Staufergräber - Anlagen


VON PETER KOBLANK (2015, 2017)

Kathedrale von Andria (Italien)

Bei der Kathedrale Santa Maria Assunta in Andria erinnert außen nur noch das massige Untergeschoss des Glockenturms an die Frühzeit des normannischen Doms. Die Obergeschosse wurden im 13. und 15. Jahrhundert aufgestockt, Vorhalle und Portikus sind von 1844. – Laut zwei Wandtafeln in der Krypta sind dort zwei Ehefrauen von Friedrich II. bestattet, den die Italiener Federico di Svevia (dt.: Friedrich von Schwaben) nennen.

Jolante von Brienne (manchmal auch Elisabeth oder Isabella genannt) und Isabella von England, zweite und dritte Ehefrau von Kaiser Friedrich II., wurden in der Kathedrale Santa Maria Assunta (dt.: Heilige in den Himmel aufgenommene Maria) in Andria bestattet.

Dies weiß man aus verschiedenen Chroniken der damaligen Zeit:

  • Über Friedrichs zweite Ehefrau Jolante (hier Elisabeth genannt) schrieb ein namentlich unbekannter Chronist in einer vor 1250 entstandenen Chronik von Sizilien:

    Im Jahre der Fleischwerdung 1228, im Monat April der 1. Indiktion gebar Elisabeth, Ehefrau Kaiser Friedrichs, Tochter des Königs Johann, in Andria, einer Stadt in Apulien, am 26. Tag des genannten Monats April einen Sohn, den sie von ihrem Mann Kaiser Friedrich empfing, dem der genannte Kaiser, sein Vater, sofort, als er in Troia, einer Stadt in Apulien, wo er damals war, von seiner Geburt hörte, den Namen Konrad gab. Seine Mutter aber verstarb am 10. Tag, nachdem sie ihn geboren hatte, in ebendieser Stadt.

    Der 1244 verstorbene Chronist Richard von San Germano schrieb zum Jahr 1228:

    Die Kaiserin gebar in Andria einen Sohn mit dem Namen Konrad; nicht viel später starb sie, wie es Gott gefiel.

    Dass Jolante (hier Isabella genannt) in der Kathedrale von Andria beigesetzt wurde, wissen wir von einer aus dem 13. Jahrhundert stammenden in altfranzösischer Sprache verfassten Fortsetzung der Chronik des 1186 verstorbenen Erzbischofs Wilhelm von Tyrus, der auch Kanzler des Königreichs Jerusalem war:

    Kaiserin Isabella, Tochter von König Johann, gebar einen Sohn und starb bei der Geburt. Der Sohn war gesund und wurde Erbe und erhielt den Namen Konrad; und es war in der Erde von Andria, wo sie bestattet wurde, vornehm und ehrenhaft in der Mutter-Kirche der Stadt, so wie es der gebührt, die Kaiserin von Rom und Königin von Jerusalem und Sizilien war.
  • Über Friedrichs dritte Ehefrau Isabella von England wissen wir von dem bereits erwähnten Richard von San Germano aus einem Eintrag zum Jahr 1241:

    Im Monat Dezember starb die Kaiserin in Foggia und wurde in Andria bestattet.

Zur Frage, wo genau in der Kathedrale sich diese Gräber befanden und wie sie ausgestattet waren, schweigen die mittelalterlichen Quellen. Es spricht aber einiges dafür, dass sie seit dem 13. Jahrhundert mehr oder weniger unverändert in der Vorhalle der Krypta liegen.

Die Krypta der Kathedrale war ursprünglich eine im 9./10. Jahrhundert errichtete zweischiffige Kirche mit einer Apsis. Dieser Bau wurde dem normannischen Dom als Krypta einverleibt, zu der jetzt vorn im rechten Seitenschiff eine Treppe hinunterführt. Vermutlich seit Ende des 15. Jahrhunderts wurde sie als Beinhaus genutzt.

Vorn im rechten Seitenschiff führt eine Treppe in die Krypta. Rechts die Krypta mit Blick Richtung Apsis.

Grundriss der sechsundzwanzig Meter langen und knapp sieben Meter breiten Krypta nach Arthur Haseloff (1905), S. 9. Die Lage der beiden Gräber in der Vorhalle der Krypta ist gelb markiert. Über dem südlichen Grab hängen zwei neuzeitliche Wandtafeln.

1904 räumte man im Hinblick auf einen Apulienbesuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Jahre 1905 die Krypta aus und erforschte sie mit den damaligen wissenschaftlichen Mitteln. Auf ihrem Boden stieß man auf drei Gräber. Eines war ohne Steineinfassung in den Boden eingegraben, enthielt zwei Skelette und existiert heute nicht mehr.

Die beiden anderen befinden sich in der Vorhalle, eines davon links vom Eingang in der Südwand. Über der steinernen Einfassung lag eine völlig schmucklose Deckplatte, die bei der Öffnung zerbrach. In dem Grab fand man ein vollständig erhaltenes, aber stark zersetztes Skelett.

Das andere Grabmal befindet sich an der Westwand und war mit Schutt und Gebeinen ausgefüllt, die Deckplatte existierte nicht mehr. Wie sich bei Untersuchungen in den 1990-er Jahren herausstellte, lassen sich diese Gebeine mehr als zehn männlichen sowie zwei weiblichen Individuen zuordnen. Offensichtlich hat man dieses Grab im Laufe der Zeit für sterbliche Reste weiterer Personen genutzt, was nicht unüblich war.

Beide Gräber waren durch keinerlei Inschriften oder Grabbeigaben identifizierbar.

Im Westen der Krypta gibt es zwei beleuchtete Bodengräber, in denen sich Knochenkistchen mit den sterblichen Resten der beiden Kaiserinnen befinden sollen. Über dem südlichen (linken) Grab befinden sich zwei neuzeitliche Wandtafeln. In welchem Grab Jolante und in welchem Isabella bestattet ist, ist nicht erläutert. Falls es tatsächlich die Gräber der beiden Kaiserinnen sind, liegt auf Grund von Untersuchungen in den 1990-er Jahren Jolante im südlichen und Isabella im westlichen.

Über dem südlichen Grab sind zwei neuzeitliche Wandtafeln angebracht. Auf der linken, kleineren und älteren Tafel steht:

Die sterblichen Überreste
von Jolante von Brienne († 1228)
und von Isabella von England († 1245)
die der erhabene Gemahl Friedrich II. von Schwaben
König von Apulien und Sizilien
nebeneinander beigesetzt haben wollte im treuen Andria
werden entsprechend der Tradition
in dieser Krypta liebevoll aufbewahrt.

P. Cafaro

Laut stupormundi.it öffnete Gino Fornaciari, Professor für Medizingeschichte und Paläopathologie an der Universität von Pisa, die beiden Gräber im Jahre 1994, laut anderen Quellen war es 1992 oder 1993. Er stellte fest, dass sich die Knochenreste mehreren Männern und Frauen zuordnen ließen. Darunter sind zwei Frauen, die im selben Alter verstorben sind, wie die beiden Kaiserinnen:

  • Die Frau in dem Grab an der Südwand ist im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren verstorben.
  • Eine der beiden Frauen in dem anderen Grab ist im Alter zwischen fünfundzwanzig und fünfunddreißig verstorben.

Dies würde passen: Jolante starb mit sechzehn, Isabella mit siebenundzwanzig.

Vor diesem Hintergrund behauptet die rechte, größere Wandtafel von 1994, die Untersuchung habe die Identität der Knochenreste bestätigt:

Im Bewusstsein der geschichtlich-religiösen Erfordernisse
der Stadt Andria,
durch die weise Initiative des Diözesanbischofs
Monsignore Raffaele Calabro
und die Zustimmung der Aufseher von Apulien
für Kulturgüter – Geschichte – Archäologie
Roberto di Paola und Giuseppe Andreassi,
konnte dem Wunsch nachgegangen werden,
die menschlichen Überreste der schwäbischen Kaiserinnen
Jolante von Brienne und Isabella von England
aufzuklären und zu untersuchen.
—————————
Professor Gino Fornaciari
Dozent für Anatomie und Pathologische Histologie
an der Universität in Pisa
prüfte - untersuchte - bestätigte.
—————————
Der Rotary-Club "Andria – Schwäbische Burgen"
des Distrikt 2100 "Süditalien"
hat aus Anlass der 800-jährigen Geburtstagsfeier
von Kaiser Friedrich II. von Schwaben
die zwei erhabenen Grablegen restaurieren lassen.
Zu ewigem Andenken und Ehre
wurden hier die sterblichen Reste dieser Adligen
am 11. Juni 1994 wieder beigesetzt.
—————————
Dr. Pasquale Mossaro
Ehrenamtlicher Inspektor für Kulturgüter

Das paläopathologische Gutachten von Gino Fornaciari kann sicherlich nicht als ein alle Zweifel ausschließender Beweis gewertet werden. Es könnte aber durchaus sein, dass man tatsächlich die sterblichen Überreste der beiden Ehefrauen Friedrichs II. gefunden hat.

Dem steht auch die naheliegende Überlegung, dass – insbesondere im Vergleich zu den prachtvollen Normannen- und Staufergräbern in der Kathedrale von Palermo – die beiden einfachen Plattengräber der Kaiserinnen nicht würdig seien, nicht entgegen. In der Stauferzeit wurden auch höchstgestellte Personen in dieser Form bestattet.

  • Ein Beispiel ist das bei den Ausgrabungen im Dom zu Speyer gefundene ursprüngliche Plattengrab von Kaiser Friedrich I. Barbarossas zweiter Ehefrau Beatrix.
  • Auch König Philipp von Schwaben, den sein Neffe, der spätere Kaiser Friedrich II. im Jahre 1213 von Bamberg nach Speyer umbetten ließ, fand man in einem einfachen aus Stein aufgemauerten und mit einer Sandsteinplatte verschlossenen Grab. Siehe auch: Dom zu Speyer (Deutschland).

Auch die Tatsache, dass sich genau zwei gleichartige Gräber an herausragender Stelle in der Krypta der Kathedrale von Andria befinden, spricht im Kontext der historischen Überlieferung und der Untersuchungen der Gebeine in den 1990-er Jahren für die Echtheit der Gräber.

Kathedrale von Barcelona (Spanien)

Die Kathedrale von Barcelona in Katalonien ist der Hl. Eulalia gewidmet. Die Grundsteinlegung der gotischen Kirche war 1298, die Fertigstellung 1448. Der Glockenturm wurde um 1500 hinzugefügt. Die Westfassade wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf Basis von Entwürfen aus dem Jahr 1408 angefügt. Der mittlere Turm wurde 1906 bis 1913 errichtet.

Königin Konstanze war als Ehefrau von König Peter III. Königin von Aragón und Königin von Sizilien. Sie war eine Tochter von König Manfred und eine Enkelin von Kaiser Friedrich II. Über Konstanze lebte das Geschlecht der Staufer im Tochterstamm im Hause Aragón weiter. Sie verbrachte ihr Lebensende als Nonne und wurde 1302 im Kloster San Francisco in Barcelona bestattet. Nach dessen Abriss im Jahre 1835 wurden ihre sterblichen Reste in die Kathedrale von Barcelona verlegt. – Ihr 1285 verstorbener Ehemann Peter III. ist siebzig Kilometer westlich von Barcelona im Zisterzienserkloster Santes Creus bestattet.

Die Steinsarkophage befinden sich links vom Altarraum. Aus der Nähe betrachtet wirken sie mit ihrer Länge von nur einem Meter recht unscheinbar, fast zwergenhaft.

Das Grabmal von Konstanze befindet sich neben der Porta de Sant Iu links vom Altarraum. Laut der Tafel unter den beiden Steinsarkophagen sind hier insgesamt sechs Personen, darunter ein Sohn, eine Schwiegertochter, zwei Urenkel und die Frau eines Urenkels von Konstanze bestattet:

König Peter III. von Aragón der Große
Königin Konstanze von Sizilien († 1302)
    •  König Alfons III. von Aragón der Freie († 1291)
    •  König Jakob II. von Aragón der Gerechte
(3) Königin Maria von Zypern († 1322)
    •  König Alfons IV. von Aragón der Gütige
    •  Prinz Friedrich († 1320)
    •  Prinz Jakob, Graf von Urgell († 1347)
    •  König Peter IV. von Aragón der Zeremoniöse
(4) Königin Sibilla von Fortià († 1406)

Offensichtlich sind die drei Königinnen im rechten und König Alfons III. sowie die beiden Prinzen im linken Steinsarg bestattet. Die beiden neogotischen Steinsarkophage sind jeweils nur einen Meter lang und wirken, wenn man unmittelbar davor steht, fast zwergenhaft – ganz im Gegensatz zu der monumentalen Grablege an der gegenüber liegenden Wand neben dem Portal, das in den Kreuzgang führt.

Dort gegenüber sind Graf Raimund Berengar I. von Barcelona und seine Frau Almonis, die 1058 die romanische Vorgängerkirche gründeten, bestattet. Dieser Graf war über eine Linie von drei weiteren Grafen von Barcelona (Raimund Berengar II., III. und IV.) und drei Königen von Aragón (Alfons II. der Keusche, Peter II. der Katholische und Jakob I. der Eroberer) der Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater von Peter III., dem Ehemann von Konstanze.

Links die Tafel unter den Steinsarkophagen der "Herrscher von Katalonien und Aragón". Vergrößerte Ansicht. – Rechts die wesentlich aufwändiger gestaltete Grabstätte des Grafen Raimund Berengar I. von Barcelona und seiner Frau Almonis.

Kathedrale von Sevilla (Spanien)

Die Kathedrale von Sevilla in Andalusien ist die größte gotische Kirche der Welt. Nach dem Petersdom in Rom (15.160 m²) und der Liebfrauenbasilika in Aparecida/Brasilien (12.000 m²) ist sie mit 11.520 m² die von der Fläche her drittgrößte Kirche der Welt. Sie wurde von 1401 bis 1519 erbaut und gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Capilla Real (dt.: Königliche Kapelle) an der Stirnseite der Kathedrale wurde anstelle von zwei älteren königlichen Grabkapellen in den Jahren 1551 bis 1575 im Stil der Renaissance erbaut und 1773 mit einem Gitter abgeschlossen. In dieser Kapelle ist König Ferdinand III. von Kastilien und León (Mitte) mit seiner deutschen Ehefrau Beatrix von Schwaben (rechts), und seinem Sohn König Alfons X. (links) bestattet.

Die Capilla Real ist von außen an ihrer Apsis erkennbar und befindet sich neben der Giralda, dem früheren Minarett der Hauptmoschee von Sevilla. Diese Moschee wurde nach der christlichen Reconquista (dt.: Rückeroberung) der Stadt im Jahre 1248 als Kirche genutzt, bis sie 1401 abgerissen und mit dem Neubau der heutigen Kathedrale begonnen wurde. Das aus Backstein gemauerte Minarett wurde in Teilen umgearbeitet und dient als Glockenturm. Auf der Turmspitze steht eine Statue mit einer Giralda (dt.: Wetterfahne), die dem Turm seinen Namen gegeben hat.

Die Capilla Real ist mit einem Gitter verschlossen und der einzige Teil der Kirche, der normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist. Das Grabmal von Königin Beatrix, der Tochter des Stauferkönigs Philipp von Schwaben, befindet sich auf der rechten Seite der Kapelle.

Beatrix starb 1235 und wurde zunächst im Kloster Santa María la Real de Las Huelgas bei Burgos bestattet. Ihr Sohn Alfons X. wurde bei der Doppelwahl von 1257 gleichzeitig mit Richard von Cornwall als römisch-deutscher König gewählt, hat Deutschland aber nie betreten und sich stattdessen auf Spanien konzentriert. 1279 überführte er die sterblichen Überreste seiner Mutter nach Sevilla in die dortige als Kathedrale genutzte ehemalige Moschee, wo er 1252 bereits seinen Vater Ferdinand III. bestattet hatte.

1948 wurde das heutige Grabmal von Beatrix – gleichzeitig mit dem gegenüberliegenden Grabmal von Alfons X. – zum 700. Jahrestag der Rückeroberung Sevillas gestaltet. Im unteren Teil ist die Statue der über ihrem Steinsarg mit der Inschrift Beatriz de Suabia (dt.: Beatrix von Schwaben) betenden Königin. Im oberen Teil befindet sich unter einem Giebel ein Medaillon mit dem Wappen von Kastilien und Leon.

San Juan del Hospital in Valencia (Spanien)

Kaiserin Konstanze von Nicäa-Byzanz wurde in der Kirche San Juan del Hospital zunächst in einer Kapelle rechts vom gotischen Chor bestattet. Im 17. Jahrhundert wurde die Capilla Real de Santa Barbara errichtet, in der ihr Holzsarg bis heute an der Wand angebracht ist. Die Inschrift besagt, dass hier Donna Constanza liegt, die erhabene Kaiserin von Griechenland.

Nach der Eroberung von Valencia durch König Jakob I. von Aragón im Jahre 1238 wurde die Kirche San Juan del Hospital im romanisch-gotischen Stil erbaut.

Kaiserin Konstanze, Ehefrau des Kaisers Johannes III. von Nicäa-Byzanz, wurde nach dem Tod ihres Mannes gegen General Alexios Strategopoulos ausgetauscht, der sich im Gewahrsam ihres Bruders Manfred, seit 1258 König von Sizilien, befand. Nach Manfreds Tod im Jahre 1266 fand sie Zuflucht bei ihrer Nichte Königin Konstanze von Aragón. In Valencia trat sie dem Orden der Hospitalitinnen bei, wo sie 1307 im hohen Alter von 77 Jahren als Nonne starb.

Sie wurde zunächst in einer anlässlich ihres Todes rechts vom Chor erbauten gotischen St.-Barbara-Kapelle beigesetzt. Konstanze hatte dem Kloster als Reliquie einen Teil der Säule gestiftet, an der die heilige Barbara den Märtyrertod erlitten haben soll.

Auf Veranlassung von König Karl II. von Spanien entstand 1686-89 eine neue prunkvolle königliche Barockkapelle namens Capilla Real de Santa Barbara. Hier erhielt Konstanze in einem an der Wand befestigten Holzsarg ihre neue Begräbnisstätte.


Peter Koblank: Staufergräber

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