Königstein

Stauferstele für die Burg geplant

Große Sause zum 700. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte, stark gebremster Schaum zum 800. Jahrestag der Ersterwähnung – mit dieser Vorgabe waren die Verantwortlichen der Kurstadt 2013 angetreten und daran wird sich 2015 auch nichts ändern.


VON STEFAN JUNG

Zwar wolle und werde man das neuerliche Jubiläum nicht gänzlich unter den Tisch fallen lassen, betont Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) gegenüber der TZ. Vergleichbare Events wie es sie vor zwei Jahren zur 700-Jahr-Feier gegeben hat, werde es im 800. Jahr nach der Ersterwähnung aber nicht geben. Das könne sich Königstein schon allein aus Kostengründen nicht leisten.

Und das nach Abschluss der jüngsten Haushaltsberatungen sogar noch umso weniger, als dort auch der ohnedies überschaubare Haushaltsposten für das Jubiläumsjahr 2015 ersatzlos herausgestrichen wurde. Die Stadt muss sparen. Das weiß auch der Königsteiner Rathauschef nur zu gut. Dennoch hofft er, doch noch etwas Geld zusammenkratzen zu können, um die Ersterwähnung der Kurstadt zumindest ein wenig zu würdigen.

Eine Würdigung soll im kommenden Jahr auf jeden Fall der Königsteiner Burg zuteil werden. Nach Auskunft von Bürgermeister Helm will das "Komitee der Stauferfreunde" voraussichtlich im Frühherbst 2015 eine sogenannte "Stauferstele" auf der Festungsruine aufstellen. Diese in Form eines Oktogons gehaltene Stele soll die Burg als eine der herausragenden Stauferstätten Europas ausweisen und sie in eine Reihe von derzeit 28 Burgen und Klöstern einbinden, die an das Wirken und Herrschen der Staufer erinnern.

Ein Ansinnen, das von Rolf Krönke und anderen Wahrern der Königsteiner Stadtgeschichte sicher interessiert, aber auch durchaus kritisch begleitet wird. Krönke: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Königsteiner Burg auf gar keinen Fall eine staufische Gründung ist." Zwar sei die Burg als Teil des Königsgutes unter der Obhut eines staufischen Ministerialen aus- und umgebaut worden. Ihre ältesten und bis heute erhaltenen Bauelemente reichten jedoch bis ins 10. und 11. Jahrhundert zurück. "Das muss bei der Textfassung für die Stele schon sehr genau auseinandergehalten werden", unterstreicht der Stadthistoriker.

Quelle: Taunus Zeitung 30. Dezember 2014



Im Zeichen des Achtecks

Königstein hat ab sofort seinen festen Platz im paneuropäischen Netzwerk der sogenannten "Stauferstelen". Die Aufnahme in den Reigen vormaliger Staufer-Burgen und die Einweihung der dazugehörigen Säule aus Travertin wurde am Sonntagnachmittag gefeiert.


VON STEFAN JUNG

Nein, die Königsteiner Burg ist keine Staufer-Festung – zumindest nicht im eigentlichen Sinne des Wortes. Als Konrad III. als erster aus dem einstigen schwäbischen Grafengeschlecht 1138 zum römisch-deutschen König gekrönt wurde, stand hoch über Königstein schon eine wie auch immer geartete Festungsanlage. Darauf weisen die ortsansässigen Heimathistoriker mit Nachdruck und Recht hin.

Dennoch steht die am Sonntagnachmittag feierlich eingeweihte Stauferstele mit einiger Berechtigung an der Südseite der Kernburg. Schließlich verdankt dieser Teil der Festung, den die Fachleute heute noch als mittelalterlichen Nukleus ausmachen, sein Aussehen nicht zuletzt jenen Umbaumaßnahmen, die zu Zeiten der Staufer in Angriff genommen wurden.

Waren es damals ganz realpolitische strategische Motive, die das Interesse der Staufer und ihrer Gefolgsleute an der Königsteiner Burg weckten, so waren es jetzt – über 800 Jahre später – vornehmlich ideelle Beweggründe, die eine große Zahl schwäbischer "Stauferfreunde" in den Taunus führte.

Angeführt von ihrem "spiritus rector" Dr. Gerhard Raff feierten sie dort mit vielen Vertretern der heimischen Politik und Verantwortlichen der Königsteiner Vereine die Enthüllung der imposanten achteckigen Säule, die der Bildhauer Markus Wolf aus Jura-Travertin geschlagen hat.

Sie ist die 31. ihrer Art, bildet gewissermaßen eine weitere steinerne Perle in einer langen Kette, die vor 15 Jahren in Fiorentino – am Sterbeort Friedrichs II. – begonnen wurde und sich mittlerweile von Italien über das Elsass und Tschechien bis in die deutschen Stammlande der Staufer hineinzieht.

Warum ausgerechnet ein steinernes "Achteck" zum Sinnbild der Staufer-Herrschaft auserkoren wurde? Die Antwort darauf lieferte Bundestagsabgeordneter Professor Dr. Heinz Riesenhuber (CDU) in seiner Festrede. Der frühere Bundesforschungsminister erinnerte daran, dass das Achteck (Oktogon) seit altersher als Sinnbild der ins Transzendentale reichenden Perfektion galt. Nicht ohne Grund, glaubte man im Mittelalter daran, dass das himmlische Jerusalem auf einem oktogonalen Grundrisse fuße.

Das Staunen der Welt

Das im Auftrag Friedrichs II. in Apulien errichtete Castel del Monte, so Riesenhuber, trage dieser Zahlensymbolik wie kaum ein anderes Bauwerk Rechnung, sei es doch nicht nur als Achteck errichtet, sondern verfüge zudem in jeder der acht Ecken noch einmal über einen achteckigen Turm. Ein gemauerter Machtanspruch des Staufers, den einige seiner Zeitgenossen ehrfürchtig als "Staunen der Welt" bezeichneten, und der in vielem seiner Zeit voraus zu sein schien. Riesenhuber: "Sein Hof war eine Drehscheibe, an der sich die Kulturen begegneten und sich gegenseitig befruchteten." Friedrich förderte die Naturwissenschaften, suchten den Austausch mit den Muslimen und baute eine funktionierende Verwaltung auf.

Ob er im modernen Sinne ein echter Europäer gewesen sei – da streiten sich die Gelehrten. Dass er eine große "Vielfalt an Innovationen" angestoßen habe, so der Festredner, sei unbestritten.

Unstrittig war für Dr. Jutta Kempf-Mack, die leider im vergangenen Jahr verstorbene Stifterin der 31. Staufer-Stele, dass Königstein der perfekte Platz für "ihre" Stele sein würde. Als Nichte des im benachbarten Schloßborn geborenen späteren Limburger Bischofs Wilhelm Kempf habe seiner Frau der Taunus immer besonders am Herzen gelegen, ließ Roland Mack am Sonntag seine Zuhörer wissen. Dass sie die Einweihung der Stele nicht mehr miterleben könne und er für sie die Worte zur Einweihung zu sprechen habe, erfülle ihn einerseits mit Trauer. Andererseits spreche er an ihrer statt doch in dem guten Gefühl, dass sie an diesem Tag "dabei" sei.

Indem der Name seiner Frau einen Platz auf der Stele gefunden habe, erlange sie "in memorian" ein Stück der Unsterblichkeit, die die Staufer bis heute umgebe.

Quelle: Taunus Zeitung 15. September 2015