BOPFINGEN 2014

Die Ruine der Burg Flochberg im Bopfinger Ortsteil Schlossberg erinnert noch heute an einen Sieg der Staufer über die Welfen im Jahr 1150, als der erste Stauferkönig Konrad III. regierte. Im Hintergrund der Ipf, dessen Gipfel schon in der Spätbronzezeit vor über 3000 Jahren bewohnt war. – Die Stauferstele steht in Bopfingen in der Vorderen Pfarrgasse südöstlich der St. Blasiuskirche an der Stadtmauer.

Inschriften der 27. Stauferstele

Wappen des Reichs

DER SOHN VON KÖNIG
KONRAD III.
HEINRICH (VI.)
BERENGAR
KÖNIGSWAHL MÄRZ 1147
IN FRANKFURT AM MAIN
KRÖNUNG
AM 30. MÄRZ 1147
IN AACHEN
TOD 1150
BEIGESETZT IN LORCH
—————————————
SIEGT IN DER
SCHLACHT
BEI FLOCHBERG
AM 8. FEBRUAR 1150
ÜBER HERZOG
WELF VI.
'PROPE CASTELLUM
NOSTRUM FLOCHPERHC'



Wappen des Herzogtums Schwaben

'BURGUS BEPHINGIN'
UND DAS
'CASTRUM FLOCHBERCH'
WERDEN 1188 ALS
STAUFISCHES
HAUSGUT GENANNT
IN DEM VON KAISER
FRIEDRICH I.
BARBAROSSA
UND KÖNIG
ALFONS VIII.
VON KASTILIEN
—————————————
GESCHLOSSENEN
EHEVERTRAG
FÜR IHRE KINDER
HERZOG KONRAD
VON ROTHENBURG
UND PRINZESSIN
BERENGARIA



Ritter von Bopfingen

MARQUARD
'DICTUS DE
BOPFINGEN'
VORMALS MARSCHALL
VON KAISER
FRIEDRICHS II.
SOHN KÖNIG
KONRAD IV.
—————————————
ÜBERGIBT 1268
IM TODESJAHR DES
IN NEAPEL
HINGERICHTETEN
'LETZTEN STAUFERS'
KONRADIN
KÖNIG VON JERUSALEM
UND SIZILIEN
HERZOG VON SCHWABEN
DEM HAUS DES
DEUTSCHEN ORDENS
IN ELLINGEN BESITZ
UND ZWEI HÄUSER
IN BOPFINGEN



Stadt Bopfingen

BOPFINGEN
EINGANGSTOR ZUM
STAUFISCHEN RIES
WIRD STADT
UNTER KAISER
FRIEDRICH I.
BARBAROSSA † 1190
—————————————
NACH DER UNTER
KÖNIG KONRAD IV.
1241 VERFASSTEN
'REICHSSTEUERLISTE'
ENTRICHTET
DIE 'REICHSSTADT
BOPFINGEN' JÄHRLICH
50 MARK SILBER
AN DAS REICH
———————————————————
GESTIFTET VON
PROFESSOR DR. WERNER SCHÜLEN
MARKUS WOLF FECIT MMXIV

Hintergrundinformationen zur Stauferstele

Für den Aufbau der Stauferstele am Tag vor der Einweihung war ein 35-Tonnen-Kran erforderlich, dessen Teleskopausleger sich bis zu 27 Meter ausziehen ließ. Kranführer Dieter Wundel aus Deiningen leistete Millimeterarbeit, als er nacheinander den Sockel und die drei Trommeln der Stele exakt absetzte. Das Bild, aufgenommen vom Turm der evangelischen Stadtkirche St. Blasius, zeigt die Anlieferung der obersten Trommel mit der goldenen Krone. Bei der Stele der Bildhauer Markus Wolf und sein Sohn Jakob Wolf.
Mehr Bilder.

Direkt an der Stele sieht man im Boden Beleuchtungeinheiten, die bei Nacht eingeschaltet werden. Die kleinen Wasserfontänen, die aus den etwas weiter von der Stele entfernten Öffnungen vor der Stele im Boden sprudeln sollen, sind eine Woche nach Einweihung noch nicht im Betrieb. Im Hintergrund Reste der mittelalterlichen Stadtmauer mit einem Durchgang zum direkt dahinter liegenden Stadtgarten.

Im Jahre 1150 hatte Welf VI. die Absicht, die staufische Burg Flochberg zu überfallen. Dies wurde von einem Heer, das nominell von dem dreizehnjährigen König Heinrich (VI.) geführt wurde, vereitelt. In der Schlacht bei Flochberg wurde Welf VI. besiegt und in die Flucht geschlagen. Heinrich (VI.), auch Heinrich-Berengar genannt, war Sohn und Mitkönig von Konrad III., dem ersten römisch-deutschen König aus dem Hause der Staufer. Er starb noch im selben Jahr. Welf VI. machte kurze Zeit später durch Vermittlung des späteren Kaisers Friedrich I. Barbarossa seinen Frieden mit den Staufern und starb 1191 im stolzen Alter von 76 Jahren.

Die zur früheren Burg gehörende Siedlung Flochberg und die Anfang des 18. Jahrhunderts direkt unterhalb der Ruine entstandene Siedlung Schlossberg sind seit 1970/71 Ortsteile von Bopfingen.

Erläuterung der Inschriften

Reichsadler. Der erste Stauferkönig Konrad III. ließ 1147, bevor er zum Zweiten Kreuzzug aufbrach, seinen ältesten Sohn Heinrich (VI.) zum Mitkönig wählen und in Aachen krönen. Heinrich (VI.) führte am 8. Februar 1150 nominell die siegreichen Truppen bei der Schlacht

bei Flochberg über Welf VI. Er war damals dreizehn Jahre alt und starb noch im selben Jahr. – Ob er tatsächlich im Kloster Lorch beigesetzt wurde, ist strittig. Siehe auch: Staufergräber. – Das lateinische Zitat prope castellum nostrum Flochperhc (dt.: in der Nähe unserer Burg Flochberg) stammt aus einem in Würzburg am 16./20. April 1150 verfassten Brief von Konrad III. an seine Schwägerin, die griechische Kaiserin Irene, in dem er über seine Auseinandersetzung mit Welf VI. und den Sieg seines Sohnes berichtet.1

Auf der Urkunde steht: Bebphingin.
Stauferlöwen. Kaiser Friedrich I. Barbarossa wies im Jahre 1188 in einem Ehevertrag seinem Sohn Konrad verschiedene Besitztümer als Bestandteil der Morgengabe für die Braut zu. Hierzu gehörten auch castrum Flochbere cum omnibus pertinentiis (dt.: Burg Flochberg mit allem Zubehör) und burgum Bebphingin (dt.: Stadt Bopfingen).2 Kaiser Friedrich I. Barbarossa vereinbarte 1188 im Seligenstädter Vertrag die Verlobung seines 1172 geborenen Sohnes, des späteren Herzog Konrad II. von Schwaben, mit Berengaria, Tochter von König Alfons VIII. von Kastilien. Die Übergabe staufischen Besitzes an die Braut wird in der Urkunde als donatio propter nuptias bezeichnet, womit eine Zuwendung des Ehemanns an die Frau als Witwenvorsorge (Morgengabe) gemeint ist. Allerdings ist dieser Ehevertrag nicht verwirklicht worden. Der Seligenstädter Vertrag wird auch auf den Stauferstelen in Rothenburg, Schwäbisch Gmünd, Dinkelsbühl und Heilbronn erwähnt.

Ritter von Bopfingen. Marquard von Bopfingen, Marschall des verstorbenen Königs Konrad IV., übergab 1268 dem Deutschordenshaus in Ellingen Güter in Wössingen, einen Hof und Hofstätten mit einem Wald in Oberdorf, Hofstätten und zwei Häuser in Bopfingen.3

Bopfingen. Bopfingen liegt am westlichen Rand des Nördlinger Rieses. 1960 konnte nachgewiesen werden, dass dieses Flachland vor etwa 14,6 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag entstand. Das Ries zählt zu den am besten erhaltenen großen Impaktkratern der Erde. Der Name Ries leitet sich vom Namen der römischen Provinz Raetia, da man hier zur Römerzeit, von Westen kommend, diese Provinz betrat. Es gibt die Theorie, dass die Staufer ursprünglich aus dem Ries stammen. Jedenfalls hatten sie im 12. Jahrhundert dort etlichen Besitz. – Die urkundliche Erwähnung in dem Heiratsvertrag von 1188 als burgum, also als eine Stadt mit Mauern, führt zu der Annahme, dass Bopfingen vor diesem Zeitpunkt und in der Regierungszeit von Friedrich I. Barbarossa zur Stadt erhoben worden ist. 1241 war Bopfingen jedenfalls eine Reichsstadt, wie aus einem Reichssteuerverzeichnis aus diesem Jahr hervorgeht. Sie zahlte, als Bophingen (ohne den auf der Stele genannten Zusatz Reichsstadt) bezeichnet, 50 Silbermark Reichssteuern.4 Der Durchschnittswert der 92 Orte auf dieser Liste lag (einschließlich Judensteuer, die aber in Bopfingen nicht anfiel) damals bei knapp 73 Mark. – Bereits 1279 lässt sich der Reichsadler auf einer Urkunde mit dem Sigilum civitatis de Bophingen nachweisen, den Bopfingen heute noch im Wappen führt. – Auf dem Sockel stehen der Stifter sowie der Bildhauer, der die Stele 2014 machte (lat.: fecit).

1.  Monumenta Germaniae Historica, Band 9, Nr. 229.
2.  Monumenta Germaniae Historica, Band 10, 4, Nr. 970. Der Text auf der Stele mit Bephingen (richtig: Bebphingin) stimmt mit dem Urkundentext nicht überein.
3.  Landesarchiv Baden-Württemberg: Württembergisches Urkundenbuch Online, Band VI., Nr. 2012. Der in dieser Urkunde genannte Tatbestand steht in keinerlei sachlichem Zusammenhang mit dem Tod Konradins und ist sowohl für die Geschichte der Staufer, als auch für die der Stadt Bopfingen bedeutungslos. Ohne diese Inschrift wäre die Bopfinger Stele jedoch im Gegensatz zu allen anderen Stelen nur auf drei Seiten beschriftet.
4.  Monumenta Germaniae historica, Band 3, S. 1-7.

Ein Blick auf die heutige Ruine aus südwestlicher Sicht lässt die ehemalige Größe der Burg Flochberg erahnen.

Vorgeschichte und Folgen der Schlacht bei Flochberg

Um diese Zeit [1147] trat das Volk der Franzosen mit seinem König Ludwig und das Volk der Deutschen mit seinem König Konrad und anderen Fürsten, darunter Friedrich, dem Herzoge von Schwaben und nachmaligem Kaiser, mit Bischöfen, Grafen und anderen Männern jeden Standes wegen der Verdrängung der überseeischen Kirche den Kreuzzug nach Jerusalem an. Dies trieb auch den Herzog Welf [VI.] an, mitzuziehen, obwohl seine Fehde [mit König Konrad III.] noch nicht beigelegt war.

So brachen sie denn im Jahre des Herrn 1147 auf und führten ein unzählbares Heer durch Ungarn und Griechenland. Dieses ging, mit Ausnahme der Fürsten und anderer besonders vorsichtiger Leute, durch Hunger und Hitze und ungewohnte Ernährung sowie durch Angriffe der Sarazenen fast ganz zu Grunde, ohne etwas ausgerichtet zu haben.

Auf diesem beschwerlichen Zug kam König Konrad seinem Kampfgesellen Welf (denn so pflegte er ihn zu nennen) sehr oft in Nöten zu Hilfe und gab ihm seinen Anteil an allem, was ihm aus dem Staatsschatz des Kaisers von Konstantinopel geboten wurde.

Endlich kamen sie nach Jerusalem. Während nun andere unter König Konrad gegen Damaskus zogen, erkrankte Welf und rüstete sich in verzweifelter Stimmung zur Heimkehr. Auf dem Seewege gelangte er als Genesender nach Sizilien. Hier empfing ihn Roger unter großem Jubel seines Hauses und entließ ihn ehrenvoll, nachdem er ihn erneut durch reiche Geschenke zu Auflehnung gegen den König [Konrad III.] angetrieben hatte.

Nach seiner Heimkehr bot Welf daher im nächsten Winter um Mariä Lichtmess [2. Februar] seine Ritter auf, fiel in das Gebiet des Königs ein und bedrängte durch tapferen Angriff dessen Burg Flochberg [im Original Flohperc]. Als er aber auf dem Rückmarsch unvorsichtig seine Schar in allzu gelockerter Ordnung führte, wurde er von den Rittern des Königs überfallen, und da nur wenige unserer Leute eingreifen konnten, die übrigen dagegen überallhin zerstreut waren, mussten sie, mehr in Folge eines Unglücks als wegen der Heftigkeit des Angriffs, die Flucht ergreifen und unter Verlust vieler Gefangener, aber ohne dass einer gefallen war, schmachbedeckt heimkehren.

Damit endete der lange leidige Krieg zwischen ihm und dem König. Denn Friedrich [der spätere Kaiser Friedrich I. Barbarossa], der Brudersohn des Königs, der Schwestersohn Welfs, trat nun als Vermittler eines Friedensschlusses auf und entschied nach reiflicher Überlegung, dass dem Herzog Welf die Gefangenen zurückzugeben wären, der König aber in Zukunft vor ihm Sicherheit genießen sollte. Der König nahm diesen Vorschlag an. Er gewährte Welf auch einige Einkünfte aus dem Reichsgut mit dem Dorf Mertingen, und so kam der Friede zustande.

Bald darauf schied er aus dem Leben und hinterließ den Thron des Reiches seinem Brudersohn Friedrich. Dieser gab seinem Mutterbruder Welf die Mark Tuszien, das Herzogtum Spoleto, das Fürstentum Sardinien und das Hausgut der Gräfin Mathilde zu Lehen. Jene Einkünfte aus dem Reichsgut, die wir schon erwähnt haben, konnte er gleichwohl auch weiter beziehen.

Historia Welforum, um 1170, Kap. 27 u. 28. Übersetzung in starker Anlehnung an:
Erich König (Hrsg.): Historia Welforum, Stuttgart 1938), S. 54-57. Ergänzungen in eckigen Klammern.


Aus zwei Briefen, die Heinrich (VI.) am 16./20. April 1150 an den byzantinischen Kaiser Manuel I. und an dessen Frau Irene (Heinrichs Tante) schrieb, ergibt sich ein genaueres Bild dieser Schlacht:

Am 8. Februar 1150 drang der "stolze und heimtückische" Welf VI. in staufisches Gebiet ein und rückte auf die Burg, "die Flohperc genannt wird," vor. Heinrich (VI.) war in der fünf Stunden entfernten Harburg und eilte mit einem Heer zu Hilfe. Daraufhin zog sich Welf mit seiner Truppe zurück. Heinrich sendete ihm schnelle Reiter hinterher, die Welfs Nachhut aufhielten. "Weil der wahre Gott im Himmel für uns kämpfte," war Heinrichs Truppe so siegreich, dass nur wenige, offensichtlich aber auch Welf, im Schutz der Dunkelheit entkamen. Dreihundert Reiter wurden gefangen genommen und eine nicht geringe Zahl von Pferden getötet, teils von Lanzen durchbohrt, teils mit dem Schwert erschlagen.

Die beiden Briefe mit einer gleichlautenden Schilderung dieser Ereignisse sind veröffentlicht in: Monumenta Germaniae Historica, Band 9, Nr. 10 u. 11.


Wilhelm Bernhardi: Die Schlacht bei Flochberg

Relikte aus der Stauferzeit

Das neben der Ruine Flochberg wohl einzige Relikt aus der Stauferzeit ist das romanische Portal an der Südseite der Bopfinger St. Blasiuskirche. Es stammt von der um 1100 errichteten romanischen Vorgängerkirche. – Rechts: Bopfingen im 12. Jahrhundert und Stadtmauererweiterung im 14. Jahrhundert (Tafel im Bopfinger Museum im Seelhaus).

Die Reste der Stadtmauer, die man noch an einigen Stellen sehen kann, sind poststaufisch. Der Hänlesturm an der Bundesstraße B29 ist um 1400 erbaut worden und gehört zur Stadtbefestigung, von der man links von ihm noch einen Rest sieht. Er hat vier Stockwerke und ein Kegeldach und ist der einzige Turm, der die Abrissarbeiten im 19. Jahrhundert überstand. Rechts Reste der alten Stadtmauer bei der St. Blasiuskirche.

Bopfingen auf einem Kupferstich von Christian Leopold, Augsburg um 1750. An der damals noch vollständigen Stadtmauer ist der Hänlesturm zu erkennen, ganz links im Bild die Ruine Flochberg.

Eine gute Übersicht über die ehemalige Burg Flochberg hat man aus nördlicher Richtung vom Ipf aus.

Oben: Burg Flochberg auf dem Altarbild der Wallfahrtskirche Unserer lieben Frau vom Roggenacker in Flochberg um 1750 von Süden aus. – Unten: Den damaligen tatsächlichen Bauzustand sieht man auf dem weiter oben abgebildeten Kupferstich von Christian Leopold, der ebenfalls um 1750 entstand. Hier ein vergrößerter Ausschnitt mit Blick aus Richtung Norden. Im April 1648 sprengten die Schweden am Ende des Dreißigjährigen Krieges die Burg. Da sie nicht mehr aufgebaut wurde, diente sie bis 1820 als Steinbruch.

Einweihung

Einweihungsfeier am 11. Oktober 2014. Rechts der Stifter Prof. Dr. Werner Schülen. Beide Fotos: Horst Neher.

Seit Ende Juli 2015 sprudelt dank einer Spende des Fördervereins für Kultur und Heimatpflege endlich auch das Wasser vor der Stele.


Stifter der Stauferstele

Prof. Dr. Werner Schülen

Einweihung: 11. Oktober 2014


Wilhelm Bernhardi: Die Schlacht bei Flochberg

Millimeterarbeit mit einem 35-Tonner

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