WÄSCHER-
BURG 2014

Die Wäscherburg (auch Wäscherschloss genannt) liegt nordöstlich von Wäschenbeuren einen Kilometer entfernt im Ortsteil Wäscherhof. Auf Grund der Topografie ist es schwierig, die Burg als Ganzes zu fotografieren. Hier ein Blick vom Hohenstaufen aus dreitausend Metern Entfernung mit einem Teleobjektiv mit 640 mm Brennweite. Die Stauferstele steht rechts zwischen dem weißen Zelt und den Fahnen. Foto: Frank Schiefer.

Inschriften der 26. Stauferstele

 Wappen der Reichsschenken von Limpurg 

DIE REICHSSCHENKEN
VON LIMPURG
DIENSTMANNEN DER
STAUFISCHEN
KAISER UND KÖNIGE
ERBAUTEN
UM 1225/35
DIE WÄSCHERBURG
—————————————
DER MINNESÄNGER
KONRAD VON LIMPURG
BEGLEITETE 1268
KÖNIG KONRADIN
'DEN LETZTEN STAUFER'
NACH ITALIEN
ZUM KAMPF UM
DESSEN ERBE
———————————————————
SUSANNE ET KARL ET HARIOLF ET MATTHIAS
KOTTMANN DEDERUNT
MARKUS WOLF FECIT MMXIV



Wappen der Herren von Staufen

WÄSCHERBURG
STAMMSITZ DER
HERREN VON STAUFEN
DIENSTMANNEN
DER REICHSSCHENKEN
VON LIMPURG
AUF DER BURG
HOHENSTAUFEN
—————————————
KÖNIGIN
IRENE MARIA
KAISERTOCHTER
AUS BYZANZ
GEMAHLIN DES
AM 21. JUNI 1208
IN BAMBERG
ERMORDETEN KÖNIGS
PHILIPP
VON SCHWABEN
STARB IM KINDBETT
AM 27. AUGUST 1208
AUF DER BURG
HOHENSTAUFEN
IM BEISEIN DES
EGENO VON STAUFEN
DIE 'ROS ANE DORN'
FAND IHR GRAB
IM KLOSTER LORCH



Wappen von Wäschenbeuren

WÄSCHENBEUREN
HIESS URSPRÜNGLICH
BÜREN - BEUREN
NACH DEN AUF DEM
NAHEN 'BURREN'
GESTANDENEN
VORGÄNGERANLAGEN
DER WÄSCHERBURG
—————————————
EGENOS ENKEL
RITTER KONRAD
VON STAUFEN
TRUG DEN BEINAMEN
'DER WASCHER'
DIESER NAME GING
SPÄTER AUF DORF
UND BURG ÜBER
———————————————————
IN MEMORIAM
ROSA KOTTMANN NATA KLOPFER 1929-2010
INGEBORG KOTTMANN NATA KNUTH 1955-2009



Wappen des Herzogtums Schwaben

'FRIDERICUS
GENUIT
FRIDERICUS
DE BUREN
FRIDERICUS
DE BUREN
GENUIT DUCEM
FRIDERICUM
QUI STOPHEN
CONDIDIT'
WIBALD VON STABLO 1153
—————————————
FRIEDRICH
SOHN VON
FRIEDRICH
VON BÜREN
ERHIELT
AM 24. MÄRZ 1079
AGNES
VON WAIBLINGEN
TOCHTER VON KAISER
HEINRICH IV.
ZUR FRAU
ERBAUER DER BURG
HOHENSTAUFEN
HERZOG
VON SCHWABEN

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Die Stauferstele steht vor der Ostseite der ehemaligen staufischen Dienstmannenburg, die um 1230 in Sichtweite des Hohenstaufen errichtet wurde.

Die Wäscherburg ist nach Art der Buckelquader, Steinmetzzeichen und Zangenlöcher in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zu datieren. Sie diente als staufische Dienstmannenburg.

Die älteste überlieferte Urkunde stammt aus dem Jahr 1271, in der ein Cunradus miles cognominatus Wascher (dt.: Ritter Konrad mit dem Beinamen Wascher) und sein gleichnamiger Sohn zum Ersatz für den dem Kloster Lorch zugefügten Schaden auf ihre Vogtei über bestimmte Güter des Klosters verzichten und einen Mansus (Landgut) in Buron gegen Güter in Nibelgau (Gegend östlich von Welzheim) eintauschen.1 Dieser Ritter wurde der Namensgeber für die Burg.

1274 verpfändete der kaiserliche Hofschenk Walter von Limpurg seinen Turm in Staufen samt Hofstatt, genannt Burgsess, mit allen seinen Besitzungen und Leuten auf der anderen Seite des Remsflusses sowie dem Patronatrecht der Kirche zu Giengen um 450 Pfund Heller an seinen Schwiegersohn Ulrich von Rechberg und dessen Brüder.2 Die Herren von Staufen, zu denen Ritter Konrad gehörte, müssten demzufolge Dienstmannen der Limpurger gewesen sein. Es kann sein, dass es die Limpurger waren, die die Wäscherburg etwa ein halbes Jahrhundert vor dieser Verpfändung erbauten.

Blick auf den Hohenstaufen, auf dessen Gipfel in drei Kilometer Entfernung ebenfalls eine Stauferstele steht. Die Goldkrone der Stele glänzt in der winterlichen Abendsonne.

Der Burren - Wiege der Staufer?

Laut der Tabula Consanguinitatis von Wibald von Stablo aus dem Jahre 1152/53 war der Vater des ersten Stauferherzogs Friedrich I. von Schwaben ein gewisser Fridericus de Buren (dt.: Friedrich von Büren), der im 11. Jahrhundert gelebt hat.3

Man hat sich angewöhnt, dieses Büren ohne Beleg aus geografischen Überlegungen mit Wäschenbeuren gleichzusetzen4 und die Wiege der Staufer dort zu verorten. Die Wäscherburg ist aber erst im 13. Jahrhundert, also gegen Ende der Stauferzeit erbaut worden.

Beim Wasserturm (links) befindet sich knapp sechshundert Meter westlich von der Wäscherburg (rechts) der Burren.

Es wird deshalb spekuliert, dass die ehemalige Stammburg der Staufer der Burgstall ist, der knapp sechshundert Meter westlich von der Wäscherburg am Burren liegt. Allerdings liefert der archäologische Befund am Burren keinen Anhaltspunkt für einen dort liegenden staufischen Hauptsitz. Bei Ausgrabungen im Jahr 19575 wurde ein kleine Anlage mit einem Wohnturm entdeckt, die wahrscheinlich aus der Zeit stammt, in der Friedrich von Büren gelebt hat, aber für einen Grafensitz des 11. Jahrhunderts zu klein erscheint.6

Der Burgstall Burren liegt südwestlich des Wasserturms und ist ringsherum von einer dichten Hecke umgeben. Innerhalb der Hecke sieht man den teilweise noch drei Meter tiefen Graben um den 18 mal 18 Meter großen Turmhügel aus dem 13. Jahrhundert. Um den Graben verläuft ein verschleifter Außenwall. Hier befand sich ursprünglich eine noch kleinere Anlage, die in romanischer Zeit im 11. Jahrhundert errichtet wurde.

Der Ortsname Büren ist alles andere als selten. Da Friedrich von Büren vor der Zeit gelebt hat, in der sein Sohn sich auf dem Hohenstaufen etablierte und das Kloster Lorch stiftete, verliert auch das Argument der örtlichen Nähe an Bedeutung.7

Auf der Stauferstele wird Fridericus de Buren unter Bezugnahme auf Wibald von Stablo als Vater des ersten Stauferherzogs erwähnt. Es wird zwar suggeriert, aber aus gutem Grunde nicht explizit behauptet, dieses Buren/Büren sei mit Wäschenbeuren gleichzusetzen.

Es gab jedoch auf dem Burren keine VORGÄNGERANLAGEN DER WÄSCHERBURG, wie auf der Stauferstele zu lesen ist. Stattdessen wurde der erste Wohnturm auf dem Burren aus dem 11. Jahrhundert rund zwei Jahrhunderte später in gotischer Zeit durch einen neuen Wohnturm auf vergrößerter Fläche mit einem tiefen Graben und einem Wall ersetzt. Diese zweite Turmhügelburg auf dem Burren, die um 1250 bis 1300 errichtet wurde,8 existierte parallel zur Wäscherburg, die um 1220 bis 1250 erbaut wurde,9 wobei die Grabungen keinen Anhaltspunkt ergaben, wie viele Jahrhunderte der zweite Wohnturm auf dem Burren genutzt wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auf dem Turmhügel ein drittes, neuzeitliches Bauwerk errichtet, das 1861 auf Abbruch verkauft wurde.

1.  Landesarchiv Baden-Württemberg: Württembergisches Urkundenbuch Online, Band VII., Nr. 2190.
2.  Landesarchiv Baden-Württemberg: Württembergisches Urkundenbuch Online, Band VII., Nr. 2419.
3.  Peter Koblank: Tabula consanguinitatis von Wibald von Stablo. Kein Scheidungsgrund für die Ehe von Friedrich I. Barbarossa mit seiner ersten Ehefrau Adela.
4.  Hansmartin Decker-Hauff: Das Staufische Haus. In: Württembergisches Landesmuseum (Hrsg.): Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur, Stuttgart 1977, Band III, S. 339-374, hier: S. 344.
5.  Hartwig Zürn: Ausgrabungen auf dem "Burren" bei Wäschenbeuren (Kr. Göppingen). In: Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein (Hrsg.): Fundberichte aus Schwaben, Neue Folge 15, Stuttgart 1959, S. 110-115.
6.  Hans-Martin Maurer: Der Hohenstaufen. Geschichte der Stammburg eines Kaiserhauses. Stuttgart/Aalen 1977, S. 18.
7.  Daniel Ziemann: Die Staufer - Ein elsässisches Adelsgeschlecht? In: Hubertus Seibert, Bernd Schneidmüller (Hrsg.): Grafen, Herzöge, Könige. Der Aufstieg der frühen Staufer und das Reich (1079-1152). Thorbecke, Ostfildern 2005, S. 99-133, hier: S. 109.
8.  Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb. Band 1 Nordost-Alb. Biberach 1988, S. 89-94. Hier: S. 91.
9.  ebd. S. 79.

Erläuterung der Inschriften

Limpurger. Marschall, Truchseß, Kämmerer und (Mund-)Schenk waren Reichsämter, wobei die Schenken die Aufsicht über die höfischen Weinkeller und Weinberge hatten. Die Reichsschenken von Limpurg benannten sich nach der Burg Limpurg am südlichen Stadtrand von Schwäbisch Hall, von der nur noch eine Ruine existiert. Noch heute wird ihr ehemaliges Herrschaftsgebiet, das sich zwischen Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd und Ellwangen erstreckte, als Limpurger Land bezeichnet. Auf Grund der erwähnten Urkunde aus dem Jahr 1274, in der Walterus imperialis aule pincerna de Limpurch seinen Turm in Staufen samt Hofstatt, genannt Burgsess verpfändete, könnte es sein, dass die Wäscherburg ein halbes Jahrhundert zuvor von den Limpurgern erbaut wurde. – Zur Familie der Limpurger gehörte auch der Minnesänger Schenk Konrad von Limpurg, der vor 1249 geboren wurde und nach 1286 starb und wahrscheinlich identisch ist mit dem in der Manesse-Liederhandschrift abgebildeten Schenke von Limpurg. Er gehörte zu den Begleitern Konradins, der 1268 in Neapel enthauptet wurde, womit das Geschlecht der Staufer in männlicher Linie erlosch. – Das Wappen der Limpurger zeigt fünf Streitkolben (mittelalterliche Keulen), die aber auch als Schaufeln gedeutet werden. – Auf dem Sockel stehen die Stifter, die die Stele dederunt (dt.: gaben) und der Bildhauer, der sie machte (lat.: fecit).

Staufer. Die Herren von Staufen waren Dienstmannen der Limpurger und bewohnten wahrscheinlich auch die Wäscherburg. Einer von diesen, Egeno von Staufen, war dabei, als Irene Maria von Byzanz, die sich nach der Ermordung ihres Ehemanns König Philipp von Schwaben von Bamberg auf den Hohenstaufen zurückgezogen hatte, dort bei der Geburt mit ihrer Tochter starb. Die beiden wurden im Kloster Lorch bestattet, wo seit 2008 eine Stauferstele an Irene Maria erinnert. Der Minnesänger Walter von der Vogelweide (1170-1230) bezeichnete sie im ersten Philipps-Ton (etwa 1202) als Rose ohne Dorn. – Die Herren von Staufen waren keine Familienangehörige der Staufer, sondern deren Ministeriale (unfreie Verwalter, später zum Adel aufgestiegen), die sich nach der Burg, für die sie zuständig waren, nannten. – Das Wappen der Herren von Staufen könnte vielleicht so ausgesehen haben, wie dargestellt.

Wäschenbeuren. Der Name von Wäschenbeuren geht auf die abgegangene Burg auf dem Burren zurück sowie auf den Ritter Konrad, der den Beinamen Wascher trug und in der erwähnten Urkunde aus dem Jahr 1271 genannt wird. Zum Burren siehe oben. – Auf dem Sockel stehen zwei Frauen mit ihren Namen (lat.: nata = dt.: geborene), an die die Stele erinnern (lat.: in memoriam) soll.

Stauferlöwen. Wibald von Stablo erstellte eine Tabula Consanguinitatis genannte Verwandschaftstafel, die im Zusammenhang mit der Ehescheidung Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahre 1153 von seiner Frau Adela von Vohburg im Zusammenhang steht. In dieser lateinischen Stammtafel heißt es im oberen Ast (ohne die kursiven Ergklärungen):

Wibald von Stablo: Tabula Consanguinitatis (1252/53). Links steht vertikal: Von einem Vater und von einer Mutter geboren. Der obere Ast ist die Abstammungslinie von Friedrich I. Barbarossa, der untere die seiner Frau Adela von Vohburg.

Kaiser Heinrich IV. machte den Sohn von Friedrich von Büren zum Herzog von Schwaben und gab ihm seine Tochter Agnes zur Frau. Dass dieser Herzog Friedrich I. von Schwaben die Burg auf dem Hohenstaufen tatsächlich gegründet hat, ist nicht sicher. Denn Otto von Freising berichtet in seinen Gesta Friderici Imperatoris, einer Barbarossa-Biografie um 1156, dass Herzog Friedrich in castro Stoyphe dicto coloniam posuerat, womit die Burg bereits bestanden haben muss, bevor er dort eine Siedlung errichtete. – Auf dem Hohenstaufen steht schon seit 2002 eine Stauferstele.

Die Wäscherburg

Die ehemalige staufische Dienstmannenburg wurde um 1230 in Sichtweite des Hohenstaufen errichtet.

Blick in den Innenhof der Wäscherburg. Inzwischen steht auf dem Vorplatz die Stauferstele. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Die trapezförmige Umfassungsmauer der Wäscherburg ist noch weitgehend original erhalten, lediglich die Ostseite mit dem Eingangstor wurde nach Einsturz ab 1915 rekonstruiert. Im Westen steht ein Palas mit einer Buckelquadermauer. Dessen steinernes Untergeschoss basiert auf einem ursprünglich etwas schmaleren Gebäude in der Nordwestecke. Die Verbreiterung dieses Wohngebäudes auf die gesamte Breite der Burg erfolgte wohl im 14. Jahrhundert. Das untere Fachwerkstockwerk stammt aus dem 15. Jahrhundert, das obere und das Dach aus dem 17. Jahrhundert.

Links: An der Westseite ist die zehn Meter hohe Schildmauer fast drei Meter stark. Eine Schildmauer ist ein erhöhter Schutz der Ringmauer an der Hauptangriffsseite. Die Kragsteine dienten als Auflage für eine Holzbalkenkonstruktion. – Rechts: Die bastionsartige Verstärkung der Südwestecke wurde vielleicht nach einer Beschädigung im 14. Jahrhundert angebaut. In der Südwand sieht man ein Abtrittfenster.

In dem Burggebäude ist ein Museum untergebracht, das über die Staufer und ihre Zeit informiert.

Die Sage von Barbarossa und der schönen Wäscherin

Kaiser Friedrich Barbarossa soll auf dem Weg vom Kloster Lorch zum Hohenstaufen in der Wäscherburg, die damals die Hofwäscherei der Staufer gewesen sein soll, eine schöne Wäscherin entdeckt haben, in die er sich verliebte.

1491 erhielt der Ort von König Maximilian I. ein Wappen verliehen, auf dem die schöne Wäscherin abgebildet ist. Der Ritter Konrad mit dem Beinamen Wascher, der der erst Jahrzehnte nach Barbarossas Tod errichteten Wäscherburg ihren Namen gegeben hat, war damals in Vergessenheit geraten.

Das Wappen zeigt eine hinter einem Tisch stehende, schwarzgekleidete Wäscherin, die mit der Linken ein über den Tisch gelegtes Leintuch und in der erhobenen Rechten einen Schlegel hält, hinter ihr ein Waschzuber.

Mit dem Fernglas kann man vom Aasrücken aus am Parkplatz an der L1075 zwischen Hohenstaufen und Lenglingen die Stauferstele auf dem Vorplatz der Wäscherburg in etwas mehr als zweieinhalb Kilometer Entfernung gerade noch erkennen. Umgekehrt kann man von der Wäscherburg aus die von dort drei Kilometer entfernte Stauferstele auf dem Gipfel des Hohenstaufen sehen.

Hans Kloss: Wäscherburg und Hohenstaufen. Radierung. Vorstudie zum Staufer-Rundbild im Kloster Lorch.

Walter Ziegler vom Komitee der Stauferfreunde erläutert bei der Einweihung die Inschriften der Stele. Foto: Klaus Jürgen Friedrich.

Stifter der Stauferstele

Dr. Hariolf Kottmann

Einweihung: 28. September 2014


Burgstall "Burren" bei Wäschenbeuren

Die Wäscherburg liegt an der "Straße der Staufer"

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