Ettlingen 2017

Aus einer von Kaiser Friedrich II. im November 1234 im apulischen Apricena für Markgraf Hermann V. von Baden ausgestellten Urkunde lässt sich ableiten, dass Ettlingen spätestens 1220 eine civitas war und demgemäß irgendwann vor diesem Zeitpunkt das Stadtrecht erhalten haben muss. Dort steht, dass die Stadt Ettlingen dem Markgrafen zum Lehen gegeben wurde (in feodo sibi dedisse civitate Ettenigen). – Die Stauferstele wird Ende April 2017 auf dem Kurt-Müller-Graf-Platz (früher Kutschenplatz) östlich des Schlosses aufgestellt werden. – Am Sonntag, 30. April 2017, findet um 11:30 Uhr im Schloss Ettlingen im Asamsaal die Einweihungsfeier statt.

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Der weiße Zinnenturm im Wappen von Ettlingen verweist auf das Kloster Weißenburg im Elsass. Der badische rote Schrägbalken zeugt von der Zugehörigkeit zur Markgrafschaft Baden.

Ettlingen ist nach Bruchsal die zweitgrößte Stadt des Landkreises Karlsruhe in Baden-Württemberg. Es war schon in römischer Zeit ein wichtiger Straßenkreuzungspunkt und wurde auf Grund der Endung "ingen" wahrscheinlich im 4./5. Jahrhundert von Alemannen besiedelt. Erstmals urkundlich erwähnt wird Siedlung, als ein Mann namens Amalbert im Jahre 787 oder 788 dem elsässischen Kloster Weißenburg drei Orte schenkte, zu denen auch Ediningom gehörte.1

Marktrecht spätestens 973

Einem unter Abt Edelin Ende des 13. Jahrhunderts angefertigten Güterverzeichnis des Klosters Weißenburg ist zu entnehmen, dass Kaiser Otto I. dem Kloster für Etiningen das Marktrecht verliehen hat. In diesem sogenannten Codex Edelini steht leider nicht, wann genau dies geschah.2 Daher kann man nur sagen, dass es spätestens im Jahre 973, dem Todesjahr Ottos geschehen sein muss.

Stadterhebung spätestens 1220

Markgraf Hermann V. von Baden, von dem man zwar nicht das Geburtsjahr, aber den genauen Todestag am 16. Januar 1243 kennt, unterstützte den Stauferkönig Philipp von Schwaben im Kampf mit dessen Gegenkönig Otto IV.

Nach der Ermordung Philipps im Jahre 1208 ging er auf die Seite Ottos über. Ab 1214 half er wiederum Friedrich II. im Ringen mit dem inzwischen zum Kaiser gekrönten Otto.

Aus einer Urkunde, die Kaiser Friedrich II. im Jahre 1234 in Apulien ausgestellt hat, geht hervor, dass er olim (einst) bei seinem Aufenthalt in Deutschland dem Markgraf Hermann V. von Baden die Stadt Ettlingen zum Lehen gegeben hatte.3

Gleichzeitig überließ er damals dem Markgrafen die drei Städte Eppingen, Sinsheim und Lauffen als Pfandgut für die Summe von 2300 Mark Silber.

Da laut dieser Urkunde damals auch ein Tausch von Durlach gegen Besitz in Braunschweig erfolgte, könnte es sein, dass dieses olim sich auf einen Hoftag in Goslar im Jahre 1219 bezieht. Damals unterwarf sich Heinrich von Braunschweig, Sohn von Heinrich dem Löwen und Schwiegervater des Markgrafen, dem König.

Aus dieser Urkunde geht hervor, dass die fünf Siedlungen, also auch Ettlingen, zum Zeitpunkt der Übergabe an den Markgrafen bereits Städte (civitates) waren.

Wann sie von den Staufern zur Stadt erhoben worden waren, ist nur von Sinsheim bekannt, für das es eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Abschrift einer Urkunde gibt, mit der Heinrich VI. in Hagenau am 29. Februar 1192 Sinsheim das Stadtrecht verliehen hat.4 Bei den anderen vier Städten muss es irgendein Zeitpunkt vor 1220 gewesen sein, denn in diesem Jahr beendete Friedrich II. seinen Deutschlandaufenthalt und ging nach Italien, wo er zum Kaiser gekrönt wurde und sich bis 1235 aufhielt.

Konflikt zwischen Hermann V. und König Heinrich (VII.)

Anlass dieser in Italien ausgestellten Urkunde war Friedrichs Sohn König Heinrich (VII.), der inzwischen volljährig war und die Regierungsgeschäfte in Deutschland an sich gezogen hatte. Heinrich war bestrebt, seine Hausmacht und die des Reiches durch Besitzerweiterungen, unter anderem auch durch Städte, zu stärken. In Heilbronn gelang ihm dies, wovon auf der Stauferstele Heilbronn berichtet wird.

Heinrich (VII.) wandte sich unter anderem auch gegen Markgraf Hermann V. von Baden und verlangte von ihm, die drei für 2300 Mark Silber verpfändeten Städte Eppingen, Sinsheim und Lauffen für nur 1300 Mark zurückzugeben. Im Falle Ettlingens hatte er die Möglichkeit, das Lehen zurücknehmen. Er verlangte die Herausgabe der Urkunde, mit der sein Vater die fünf Städte an den Markgrafen übertragen hatte, und ließ sich Hermanns ältesten Sohn als Geisel ausliefern.

Auf diese Weise trieb der König den Badener in die Reihen seiner zahlreichen Gegner. Markgraf Hermann reiste heimlich über die Alpen zu Friedrich, um ihn über dessen Sohn zu unterrichten und ihn zu bitten, nach Deutschland zu kommen und wieder Ordnung herzustellen. Er traf ihn in Apulien in Apricena, einem Ort knapp dreißig Kilometer nördlich von Foggia.

Friedrich II. kam tatsächlich im folgenden Jahr nach Deutschland, setzte seinen Sohn ab und ließ ihn bis zu dessen Tod in verschiedenen Burgen gefangen halten.

Treppenwitz der Geschichte

Der Erfolg von Markgraf Hermann V. bedeutetete für die Ettlinger, dass sie die Bürger einer badischen Stadt und damit während der nächsten fünfeinhalb Jahrhunderte Leibeigene des Markgrafen waren.5

Hätte König Heinrich (VII.) sich durchgesetzt, wäre dies wie im Falle von Heilbronn eine Chance gewesen, eine Reichsstadt mit mehr Autonomie und Freiheit zu werden.

Bereits vorab widerrief er die Maßnahmen seines Sohnes gegen den Badener Markgrafen und verordnete in der Urkunde vom November 1234, dass seine damaligen Verfügungen in Kraft bleiben und die drei genannten Städte auch künftig um 2300 Mark verpfändet sein sollten.

Hermann blieb auf der Seite der Gegner von König Heinrich (VII.), weshalb Backnang, wo sich damals die Grablege der Badener befand, im Jahre 1235 durch Heinrich von Neuffen, einen Anhänger des Königs, zerstört wurde.

Rudolf I. Staufergegner bis zu deren Untergang

Markgraf Hermann V. hatte einen Sohn namens Markgraf Rudolf I. von Baden, der um 1230 geboren wurde und am 19. November 1288 verstarb.

Rudolf stand ab 1246 bis zum Untergang der Staufer im Jahre 1268 auf der Seite der Staufergegner. Nach der Niederlage des Stauferkönigs Konrad IV., dem Bruder und Nachfolger von Heinrich (VII.), bei der Schlacht bei Frankfurt im Jahre 1246 trat der Markgraf auf die Seite des Gegenkönigs Heinrich Raspe über.6 Später war Rudolf ein Anhänger von Richard von Cornwall, der ihm auch 1258 für die Stadt Steinbach das Marktrecht verlieh.

Möglicherweise hat Rudolf um 1250 in Ettlingen die Burganlage erbaut, die später zum heutigen Schloss ausgebaut wurde. Ein staufischer Vorgängerbau dieser Burg ist plausibel, hat sich aber bisher nicht nachweisen lassen.

Von der Burg zum Schloss

Nach der Teilung der Markgrafschaft in die Linien Baden-Baden und Baden-Durlach im Jahre 1535 gehörte Ettlingen zum katholischen Baden-Baden. Im 16. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut, das 1689 von den Franzosen zerstört wurde.

Markgräfin Augusta Sibylla ließ ab 1727 das zerstörte Schloss als ihren Witwensitz ausbauen. Die drei Flügel des Renaissancebaus wurden wiederhergestellt, barockisiert und mit einem neuen Ostflügel und der Schlosskapelle zu einer geschlossenen vierflügeligen Schlossanlage ergänzt. Der alte Bergfried mit seinem rötlichen Mauerwerk blieb weiterhin in das Schloss integriert, aber um zwei Geschosse verkürzt.

Im Innenhof des Barockschlosses stehen noch die unteren Stockwerke des ursprünglich wohl dreißig Meter hohen Bergfrieds mit rötlichen Mauerwerk aus der Stauferzeit. Davor steht der Delphinbrunnen, 1617 im Renaissancestil ausgeführt. Rechts vom Bergfried die barocke Scheinarchitektur des Südflügels. Links vom Bergfried geht es durch das Osttor zum Kurt-Müller-Graf-Platz, auf dem wenige Meter entfernt die Stauferstele stehen wird.


1.  Johann Kaspar Zeuss (Hrsg.): Traditiones possessionesque Wizenburgenses: codices duo cum supplementis, Speyer 1842, S. 44, Nr. 42. In dieser Carta Amalberti, einer späteren Abschrift der ursprünglichen Urkunde, ist Amalberts Schenkung an das Kloster Weißenburg auf das zwanzigste Regierungsjahr von Karl dem Großen datiert und fällt somit in das Jahr zwischen Oktober 787 und September 788. Auf der Abbildung dieser Abschrift steht auf der rechten Seite am Anfang der sechsten Zeile in ediningom.
Zur Identifizierung von ediningom mit Ettlingen siehe Rudolf M. Kloos: Die Weißenburger Überlieferung zum Ort Ettlingen. Auszüge aus einem Gutachten. In: Arnold Tschira und Rüdiger Stenzel: Das mittelalterliche Ettlingen. 7.-14. Jahrhundert, Karlsruhe 1968, S. 115-118.
2.  Johann Kaspar Zeuss (Hrsg.): Traditiones possessionesque Wizenburgenses: codices duo cum supplementis, Speyer 1842, S. 301, Nr. 298. Auf diese Quelle hat uns der Historiker Klaus Graf hingewiesen. – Dieser sogenannte Codex Edilini nennt kein Datum für diese Marktrechtsverleihung, sodass sie irgendwann in die Regierungszeit Ottos des Großen zwischen 936 und 973 fällt. Siehe auch: Postfaktisches aus Ettlingen. Die Datierungen der Markt- und Stadtrechtsverleihung sind frei erfunden.
3.  Das Original dieser mit einer verloren gegangenen Goldbulle besiegelten Urkunde befindet sich im Generallandesarchiv Karlsruhe unter der Signatur D Nr. 31.
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Urkundentext im Württembergischen Urkundenbuch Band III., Nr. 855, S. 353 PDF 179 KB.
4.  Regesta imperii, Bd.: 4,3,[1], Ältere Staufer; 3, Die Regesten des Kaiserreiches unter Heinrich VI. 1165 (1190) - 1197, Wien/Köln/Weimar 1972, Nr. 207. Siehe auch: Postfaktisches aus Ettlingen. Die Datierungen der Markt- und Stadtrechtsverleihung sind frei erfunden.
5.  Am 23. Juli 1783 schaffte der 1806 von Napoleon zum Großherzog beförderte Karl Friedrich die Leibeigenschaft in der 1771 nach Aussterben der Baden-Badener Linie wiedervereinigten Markgrafschaft Baden ab.
6.  Gottfried Peter Rauschnick: Handbuch der Special-Geschichte sämmtlicher deutscher Staaten alter und neuer Zeit: Baiern, Schwaben, Würtemberg, Baden, Pfalz, Schweiz, Oesterreich, Band 1. Mainz 1828, S. 163.
Wolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen bis auf die neuesten Tage. Cotta 1837, S. 336.
Heinrich August Pierer: Supplemente zum Universal-Lexikon oder Encyclopädischem Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe: Aa - Bronchophonie, Band 1. Altenburg 1841, S. 411.

Die Stauferstele wird auf dem früheren Kutschenplatz östlich des Schlosses, heute Kurt-Müller-Graf-Platz, etwa dort aufgestellt, wo links auf dem Panoramafoto bisher ein Mülleimer steht.

Stifter der Stauferstele

Bürger von Ettlingen
In memoriam Wolfgang Lorch (1940-2014)

Einweihung: 30. April 2017


Postfaktisches aus Ettlingen:
Die Datierungen der Markt- und Stadtrechtsverleihung sind frei erfunden