BAMBERG 2015

Im Bamberger Dom ist der Stauferkönig Konrad III. bestattet, in der Alten Hofhaltung rechts daneben wurde der Stauferkönig Philipp von Schwaben ermordet. Die Stauferstele steht jedoch nicht auf dem Domplatz, der hier als 90°-Panorama fotografiert ist, sondern etwa zweihundert Meter weiter oberhalb auf einer Grünfläche in der Oberen Karolinenstraße 8.

Inschriften der 30. Stauferstele

Wappen des Reichs

KONRAD III.
ENKEL VON KAISER
HEINRICH IV.
ERSTER KÖNIG
AUS DEM HAUSE
HOHENSTAUFEN
GESTORBEN IN BAMBERG
AM 15. FEBRUAR 1152
BEIGESETZT IM DOM
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DESIGNIERT
AUF DEM STERBEBETT
STATT SEINES NOCH
UNMÜNDIGEN SOHNES
FRIEDRICH
VON ROTHENBURG
SEINEN NEFFEN
FRIEDRICH BARBAROSSA
ZUM THRONFOLGER



Wappen von Bamberg

HEINRICH VI.
ÄLTESTER SOHN
VON KAISER
FRIEDRICH BARBAROSSA
WIRD IN BAMBERG
AN PFINGSTEN 1169
ZUM KÖNIG GEWÄHLT
—————————————
DIE STAUFERIN
BEATRIX
NICHTE VON
KAISER HEINRICH VI.
UND KÖNIG PHILIPP
VON SCHWABEN
HEIRATET HERZOG
OTTO VON
ANDECHS-MERANIEN
DEN BRUDER VON
BISCHOF EKBERT
AM 21. JUNI 1208



Wappen des Herzogtums Schwaben

PHILIPP
VON SCHWABEN
SOHN VON KAISER
FRIEDRICH BARBAROSSA
DEUTSCHER KÖNIG
ERMORDET IN DER
ALTEN HOFHALTUNG
VON PFALZGRAF OTTO
VON WITTELSBACH
AM 21. JUNI 1208
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WIE EIN GLÄNZENDER
STERN VOM HIMMEL
SINKT SO BIST DU
EDLER SPROSS
PERLE UNTER DEN
KÖNIGEN GEFALLEN
UNTERGEGANGEN
IST DIE SONNE
UND DIE NACHT
HAT DEN SIEG
BEHALTEN
MÖNCH GALLUS
VON SALEM



Wappen des Bistums Bamberg

EBERHARD II.
BISCHOF VON
BAMBERG
1146 - 1170
RATGEBER VON
KÖNIG KONRAD III.
UND KAISER
FRIEDRICH BARBAROSSA
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EKBERT
BISCHOF VON
BAMBERG
1203 - 1237
BRUDER DER
HEILIGEN HEDWIG
VON SCHLESIEN
OHEIM DER
HEILIGEN ELISABETH
VON THÜRINGEN
BAUHERR DES
BAMBERGER DOMS
RATGEBER VON
KAISER FRIEDRICH II.
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HARTMUT ET ELFRIEDE HUEBLER DEDERUNT
MARKUS WOLF FECIT MMXV

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Die Stauferstele befindet sich auf einer Grünfläche vor dem ehemaligen Langheimer Hof in der Oberen Karolinenstraße 8, wo sie nur von den wenigsten Bamberg-Besuchern wahrgenommen werden dürfte. Das Gebäude gehörte früher dem Zisterzienserkloster Langheim in Klosterlangheim, einem Stadtteil von Lichtenfels in Oberfranken im Erzbistum Bamberg. Es diente als Absteigequartier der Prälaten und Geistlichen. Den heutigen Bau, der mit den Staufern in keinerlei Zusammenhang steht, ließ der Langheimer Abt Peter II. Schönfelder um 1610 errichten.

Kaiser Heinrich II. gründete 1007 das Bistum Bamberg und ließ den ersten Dom errichten, der aber 1185 abbrannte und im 13. Jahrhundert durch den heutigen Bau ersetzt wurde. Bamberg hat vielfältige und bedeutende Bezüge zu den Staufern. Die Altstadt ist der größte unversehrt erhaltene historische Stadtkern in Deutschland und seit 1993 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO eingetragen.

Sarkophag von Konrad III.

Konrad III., der erste König aus dem Hause der Staufer, starb am 15. Februar 1152 in Bamberg an einer Malaria tertina,1 die er sich bei seinem Kreuzzug zugezogen hatte. Dem zeitgenössischen Geschichtsschreiber Bischof Otto von Freising zufolge war es sein Wunsch, im Kloster Lorch neben seinem Vater bestattet zu werden. Die Mönche des Zisterzienserklosters Ebrach hingegen behaupteten, Konrad habe seine letzte Ruhestätte bei ihnen neben seiner Gemahlin Gertrud haben wollen. Doch die Bamberger Geistlichkeit setzte Konrad drei Tage nach seinem Tod im Bamberger Dom an der Seite des 1146 heiliggesprochenen Kaiser Heinrich II. bei. 1513 musste Konrads Grab dem Kaisergrab Tilman Riemenschneiders weichen. 1845 veranlasste König Ludwig I. von Bayern die Umbettung des Staufers in einen neuromanischen Sarkophag, der sich in der Krypta der Ostkirche befindet.2

Heinrich VI., zweitältester Sohn und Nachfolger des Stauferkaisers Friedrich I. Barbarossa, wurde an Pfingsten 1169 in Bamberg als Dreieinhalbjähriger zum König gewählt.

Der Stauferkönig Philipp von Schwaben war am 21. Juni 1208 in Bamberg, um an der Hochzeit seiner Nichte Beatrix von Burgund mit Herzog Otto VII. von Meranien teilzunehmen. Nach der Vermählung zog er sich in das Privatgemach zurück, das ihm in der Alten Hofhaltung zur Verfügung gestellt worden war. Dort wurde er am Nachmittag von Otto VIII. von Wittelsbach ermordet. 1203 hatte Philipp seine dritte Tochter Kunigunde mit dem Wittelsbacher verlobt, um diesen im Kampf gegen den Landgrafen Hermann I. von Thüringen an sich zu binden. Philipp hielt sich jedoch nicht an dieses Heiratsversprechen und verlobte Kunigunde im Jahre 1207 mit dem zweijährigen Wenzel, dem Sohn König Ottokars I. von Böhmen, um dessen dauerhafte Unterstützung zu gewinnen. Für den Wittelsbacher war dies eine Ehrverletzung, auf die er entsprechend reagierte. Nach herrschender Meinung wurde dieser erste Königsmord seit der Merowingerzeit aus diesen persönlichen Gründen verübt. – Philipp wurde zunächst in Bamberg bestattet. 1213 ließ der spätere Kaiser Friedrich II. seine Gebeine nach Speyer überführen.

Blick vom Bergfried der Altenburg aus südwestlicher Richtung auf den Domhügel. Ganz links das weiße, teilweise von Bäumen verdeckte barocke Erzbischöfliche Palais, in dessen Nähe die Stauferstele steht.

Der heutige Bamberger Dom wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der Regierungszeit des Stauferkaisers Friedrich II. im spätromanischen und frühgotischen Stil erbaut. Das Fürstenportal an der Nordseite diente als prunkvoller Eingang bei feierlichen Anlässen. Im romanischen Tympanon ist das Jüngste Gericht dargestellt. Darunter stehen die zwölf Apostel des Neuen Testaments auf den Schultern von Propheten des Alten Testaments. Außen stehen links die Ecclesia auf den vier Evangelistensymbolen und rechts mit verbundenen Augen die Synagoge auf einem nackten Teufel, der einem Juden von oben her das rechte Auge der Erkenntnis Gottes auskratzt. Zwischen Ecclesia und Tympanon sieht man den Posaunenengel und Abrahams Schoß.

Der Bamberger Reiter gehört zu den kulturellen Höhepunkten der Stauferzeit und ist das älteste Reiterstandbild auf deutschem Boden. Er steht zwischen dem nördlichen Seitenschiff und dem Mittelschiff an der Front des linken Eingangspfeilers des Ostchores. Je nach Interpretation handelt es sich um Der Bamberger Reiter zierte die Hundert-Mark-Banknote von 1920 und eine deutsche Zwei-Euro-Dauermarke im Jahre 2003.

Erläuterung der Inschriften

Blick aus dem Wohnzimmer von Domkapitular i.R. Prälat Hans Wich im ehemaligen Langheimer Hof auf die Stauferstele. Rechts das barocke Erzbischöfliche Palais, im Hintergrund die Osttürme des Bamberger Doms.

Das Recht, seinen Nachfolger zu bestimmen, hatte der König nicht.
Reichsadler. König Konrad III. starb 1152 in Bamberg, wo sich, wie oben ausführlich beschrieben, noch heute seine letzte Ruhestätte befindet. Die auf der Stele formulierte Vorstellung, sein Neffe Friedrich sei deshalb sein Thronfolger geworden, weil Konrad ihn als Amtsnachfolger bestimmt ("designiert") habe, gilt inzwischen aus zweierlei Gründen als überholt: Dass Konrads III. Sohn Friedrich im Jahre 1152 erst sechs Jahre alt war, wäre seiner Wahl zum Mitkönig nicht entgegengestanden, wenn Konrad III. nicht unerwartet gestorben wäre. Otto II. war bei seiner Erhebung nicht mehr als sechs Jahre alt, Otto III. drei, Heinrich III. neun, Heinrich IV. drei, Heinrich (VI.) zehn, Heinrich VI. noch keine vier, Heinrich (VII.) neun und Konrad IV. acht. Allerdings sind all diese Kinder zu Lebzeiten ihrer Väter zum Mitkönig gewählt worden. Bei einer Thronvakanz kam es hingegen nie zu einer Wahl eines Kindes und der verstorbene König konnte auch niemals seinen Nachfolger bestimmen.5

Bamberg. Das Wappen von Bamberg zeigt den heiligen Georg als Ritter, zu erkennen an dem Georgskreuz auf Brust und Fahne. – Durch die Wahl seines erst dreieinhalbjährigen Sohnes Heinrich VI. zum König wollte Friedrich I. Barbarossa rechtzeitig seine Nachfolge sichern. Sein Vorgänger Konrad III. hatte ähnlich gehandelt, allerdings starb dessen erster Sohn und Mitkönig Heinrich (VI.) im Jahre 1150 im Alter von erst dreizehn Jahren. Konrad gelang es danach nicht mehr, die Fürsten rechtzeitig dazu zu bringen, seinen zweiten Sohn Friedrich zum Nachfolger zu wählen, was Friedrich I. Barbarossa 1152 die Kandidatur ermöglichte.

Richtig ist: Zweitältester.
Heinrich VI. war nicht, wie auf der Stele steht, der älteste Sohn, sondern der zweite Sohn von insgesamt elf Kindern aus der Ehe Friedrich Barbarossas mit Beatrix von Burgund. Sein ein Jahr älterer Bruder Friedrich, der von Geburt an kränkelte, starb noch im Kindesalter. Übrigens wurde Heinrichs jüngerer Bruder Konrad nach dem Tod des Erstgeborenen in Friedrich umbenannt, um diesen Leitnamen der Familie zu erhalten.6

Beatrix von Burgund war eine Enkelin von Friedrich Barbarossa und Erbin der Pfalzgrafschaft Burgund. Sie heiratete am 21. Juni 1208 in Bamberg Herzog Otto VII. von Meranien aus dem Hause der Andechser. Damit kam es zu einer ehelichen Verbindung der Staufer mit dem Haus Andechs. Otto war ein Bruder des Bamberger Bischofs Ekbert, der auf der gegenüberliegenden Seite der Stele genannt wird. Am Tag dieser Hochzeit wurde Philipp von Schwabens durch Otto VIII. von Wittelsbach ermordet.

Stauferlöwen. König Philipp von Schwaben wurde, wie oben ausführlich beschrieben, am 21. Juni 1208 in Bamberg ermordet. – Der Mönch Johannes Gallus war ein deutscher Theologe und Dichter, der im 16. Jahrhundert lebte. Seine Verse künden von tiefer Trauer über den Tod Philipps. Ein Teil dieses Zitats findet sich auch auf der Stauferstele Lorch.

Bistum Bamberg. Der Löwe im Wappen des Bistums Bamberg wird von einer silbernen Schrägleiste überdeckt. – Bischof Eberhard II. war ein treuer Gefolgsmann der Staufer. Unter Konrad III. plante er 1147 den Zweiten Kreuzzug mit. Für seine maßgebliche Unterstützung der Wahl von Friedrich I. Barbarossa erhielt das Bistum Bamberg die Reichsabtei Niederaltaich bei Deggendorf als Lehen. Der Bischof begleitete Barbarossa unter anderem nach Rom, in die Lombardei und war bei der Belagerung Mailands dabei. Als er den Kaiser bei der Ernennung des Gegenpapstes Viktor IV. unterstützte, trug ihm dies den Kirchenbann ein.

Richtig ist: 1203-1237. Die falsche Ziffer wurde 2016 in eine 3 nachgebessert.
Ekbert von Andechs-Meranien war nicht ab 1209 Bischof von Bamberg, wie ursprünglich auf der Stele stand, sondern bereits seit 1203.7 Als König Philipp 1208 in Ekberts Palast in Bamberg ermordet wurde, fiel auf den Bischof der Verdacht der Mitwisserschaft. Er verfiel der Reichsacht und flüchtete zu seinem Schwager König Andreas von Ungarn. Durch Vermittlung des Papstes wurde er rehabilitiert und 1211 wieder eingesetzt.7 Der unter Kaiser Heinrich II. errichtete Vorgängerbau des heutigen Bamberger Doms wurde im Jahr 1185 durch ein Großfeuer zerstört. 1215 begann Bischof Ekbert mit einem Neubau. Dieser zweite, größere heutige Dom wurde 1237 geweiht. – Ekbert war Parteigänger von Kaiser Friedrich II. und wurde 1237 dessen Statthalter für Österreich und Steiermark, starb aber noch im selben Jahr in Wien.

Hedwig von Andechs († 1243) war Herzogin von Schlesien. Sie wird ebenso wie Landgräfin Elisabeth von Thüringen († 1231) in der katholischen Kirche als Heilige verehrt.

Auf dem Sockel werden die Stifter genannt, die die Stele gaben (lat.: dederunt), darunter der Bildhauer Markus Wolf, der die Stele 2015 machte (lat.: fecit).

Am 30. Juni 2016 hat der Bildhauer die falsche Jahreszahl korrigiert. Dies war die zweite Beseitigung eines Erratums. Leider lässt sich aus einer '9' nicht so elegant eine '3' machen, wie es bei Heilbronn bei der Umarbeitung in eine '8' der Fall war. Fotos: Roland Mack.

1.  Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biografie. München 2011, S. 91.
2.  Staufergräber. Nur wenige der prominentesten Staufer sind in Deutschland bestattet.
3.  Görich S. 97.
4.  Görich S. 95.
5.  Jan Paul Niederkorn: Friedrich von Rothenburg und die Königswahl von 1152. In: Sönke Lorenz / Ulrich Schmidt (Hrsg.):Von Schwaben bis Jerusalem, Sigmaringen 1995, S. 51-59, hier: S. 56, 58-59.
6.  Görich S. 258. – Diesen Fehler entdeckte Gudrun Haspel aus Lorch bei einem Besuch in Bamberg.
7.  Rudolf M. Kloos: Ekbert von Andechs-Meranien. In: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 427 f. – Diesen Fehler entdeckte Karl-Heinz Fuchs vom Freundeskreis zum Gedenken von Königin Irene Maria von Byzanz e.V. in Göppingen.

Bei der Einweihung von links nach rechts: Edgar Sitzmann (Bezirkstagspräsident i.R.), Joachim Herrmann (Bayerischer Innenminister) und Dr. Christian Lange (Zweiter Bürgermeister der Stadt Bamberg).

Stifter der Stauferstele

Hartmut und Elfriede Hübler

Einweihung: 13. Juni 2015


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