zweiten Schritt mit schwarzen Umrissen vom Bildhauer gezeichneten Buchstaben und Ziffern. Fotos: Bernd Krißler.

Werkstatt in Plieningen

Am 2. Oktober 2012 in der Werkstatt von Markus Wolf in Plieningen: Die Einzelteile der Justinger Stele sind weitgehend fertiggestellt. Die Kronentrommel im Vordergrund ist bereits am oberen Ende vergoldet.

Distanzstücke und Transportösen

Trommel mit aufgeklebtem Distanzring und eingeschraubten Ösen für den Transport. Die Schrift ist bereits schwarz ausgemalt, die Oberfläche muss noch nachgearbeitet werden.

Aufstellung am Freitag, 5. Oktober 2012

Fundament

Vorbereitetes Beton-Fundament

Am Morgen wird die Stele in Plieningen auf einen Kranwagen verladen und in das 75 Kilometer entfernte Justingen transportiert.

Dort hat die Gemeinde bereits südöstlich der in ihren Grundmauern noch aus der Stauferzeit stammenden St. Oswaldkirche ein Fundament für das neue Denkmal errichtet.

Nach einer Stunde Fahrt trifft der Transport um 9:45 Uhr in Justingen ein. Markus Wolf parkt seinen LKW mit Kran und Anhänger direkt neben dem Fundament.

Fundament

Skizze von Markus Wolf für das Fundament der Stauferstelen. Es wird bewehrter Beton der Druckfestigkeitsklasse C20/25 (nach alter DIN 1045 B25) verwendet. Beim bewehrten Beton, auch Stahlbeton genannt, sind zur Erhöhung der Zugfestigkeit Stahleinlagen in Form von Bewehrungsstäben eingebaut. Ein unbewehrter Beton ohne diese Armierung würde unter der 4,5 Tonnen schweren Stele brechen.

Aufbau der Stele

Die Basisplatte wird auf dem Fundament abgelassen. Im Vordergrund links die oben vergoldete Kronentrommel. Schaft- und Mitteltrommel liegen noch auf dem LKW. Auf dem Bild Markus Wolf (rechts) und sein Mitarbeiter Ivan Karpov.

Aufbau der Stele

Auf der Basisplatte werden zehn kleine, etwa 2 cm lange dunkle Bleistücke ausgelegt. Die 120 cm hohe Schafttrommel wird exakt abgesetzt und lagert auf den weichen Bleistücken, die durch das Gewicht der Trommel plattgedrückt werden. Oben auf der Trommel werden innerhalb des Distanzrings kleine schwarze Basaltplättchen mit Silikon verklebt. Diese Plättchen sind 2 mm höher als die später sichtbaren Distanzleisten auf der Trommel und tragen das Gewicht der darüberliegenden Trommel. Damit die darüberliegende Mitteltrommel genau über der Schafttrommel abgesetzt werden kann, wird eine Vorrichtung mit Holzbrettern angebracht.

Aufbau der Stele

Es folgt die mittlere Trommel. Für die Haken an den Ketten des Krans sind zu Montagezwecken oben in den Trommeln Ösen mit 20 cm langen Gewinden eingeschraubt. An Hand des Entwurfs prüft Wolf nochmals, ob die Trommeln tatsächlich in der richtigen Position stehen.

Aufbau der Stele

Zuletzt lässt Markus Wolf mit seiner Fernbedienung die Kronentrommel herab. Sein Mitarbeiter (rechts) und ein hilfsbereiter Zuschauer aus Justingen sorgen für die exakte Position. Die Schraubenlöcher für die Ösen oben auf der Kronentrommel werden mit Silikon ausgefüllt. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Stele notfalls später einmal versetzen zu können, indem man das Silikon entfernt, neue Ösen einschraubt und die Komponenten der Stele nacheinander demontiert.

Stauferstele Justingen

Um 11:45 Uhr steht die Stauferstele nach zwei Stunden Präzisionsarbeit endgültig vor der St. Oswaldkirche. Nach 140 Millionen Jahren hat dieses 4,5 Tonnen schwere Gestein aus dem Jurameer eine neue Aufgabe zu erfüllen.

Einweihung am Sonntag, 7. Oktober 2012 ab 10:30 Uhr

Weil vor genau 800 Jahren Anselm von Justingen im Auftrag der staufischen Partei den späteren Staufer-Kaiser Friedrich II. aus Sizilien nach Deutschland geholt und damit wesentlich in die Weltgeschichte eingegriffen hat, wird in Justingen die zwanzigste Stauferstele enthüllt.

Stauferstele Justingen

Die Stele ist enthüllt. V.r.n.l: Markus Wolf (Bildhauer, mit Schnur der Verhüllung), Ursula Krißler-Zink und Bernd Krißler (Stifter), Heinz Seiffert (Landrat des Alb-Donau-Kreises), Heinrich Haasis (Präsident des Weltinstituts der Sparkassen, weißer Mantel), Fritz Nägele (Ortsvorsteher von Justingen, etwas verdeckt), Dr. Gerhard Raff (Komitee der Stauferfreude, mit eingewickeltem Tuch), Anselm von Justingen und Heinrich von Neuffen (Schauspieler zu Pferde).

Wappen und Texte

Die Trommeln sind an vier Seiten mit Wappen verziert und beschriftet. An zwei Seiten der Basisplatte stehen Informationen zu den Stiftern und dem Künstler.

Stauferstele Justingen

Die Wappen und Inschriften der Stauferstele in Justingen sind hier genau erklärt.

Genau hingeschaut: Einschlüsse, Löcher, Verwitterung

Betrachtet man die Steinblöcke genauer, so kann man fossile Einschlüsse, beispielsweise Kieselschwämme oder kleine Ammoniten, sowie Löcher entdecken. Dies ist so gewollt und das Wesen dieses fossilen Werkstoffes. Die Löcher haben ihre Ursachen in Hohlräumen innerhalb von eingeschlossenen Tieren und Pflanzen. Befinden sie sich in einem Bereich, in dem eine Schrift angebracht werden soll, so werden diese Löcher vom Künstler aufgefüllt, ansonsten bleiben sie original erhalten.

Einschlüsse und Löcher

Kieselschwämme (graue Flächen im oberen Bereich) und Löcher. Unten links: Belemnit (eine Art Tintenfisch) mit sichtbar gebliebenen Weichteilen. Unten rechts: Ammonit (Spirale horizontal im Gestein liegend).

Sobald die Stele an ihrem Bestimmungsort steht, ist der Stein ständig Wind und Wetter ausgesetzt. Durch den Verwitterungsprozess wird ihre Oberfläche angegriffen und reduziert sich im Laufe von hundert Jahren um etwas mehr als 0,2 Millimeter. Der Stein wird also in spätestens zweitausend Jahren so stark verwittert sein, dass man die vier Millimeter tiefe Schrift dann nicht mehr lesen kann.

Alternative Werkstoffe

Stauferstele Hohenstaufen Stauferstele Haguenau Stauferstele Trifels

Hohenstaufen (2002), Haguenau (2006), Trifels (2008)

Nicht nur die Justinger Stauferstele, sondern auch schon die erste, die im Jahre 2000 in Fiorentino (Apulien) aufgestellt wurde, sowie fünfzehn weitere sind aus diesem Jura-Travertin aus Pappenheim angefertigt.

Eine Ausnahme bilden drei Stelen: Auf dem Hohenstaufen in Baden-Württemberg wurde Apulischer Trani-Marmor verwendet, in Haguenau im Elsass und auf dem Trifels in Rheinland-Pfalz kam roter Vogesensandstein aus einem Steinbruch in Rothbach zum Einsatz.

Alternative Konstruktionsmerkmale

Von den Dimensionen her sind alle Stauferstelen mit einer einzigen Ausnahme identisch: Die Stele auf dem Hohenstaufen ist 88 Zentimeter breit und 2,75 Meter hoch. Sie ist damit 10 Prozent größer als alle anderen Stelen, was diesen Berg als Namensgeber für das Geschlecht der Staufer hervorheben soll.

Stauferstele Schwäbisch Gmünd Stauferstele Fiorentino

Schwäbisch Gmünd, Fiorentino

Bei der Stele in Schwäbisch Gmünd in Baden-Württemberg sind anders als bei allen anderen die Basisplatte und die drei Trommeln miteinander verdübelt. Dadurch kann man diese Stele komplett versetzen, wie es bereits kurz nach der Einweihung im Jahr 2012 wegen der Theateraufführungen der Staufersaga zur 850-Jahrfeier erforderlich war und auch in Zukunft immer wieder notwendig sein kann. Äußerlich ist nicht zu erkennen, dass man nur ein paar Pflastersteine am Rand der Basisplatte entfernen muss, um dann unterhalb der Basisplatte, die nicht direkt auf dem Fundament aufsitzt, sondern auf Distanzschienen ruht, Transportbänder anzubringen und die Stele mit einem Kran wegzuheben.

Im Gegensatz dazu musste die Stele in Haguenau im Sommer 2012 komplett demontiert und neu zusammengebaut werden, als sie von ihrem ursprünglichen Standort in der Rue de la Moder 4b in den Innenhof des Maison de Retraite in der Rue du Chateau 1 versetzt wurde.

Eine weitere Besonderheit gibt es bei der erdbebensicheren Stele in Fiorentino in Apulien: Ihre Trommeln sind in der Mittelachse durchbohrt und durch in dieser Bohrung eingesetzte Bolzen miteinander verbunden. Horizontal auftretende Kräfte wie bei einem Erdbeben können die Trommeln daher lediglich verschieben, aber nicht durch Herabfallen beschädigen.


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