Staufergräber - Anlagen


VON PETER KOBLANK (2015, 2017)

Kathedrale von Andria (Italien)

Bei der Kathedrale Santa Maria Assunta in Andria erinnert außen nur noch das massige Untergeschoss des Glockenturms von 1188 an die Frühzeit des Doms. Die Obergeschosse wurden im 13. und 15. Jahrhundert aufgestockt, Vorhalle und Portikus sind von 1844. – Laut zwei Tafeln in der Krypta sind hier zwei Ehefrauen von Friedrich II. bestattet, den die Italiener Federico di Svevia (dt.: Friedrich von Schwaben) nennen.

Jolante von Brienne und Isabella von England, zweite und dritte Ehefrau von Kaiser Friedrich II., wurden in der Kathedrale Santa Maria Assunta (dt.: Heilige in den Himmel aufgenommene Maria) in Andria bestattet.

Die Krypta der Kathedrale war ursprünglich eine im 9./10. Jahrhundert errichtete zweischiffige Kirche mit einer Apsis. Dieser Bau wurde dem normannischen Dom als Krypta einverleibt, zu der jetzt vorn im rechten Seitenschiff eine Treppe hinunterführt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts wurde sie als Beinhaus genutzt und deshalb geschlossen, bis man sie 1904 im Hinblick auf einen Apulienbesuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Jahre 1905 wieder freilegte. Seitdem ist immer wieder die Frage erörtert worden, an welcher Stelle sich die Gräber von Jolante und Isabella befinden.

Vorn im rechten Seitenschiff führt eine Treppe in die Krypta. Rechts die Krypta mit Blick Richtung Apsis.

Grundriss der Krypta nach Carl A. Willemsen: Apulien. Kathedralen und Kastelle, Köln 1971, S. 96. Die Lage der beiden Gräber ist gelb markiert, die der Tafeln rot.

Im Westen der Krypta gibt es zwei beleuchtete Bodennischen, in denen sich Knochenkistchen mit den sterblichen Reste der beiden Kaiserinnen befinden sollen. Über dem linken Grab befinden sich zwei Tafeln. In welchem Grab Jolante und in welchem Isabella bestattet ist, ist nicht erläutert.

Auf der linken, kleineren und älteren Tafel steht:

Die sterblichen Überreste
von Jolante von Brienne († 1228)
und von Isabella von England († 1245)
die der erhabene Gemahl Friedrich II. von Schwaben
König von Apulien und Sizilien
nebeneinander beigesetzt haben wollte im treuen Andria
werden entsprechend der Tradition
in dieser Krypta liebevoll aufbewahrt.

P. Cafaro

Laut stupormundi.it öffnete Gino Fornaciari, Professor für Medizingeschichte und Paläopathologie an der Universität von Pisa, die beiden Särge im Jahre 1994, laut anderen Quellen war es 1992 oder 1993. Er fand dort Knochen aus dem 13. Jahrhundert, die von mehr als einem Dutzend Männern und Frauen stammen. Darunter sind zwei Frauen, die in einem Alter verstorben sind, das zu den beiden Kaiserinnen passen würde:

  • Die einzige Frau in dem einen Sarg ist im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren verstorben.
  • Eine der beiden Frauen in dem anderen Sarg ist im Alter zwischen fünfundzwanzig und fünfunddreißig verstorben.

Jolante starb mit sechzehn, Isabella mit siebenundzwanzig. Es könnte also durchaus sein, dass man die sterblichen Überreste der beiden Ehefrauen Friedrichs II. gefunden hat. Als letztliche Bestätigung kann ein derartiges Untersuchungsergebnis selbstredend nicht gewertet werden.

Nichtdestotrotz behauptet die rechte, größere Tafel von 1994, die Untersuchung habe die Identität der Knochenreste bestätigt:

Im Bewusstsein der geschichtlich-religiösen Erfordernisse
der Stadt Andria,
durch die weise Initiative des Diozösanbischofs
Monsignore Raffaele Calabro
und die Zustimmung der Aufseher von Apulien
für Kulturgüter – Geschichte – Archäologie
Roberto di Paola und Giuseppe Andreassi,
konnte dem Wunsch nachgegangen werden,
die menschlichen Überreste der schwäbischen Kaiserinnen
Iolante von Brienne und Isabella von England
aufzuklären und zu untersuchen.
—————————
Professor Gino Fornaciari
Dozent für Anatomie und Pathologische Histologie
an der Universität in Pisa
prüfte - untersuchte - bestätigte.
—————————
Der Rotary-Club "Andria – Schwäbische Burgen"
des Distrikt 2100 "Süditalien"
hat aus Anlass der 800-jährigen Geburtstagsfeier
von Kaiser Friedrich II. von Schwaben
die zwei erhabenen Grablegen restaurieren lassen.
Zu ewigem Andenken und Ehre
wurden hier die sterblichen Reste dieser Adligen
am 11. Juni 1994 wieder beigesetzt.
—————————
Dr. Paquale Mossaro
Ehrenamtlicher Inspektor für Kulturgüter

Kathedrale von Barcelona (Spanien)

Die Katedrale von Barcelona in Katalonien ist der Hl. Eulalia gewidmet. Die Grundsteinlegung der gotischen Kirche war 1298, die Fertigstellung 1448. Der Glockenturm wurde um 1500 hinzugefügt. Die Westfassade wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf Basis von Entwürfen aus dem Jahr 1408 angefügt. Der mittlere Turm wurde 1906 bis 1913 errichtet.

Königin Konstanze war als Ehefrau von König Peter III. Königin von Aragón und Königin von Sizilien. Sie war eine Tochter von König Manfred und eine Enkelin von Kaiser Friedrich II. Über Konstanze lebte das Geschlecht der Staufer im Tochterstamm im Hause Aragón weiter. Sie verbrachte ihr Lebensende als Nonne und wurde 1302 im Kloster San Francisco in Barcelona bestattet. Nach dessen Abriss im Jahre 1835 wurden ihre sterblichen Reste in die Kathedrale von Barcelona verlegt. – Ihr 1285 verstorbener Ehemann Peter III. ist siebzig Kilometer westlich von Barcelona im Zisterzienserkloster Santes Creus bestattet.

Die Steinsarkophage befinden sich links vom Altarraum. Aus der Nähe betrachtet wirken sie mit ihrer Länge von nur einem Meter recht unscheinbar, fast zwergenhaft.

Das Grabmal von Konstanze befindet sich neben der Porta de Sant Iu links vom Altarraum. Laut der Tafel unter den beiden Steinsarkophagen sind hier insgesamt sechs Personen, darunter ein Sohn, eine Schwiegertochter, zwei Urenkel und die Frau eines Urenkels von Konstanze bestattet:

König Peter III. von Aragón der Große
Königin Konstanze von Sizilien († 1302)
    •  König Alfons III. von Aragón der Freie († 1291)
    •  König Jakob II. von Aragón der Gerechte
(3) Königin Maria von Zypern († 1322)
    •  König Alfons IV. von Aragón der Gütige
    •  Prinz Friedrich († 1320)
    •  Prinz Jakob, Graf von Urgell († 1347)
    •  König Peter IV. von Aragón der Zeremoniöse
(4) Königin Sibilla von Fortià († 1406)

Offensichtlich sind die drei Königinnen im rechten und König Alfons III. sowie die beiden Prinzen im linken Steinsarg bestattet. Die beiden neogotischen Steinsarkophage sind jeweils nur einen Meter lang und wirken, wenn man unmittelbar davor steht, fast zwergenhaft – ganz im Gegensatz zu der monumentalen Grablege an der gegenüber liegenden Wand neben dem Portal, das in den Kreuzgang führt.

Dort gegenüber sind Graf Raimund Berengar I. von Barcelona und seine Frau Almonis, die 1058 die romanische Vorgängerkirche gründeten, bestattet. Dieser Graf war über eine Linie von drei weiteren Grafen von Barcelona (Raimund Berengar II., III. und IV.) und drei Königen von Aragón (Alfons II. der Keusche, Peter II. der Katholische und Jakob I. der Eroberer) der Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater von Peter III., dem Ehemann von Konstanze.

Links die Tafel unter den Steinsarkophagen der "Herrscher von Katalonien und Aragón". Vergrößerte Ansicht. – Rechts die wesentlich aufwändiger gestaltete Grabstätte des Grafen Raimund Berengar I. von Barcelona und seiner Frau Almonis.

Kathedrale von Sevilla (Spanien)

Die Kathedrale von Sevilla in Andalusien ist die größte gotische Kirche der Welt. Nach dem Petersdom in Rom (15.160 m²) und der Liebfrauenbasilika in Aparecida/Brasilien (12.000 m²) ist sie mit 11.520 m² die von der Fläche her drittgrößte Kirche der Welt. Sie wurde von 1401 bis 1519 erbaut und gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Capilla Real (dt.: Königliche Kapelle) an der Stirnseite der Kathedrale wurde anstelle von zwei älteren königlichen Grabkapellen in den Jahren 1551 bis 1575 im Stil der Renaissance erbaut und 1773 mit einem Gitter abgeschlossen. In dieser Kapelle ist König Ferdinand III. von Kastilien und León (Mitte) mit seiner deutschen Ehefrau Beatrix von Schwaben (rechts), und seinem Sohn König Alfons X. (links) bestattet.

Die Capilla Real ist von außen an ihrer Apsis erkennbar und befindet sich neben der Giralda, dem früheren Minarett der Hauptmoschee von Sevilla. Diese Moschee wurde nach der christlichen Reconquista (dt.: Rückeroberung) der Stadt im Jahre 1248 als Kirche genutzt, bis sie 1401 abgerissen und mit dem Neubau der heutigen Kathedrale begonnen wurde. Das aus Backstein gemauerte Minarett wurde in Teilen umgearbeitet und dient als Glockenturm. Auf der Turmspitze steht eine Statue mit einer Giralda (dt.: Wetterfahne), die dem Turm seinen Namen gegeben hat.

Die Capilla Real ist mit einem Gitter verschlossen und der einzige Teil der Kirche, der normaler Weise für Besucher nicht zugänglich ist. Das Grabmal von Königin Beatrix, der Tochter des Stauferkönigs Philipp von Schwaben, befindet sich auf der rechten Seite der Kapelle.

Beatrix starb 1235 und wurde zunächst im Kloster Santa María la Real de Las Huelgas bei Burgos bestattet. Ihr Sohn Alfons X. wurde bei der Doppelwahl von 1257 gleichzeitig mit Richard von Cornwall als römisch-deutscher König gewählt, hat Deutschland aber nie betreten und sich stattdessen auf Spanien konzentriert. 1279 überführte er die sterblichen Überreste seiner Mutter nach Sevilla in die dortige als Kathedrale genutzte ehemalige Moschee, wo er 1252 bereits seinen Vater Ferdinand III. bestattet hatte.

1948 wurde das heutige Grabmal von Beatrix – gleichzeitig mit dem gegenüberliegenden Grabmal von Alfons X. – zum 700. Jahrestag der Rückeroberung Sevillas gestaltet. Im unteren Teil ist die Statue der über ihrem Steinsarg mit der Inschrift Beatriz de Suabia (dt.: Beatrix von Schwaben) betenden Königin. Im oberen Teil befindet unter einem Giebel ein Medaillon mit dem Wappen von Kastilien und Leon.

San Juan del Hospital in Valencia (Spanien)

Kaiserin Konstanze von Nicäa-Byzanz wurde in der Kirche San Juan del Hospital zunächst in einer Kapelle rechts vom gotischen Chor bestattet. Im 17. Jahrhundert wurde die Capilla Real de Santa Barbara errichtet, in der ihr Holzsarg bis heute an der Wand angebracht ist. Die Inschrift besagt, dass hier Donna Constanza liegt, die erhabene Kaiserin von Griechenland.

Nach der Eroberung von Valencia durch König Jakob I. von Aragón im Jahre 1238 wurde die Kirche San Juan del Hospital im romanisch-gotischen Stil erbaut.

Kaiserin Konstanze, Ehefrau des Kaisers Johannes III. von Nicäa-Byzanz, wurde nach dem Tod ihres Mannes gegen General Alexios Strategopoulos ausgetauscht, der sich im Gewahrsam ihres Bruders Manfred, seit 1258 König von Sizilien, befand. Nach Manfreds Tod im Jahre 1266 fand sie Zuflucht bei ihrer Nichte Königin Konstanze von Aragón. In Valencia trat sie dem Orden der Hospitalitinnen bei, wo sie 1307 im hohen Alter von 77 Jahren als Nonne starb.

Sie wurde zunächst in einer anlässlich ihres Todes rechts vom Chor erbauten gotischen St.-Barbara-Kapelle beigesetzt. Konstanze hatte dem Kloster als Reliquie einen Teil der Säule gestiftet, an der die heilige Barbara den Märtyrertod erlitten haben soll.

Auf Veranlassung von König Karl II. von Spanien entstand 1686-89 eine neue prunkvolle königliche Barockkapelle namens Capilla Real de Santa Barbara. Hier erhielt Konstanze in einem an der Wand befestigten Holzsarg ihre neue Begräbnisstätte.


Peter Koblank: Staufergräber

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